Dienstag, 22. August 2017

FMC droht Einschnitt in den USA FMC-Anlegern stockt das Blut

Blutwäsche: Der Dax-Konzern Fresenius Medical Care erwirtschaftet den Löwenanteil seiner Umsätze und Gewinne in den USA - und muss jetzt Umsatzverluste fürchten

Ein Streit um Zuschüsse für US-Dialysepatienten versetzt Anleger in Schrecken. Sie fürchten massive Folgen für die Erlöse von Fresenius Medical Care und schmeißen die Aktie im hohen Bogen aus dem Depot.

Unerfreulicher Jahresstart für das weltgrößte Dialyseunternehmen Fresenius Medical Care (FMC): Dem Konzern droht wegen eines Streits um Zuschüsse für bedürftige Dialysepatienten Gegenwind in seinem wichtigsten Markt USA. Anleger warfen daraufhin am Montag massenweise FMC-Aktien auf den Markt. In der Spitze verlor das Papier 7,3 Prozent - der größte Kurssturz seit dreieinhalb Jahren. Auch die Aktie des Mutterkonzerns Fresenius geriet unter die Räder und büßte zeitweise mehr als vier Prozent ein.

Laut einer Verordnung der US-Gesundheitsbehörde CMS soll die Wohltätigkeitsorganisation American Kidney Fund Dialysepatienten künftig keine Zuschüsse mehr für Zusatzversicherungen bezahlen dürfen. Die Patienten würden dann nur noch eine Basisversorgung erhalten - und FMC eine deutlich niedrigere Vergütung für ihre Behandlung. Sollte die Verordnung wie geplant zum 13. Januar in Kraft treten, "könnten hieraus erheblich nachteilige Auswirkungen auf unser Geschäft resultieren", warnte FMC am Samstagmorgen in einer Ad-hoc-Mitteilung.

2000 von 18.000 Patienten womöglich betroffen

Von der neuen Vorschrift seien zwischen 700 und 2000 FMC-Patienten in den USA betroffen, erklärte das Unternehmen, das in Amerika mehr als 180.000 Patienten behandelt. FMC, andere Dialyseanbieter wie DaVita und Patientenvertreter haben jedoch eine Klage mit dem Ziel eingereicht, die Verabschiedung der Verordnung anzufechten und ihr Wirksamwerden zu verhindern.

Viele Investoren sind dennoch alarmiert. "Die 2000 Patientenmachen den Kohl nicht fett", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Aber der Markt befürchtet offenbar, dass da noch mehr kommt." Experte Oliver Reinberg vom Analysehaus Kepler Cheuvreux geht davon aus, dass die CMS-Verordnung FMC zwischen 49 und 140 Millionen Dollar kosten würde. Er empfiehlt die FMC-Aktie zwar weiter zum Kauf, hat sie wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung jedoch von der Liste der aussichtsreichsten deutschen Aktien gestrichen.

"Haben Patienten nie zu einer Zusatzversicherung gedrängt"

Die USA sind für FMC mit Abstand der wichtigste Markt. Änderungen im US-Gesundheitssystem können deshalb große Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Von 2013 bis 2015 verzeichnete FMC wegen Kürzungen im US-Gesundheitssystem rückläufige Gewinne. Im vergangenen Jahr ging es jedoch wieder bergauf, unter anderem wegen leicht angehobener Erstattungssätze für staatlich krankenversicherte Patienten in den USA, gesunkener Behandlungskosten und eines Sparprogramms.

Die US-Gesundheitsbehörde CMS hat die Verbindung von FMC und DaVita mit dem American Kidney Fund (AKF) bereits im Sommer 2016 unter die Lupe genommen. Nun forderte auch die Generalanwaltschaft für den District of Massachusetts die Unternehmen auf, ihr Informationen über die Subvention von Krankenversicherungsbeiträgen durch die AKF bereitzustellen.

"Es ist kein Geheimnis, dass der American Kidney Fund auch von Dialyseunternehmen gefördert und unterstützt wird", sagte ein FMC-Sprecher. Der Konzern habe Patienten aber nie dazu gedrängt, AKF-Zuschüsse zu beantragen und damit eine Zusatzversicherung abzuschließen. Das zeige auch die vergleichsweise geringe Zahl an FMC-Patienten, die derzeit AKF-Zuschüsse erhielten.

rei/reuters

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