Dienstag, 18. Dezember 2018

Kein Erfolg ohne Risiko Was Geldanleger bei der Fußball-WM lernen können

Kein Sieg ohne Risiko: Für die Mannschaft Frankreichs läuft es bei der WM besser als für die DFB-Elf.

In Russland suchte die deutsche Mannschaft maximale Sicherheit und minimales Risiko - genau wie viele Geldanleger auch. Erfolgversprechend ist das kaum.

Als die deutsche Mannschaft bei der Fußball-WM in Russland am Mittwoch gegen Südkorea spielte, sah es so aus, als stünden für den DFB elf Sparbuchsparer auf dem Platz: Ängstlich, vorsichtig, risikoscheu.

Ein Fußballspiel kann kaum gewinnen, wer nicht das unvorhersehbare, das überraschende, das chaotische Element zulässt. Der steile Pass, der plötzliche Sprint, der Überfall-artige Konter. Aus solchen Impulsen entstehen Tore.

Die deutsche Mannschaft jedoch, so schien es am Mittwoch, scheut nichts so sehr wie den Kontrollverlust. Spontane, explosive Dynamik ist dem Team offenbar viel zu riskant. Stattdessen: Querpässe, Rückpässe, Sicherheitspässe. Immer schön hinten rum. Das bringt zwar maximalen Ballbesitz. Ein Tor wurde aber bislang noch selten durch ein Abspiel zum eigenen Torwart eingeleitet. Kein Wunder also, dass der einzige Treffer der deutschen Elf bei der WM durch eine vermutlich x-mal trainierte Freistoßvariante erzielt wurde.

Der Vergleich mag bemüht erscheinen, aber die Art, wie die deutschen zuletzt Fußball spielten, ähnelt sehr der Art, wie sie ihr Geld anlegen: Maximale Sicherheit und nach Möglichkeit null Risiko. Das Fatale dabei: Auch der Erfolg, der sich damit erzielen lässt, ist vergleichbar.

Auch bei der Geldanlage muss ins Risiko gehen, wer seine Erfolgschance erhöhen will. Das gängige Vehikel dafür ist die Aktie oder zumindest der Aktienfonds. Der folgende Satz wurde so oder so ähnlich vermutlich schon hundertfach geschrieben: Die Aktie bietet langfristig im Vergleich zu zahlreichen anderen Investmentmöglichkeiten die höchsten Renditechancen, das wurde bereits mit verschiedenen Untersuchungen belegt.

Berechnungen des Deutschen Aktien-Instituts (DAI) etwa ergaben, dass in der Vergangenheit ein Anlagezeitraum von 20 Jahren am Aktienmarkt im Schnitt einen Ertrag von rund 9 Prozent erbrachte. So viel gibt es für kein Sparbuch, kein Festgeld, kein Tagesgeld, keinen Bausparvertrag und keine Lebensversicherung. Auch Immobilien erzielen derartige Wertsteigerungen bestenfalls in Ausnahmesituationen.

In Deutschland jedoch überzeugen solche Fakten nur wenige. Hiesige Sparer halten bei der Geldanlage trotz allem an ihren vertrauten Gewohnheiten fest, und das sind eben jene, die zumindest augenscheinlich kein Risiko und maximale Sicherheit versprechen: Sie bringen ihr Geld für geringe Zinsen zur Bank, schließen Verträge mit Lebensversicherern ab - und halten sich so weit wie möglich von der Börse fern.

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