Samstag, 16. Dezember 2017

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Börsenprofi Carsten Klude erklärt Goldene Zeiten für die deutsche Wirtschaft - und für die Börse

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Die deutsche Wirtschaft hat 2017 ein beeindruckendes Wachstumstempo vorgelegt. Im dritten Quartal ist das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Da zudem die Wachstumsrate für das erste Quartal 2017 nach oben revidiert wurde, wird das Wirtschaftswachstum die Marke von 2 Prozent deutlich überschreiten. Wir gehen nun von einem Anstieg in diesem Jahr von 2,3 Prozent aus.

Carsten Klude
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    Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Beim Blick auf die offizielle Zuwachsrate muss berücksichtigt werden, dass es in diesem Jahr drei Arbeitstage weniger gibt als 2016. Dieser Kalendereffekt führt dazu, dass die saison- und kalenderbereinigte Wachstumsrate (dies ist der im internationalen Vergleich relevante Maßstab) sogar 2,6 Prozent beträgt. Selten zuvor ist die wirtschaftliche Dynamik derart unterschätzt worden, wie es in diesem Jahr der Fall ist. Der Mittelwert der Wachstumsprognosen lag im Januar 2017 gerade einmal bei 1,3 Prozent, wobei die optimistischste Einschätzung 1,7 Prozent und die pessimistischste 1,1 Prozent betrug.

Da der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft jüngst einen neuen Rekordwert erreicht hat, spricht zunächst alles dafür, dass sich die konjunkturelle Dynamik mit hohem Tempo fortsetzen wird. Frühestens für die zweite Jahreshälfte 2018 könnte die Konjunktur wieder eine etwas langsamere Gangart einlegen. Nicht nur in der Industrie, sondern auch bei den Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor ist die Stimmung so gut wie selten zuvor.

Wir gehen daher für 2018 von einem realen BIP-Wachstum von 2,7 Prozent aus, wobei es im nächsten Jahr keinen nennenswerten Kalendereffekt geben wird. Obwohl die Jamaika-Koalitionsverhandlungen geplatzt sind, könnten von der nächsten Regierung Steuersenkungen und eine expansivere Fiskalpolitik beschlossen werden, die einen zusätzlichen Wachstumsimpuls in den Jahren 2018 und 2019 bringen werden.

Höhere Reallöhne stützen privaten Konsum

Niedrigere Steuern und eine stärkere finanzielle Förderung von Familien würden sich positiv auf den privaten Konsum auswirken. Von daher wird die Binnennachfrage in nächster Zeit der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung sein. Der private Verbrauch profitiert zudem von der guten Arbeitsmarktsituation. Die Zahl der Beschäftigten hat zuletzt den Rekordwert von mehr als 44 Millionen Personen erreicht, davon haben mehr als 32 Millionen einen sozialversicherungspflichtigen Job.

In den vergangenen zwei Jahren ist die Bruttolohnsumme um mehr als 4 Prozent pro Jahr angestiegen. Der Zuwachs der verfügbaren Einkommen fiel aufgrund der Steuerprogression mit rund 3 Prozent nicht ganz so stark, aber immer noch beachtlich aus. Da die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent in diesem auf 5,7 Prozent im nächsten Jahr sinken wird, wird die Bruttolohnsumme auch nächstes Jahr vergleichsweise stark zulegen.

GRAFIK Börsenkurse der Woche / 2017 / KW 47

Wir gehen davon aus, dass die Inflationsrate von 1,6 Prozent in diesem auf 1,3 Prozent im nächsten Jahr sinken wird. Dies ist hauptsächlich auf den Ölpreis und den stärkeren Euro zurückzuführen. Dieser führt dazu, dass sich die Importe nicht nennenswert verteuern werden. Von daher wird die Inflationsrate zu Beginn des Jahres 2018 auf rund 1 Prozent sinken und erst im Jahresverlauf leicht ansteigen. Somit werden die Privathaushalte real mehr Geld im Portemonnaie haben als 2017, zumal die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung im kommenden Jahr leicht sinken und die Renten um rund 3 Prozent steigen dürften. Der private Konsum 2018 wird um gut 2 Prozent und damit etwas stärker zunehmen als im Jahr 2017. Geht diese Prognose auf, wäre dies der stärkste Zuwachs des privaten Verbrauchs seit dem Jahr 2000.

Bauinvestitionen schwach, aber Schub von Ausrüstungsinvestitionen

Die Bauinvestitionen wurden in den letzten beiden Jahren aufgrund des deutschen Immobilienbooms massiv ausgeweitet. An den günstigen Rahmenbedingungen wird sich zunächst wenig ändern. Allerdings hat sich der Auftragseingang in der Bauindustrie in den vergangenen Monaten abgeschwächt, und es bleibt abzuwarten, ob es sich dabei nur um eine Verschnaufpause handelt oder um eine nachhaltigere Verlangsamung.

Im Unterschied zu den Bauinvestitionen wurden die Ausrüstungsinvestitionen in den vergangenen drei Jahren nur sehr verhalten ausgeweitet. Dies war vor allem auf die hohen politischen Unsicherheiten zurückzuführen, die die Investitionsbereitschaft gebremst haben. Doch nun wendet sich das Blatt. So haben sich die Geschäftserwartungen der Investitionsgüterindustrie in jüngster Zeit merklich aufgehellt, und vor allem der deutsche Maschinenbau schaut so optimistisch wie selten zuvor auf die kommenden Quartale. Wir gehen deswegen davon aus, dass die Ausrüstungsinvestitionen im Jahr 2018 um gut 6 Prozent zunehmen werden.

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