Mittwoch, 24. August 2016

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Finanzmarktkolumne Rekorde am Aktienmarkt - keine Angst vor dem Crash!

Von 1929 bis 2008: Die großen Aktiencrashs im Überblick
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REUTERS

Spätestens nach den Kursrekorden dieser Woche dürften sich viele Anleger sicher sein: An der Börse droht eine Korrektur oder gar ein Kurssturz. Eine Analyse aus den USA zeigt jedoch: Wer deshalb mit dem Aktienkauf zögert, macht womöglich einen Fehler.

Auf dem Niveau in den Aktienmarkt einsteigen? Das ist doch Wahnsinn!

Das dürften sich viele denken, die den aktuellen Bullenmarkt lediglich von den Zuschauerrängen beobachten. In Deutschland sind das bekanntlich nicht wenige: Der Aktienkauf ist hierzulande schon traditionell nicht sehr populär.

Ein Grund für die aktuelle Zurückhaltung dürfte allerdings auch die Rally der vergangenen Jahre sein, durch die die Aktienkurse auf ein für viele schwindelerregendes Niveau gestiegen sind. Seit etwa sechs Jahren legen die Kurse beinahe ununterbrochen zu. Der Dax Börsen-Chart zeigen ist in dieser Zeit von weniger als 4000 Punkten auf ein Rekordniveau jenseits der 11.300 Punkte geklettert. Der MDax Börsen-Chart zeigen schoss sogar noch stärker nach oben und übersprang am heutigen Freitag erstmals in seiner Geschichte die Marke von 20.000 Punkten.

Viele Anleger, die ihr Geld lieber im Fest- oder Tagesgeld halten, statt es an der Börse zu investieren, gerieten im Verlauf dieser sechs Jahre zweifellos in ein zunehmend unangenehmes Wechselbad der Gefühle: Auf der einen Seite mussten sie mit Neid verfolgen, wie ihnen am Aktienmarkt erkleckliche Gewinne entgingen - und auf der anderen Seite hielt sie die Furcht vor einem Kursrückschlag, der immer wahrscheinlicher zu werden scheint, vom Einstieg ab.

Überraschende Analyseergebnisse

Für Investoren, die aus diesen Gründen zögern, gibt es aber eine gute Nachricht: Vor allem jene, die einen langen Anlagehorizont haben, also insbesondere junge Leute, sollten sich durch die Sorge vor möglichen Rückschlägen oder Crashs nicht unbedingt vom Aktienkauf abhalten lassen. Denn selbst, wenn ein solcher Kurssturz unmittelbar bevorstehen sollte, gilt: Das Geld ist schneller wieder da, als viele denken.

Eine Analyse des US-Finanzdienstleisters CircleBlack verdeutlicht dies eindrucksvoll. CircleBlack hat für mehrere Börsenphasen in der Vergangenheit berechnet, wie lange es gedauert hat, bis jemand, der unmittelbar vor einem Kurssturz in den Markt eingestiegen war, wieder in den schwarzen Zahlen landete.

Die überraschende Erkenntnis: Es dauerte in keinem Fall sehr lange. Wer beispielsweise im Jahr 2008, unmittelbar vor der Lehman-Pleite, begann, jährlich 1000 Dollar in US-Aktien zu investieren, kam schon Ende 2009 wieder aus den Miesen, so CircleBlack.

Der schwarze Freitag war gar nicht so schwarz

Selbst bei der bisher schwersten Börsen- und Wirtschaftskrise nach dem schwarzen Freitag im Oktober 1929, als die US-Börsen in der großen Depression etwa zwei Drittel ihres Wertes verloren, dauerte es in dem angenommenen Szenario mit 1000-Dollar-Einsätzen pro Jahr laut CircleBlack lediglich sieben Jahre, bis die Verluste ausgeglichen waren.

Das heißt: Es ist zwar eine altbekannte Tatsache, dass es nur sehr wenigen gelingt, an der Börse den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg sowie für den Ausstieg zu finden, nämlich den jeweils niedrigsten oder höchsten Punkt der Kursentwicklung. Die Analyse von CircleBlack zeigt jedoch einmal mehr wie unwichtig dieses Timing für langfristig orientierte Investoren ist.

Tatsächlich gilt vielmehr: Die Gefahr eines Crashs wird offenbar von vielen Investoren überbewertet. Das gilt vor allem für junge Anleger. Die sind zwar gegenwärtig einerseits besonders gebrandmarkt, denn sie haben mit dem Platzen der Dot-Com-Blase 2000 und der Lehman-Pleite 2008 gleich zweimal binnen kurzer Zeit schlechte Erfahrungen gemacht. Sie haben auf der anderen Seite für ihre Vermögensbildung aber viel Zeit, in der sich Verluste ausgleichen lassen.

Mit Blick auf die aktuelle Börsenentwicklung muss eines allerdings wohl ehrlicherweise hinzugefügt werden: Wer sich in diesen Tagen den Chart von Dax oder MDax anschaut, dürfte trotz der geschilderten Untersuchungsergebnisse Schwierigkeiten haben, kurzfristig eine Kauforder für den deutschen Aktienmarkt zu erteilen. Da ist es vielleicht doch besser, zunächst mal auf die nächste kleine oder größere Korrektur zu warten.

1929, 2000, 2008 - große Aktiencrashs im Überblick

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