Sonntag, 19. November 2017

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Comeback des Edelmetalls Warum Gold jetzt wieder Anleger anlockt

Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab, ist als Krisenwährung aber dennoch beliebt

Während der Dax die letzten drei Monate in Folge Verluste aufwies, hat sich der Goldpreis wieder stark erholt. Was derzeit für Gold und gegen Aktien spricht.

Die Monatsbilanz für den deutschen Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen fiel zuletzt enttäuschend aus. Minus 2,3 Prozent im Juni, minus 1,7 Prozent im Juli und noch einmal minus 0,5 Prozent im August - zuletzt gab es wenig Grund zur Freude für Aktien-Investoren an der Börse. Und der heiße Herbst mit dem vielfach gefürchteten, weil oft besonders schwachen Monat September steht Anlegern sogar noch bevor.

An den Finanzmärkten hat der Wind offenbar gedreht. Sorgte der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump in den ersten Monaten nach seinem Sieg noch für Zuversicht, so ist inzwischen Ernüchterung eingetreten. Trump scheint mit seinen wirtschaftspolitischen Vorhaben nicht voranzukommen. Stattdessen steht das Weiße Haus seit Monaten im Zentrum nicht enden wollender Affären, Skandale und Peinlichkeiten.

Die Folge: Investoren, die die Kurse an der Börse noch vor Kurzem in die Höhe getrieben haben, wenden sich zunehmend von Aktien ab und anderen Anlageklassen zu. Die Rekordjagd der US-Börse beispielsweise ist zuletzt ins Stocken geraten. Prominente Großinvestoren wie der finnische Pensionsfonds Varma tun öffentlich ihre Skepsis kund - und bringen ihr Geld im großen Stil vor dem unberechenbaren Mann im Washington in Sicherheit.

Ähnlich ist es in Europa: Die schwache Performance der Aktienmärkte - siehe die Dreimonats-Talfahrt des Dax von Juni bis August - vertreibt auch auf dem alten Kontinent die Investoren. Allein in der Woche bis zum 30. August zogen Anleger netto insgesamt 1,4 Milliarden Dollar aus Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa ab, berichtet die "Financial Times". Erstmals seit März dieses Jahres, so belegen es die Zahlen vom Datenanbieter EPFR, verzeichneten europäische Aktienfonds zuletzt Netto-Mittelabflüsse in zwei aufeinanderfolgenden Wochen.

Freude am Goldmarkt

Grund dafür ist indirekt wiederum auch das Chaos an der Spitze der US-Regierung. Der Stimmungsumschwung, der dadurch an den Finanzmärkten ausgelöst wurde, hat auch die Devisenkurse beeinflusst: Während der Dollar seine anfänglichen Gewinne wieder einbüßte, befindet sich nun der Euro auf Höhenflug. Seit Jahresanfang hat der Euro gegenüber dem Dollar bereits mehr als 13 Prozent gewonnen, Tendenz weiter steigend.

Kein Wunder also, dass insbesondere die exportstarke deutsche Wirtschaft an der Börse unter Druck gerät - ihre Geschäftsaussichten auf den Weltmärkten werden mit dem steigenden Wert der europäischen Währung zunehmend schlechter.

Doch wo landen die Gelder, die derzeit aus Aktien abgezogen werden? Zum Beispiel am Goldmarkt. Seit Anfang des Jahres steigt der Goldpreis wieder. Sein jüngster Aufschwung begann Anfang Juli - seither ist der Preis des Edelmetalls um beinahe 9 Prozent auf deutlich mehr als 1300 Dollar je Unze (1110 Euro) gestiegen.

Und die gute Nachricht: Einiges spricht dafür, dass der Goldpreis diese Aufwärtstendenz auch in den kommenden Wochen beibehält.

Zum Beispiel die Politik der Zentralbanken: Eigentlich befindet sich die US-Zentralbank Fed zwar seit einiger Zeit in einer Phase der Zinsanhebungen, was tendenziell Druck auf den Goldpreis ausüben könnte. Zuletzt zeichnete sich jedoch ab, dass die nächsten Zinsschritte in einem etwas langsameren Tempo erfolgen könnten.

Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis auch in den kommenden Wochen und Monaten stärken dürfte, ist das zunehmend gespannte Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea. Provokative Raketenflüge auf der einen Seite und drastische Präsidenten-Statements auf der anderen bereiten vielen Menschen weltweit vermutlich Sorgen. Besitzern von Goldmünzen, -barren oder -wertpapieren dagegen bescheren sie regelmäßig Gewinne im Depot.

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