Mittwoch, 24. Januar 2018

Irreführende Finanzmarkt-Prognosen Börsenjahr 2017 - ein Festival der Fehlprognosen

Händler an der US-Börse : Aufschwung ja, aber aus anderen Gründen als gedacht.

Was taugen Expertenprognosen an der Börse? Das auslaufende Jahr 2017 hat dafür eine klare Antwort: Nichts. Selten lagen die Fachleute so oft daneben.

Zum nahenden Jahreswechsel ist es wieder soweit: Die Experten von Wirtschaftsinstituten, Banken und anderen Finanzhäusern werden ihre Prognosen abgeben. Wachstum, Börse, Währungen, Rohstoffe - kaum ein Feld sparen die Fachleute aus, wenn es darum geht, mit möglichst präzisen Vorhersagen ein größtmögliches Maß an Expertise zu demonstrieren.

Oder eben auch nicht. Nichts ist so schwierig wie eine Prognose, heißt es bekanntlich, und zwar insbesondere, wenn sie sich auf die Zukunft bezieht. Dabei steht kurz vor Jahresende dieses Mal bereits fest: Kaum je zuvor ließ sich besser demonstrieren, wie viel Wahres in diesem Bonmot steckt, als 2017.

Denn auch zum Jahreswechsel 2016/2017 trat wie gewohnt die Fachwelt an, um das Publikum über die zu erwartenden Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Doch aus heutiger Sicht - und ohne jegliche Häme - kann schlicht und ergreifend festgestellt werden: Selten zuvor dürften die Experten so weit daneben gelegen haben, wie in diesem Jahr.

Wir erinnern uns: Im November 2016 gewann Donald Trump die US-Wahl, und unmittelbar danach brach auf den Finanzmärkten die große Trump-Euphorie aus. Die gängige Überlegung lautete: Trump wird mit Milliarden-Investitionen, Deregulierungen und Steuererleichterungen die US-Wirtschaft ankurbeln. Das wird zu einem Anstieg der Inflation in den Vereinigten Staaten führen, woraufhin auch die US-Zinsen steigen werden.

Viele Akteure an den Finanzmärkten positionierten sich in Folge der US-Wahl entsprechend: Sie verkauften US-Anleihen und setzten auf die Aktien amerikanischer Konzerne. So stiegen kurzzeitig die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen, die Aktienkurse an der Wall Street sowie - weil internationale Anleger ebenfalls mitmischten - auch der US-Dollar.

Und die Prognosen? Gingen vor Jahresfrist davon aus, dass diese Entwicklung ebenso weitergehen würde - und lagen damit weitgehend daneben: Auf den größten Teil der angekündigten Maßnahmen der US-Regierung wartet die Welt bislang vergeblich. Insbesondere die viel beachtete Steuerreform steckt im Hickhack des US-Kongresses fest.

Folgerichtig blieb auch der größte Teil der von Experten vorhergesagten Entwicklungen an den Finanzmärkten aus:

  • Die Inflationsrate ist in den USA nicht gestiegen. Sie verharrt vielmehr seit Monaten deutlich unterhalb der Marke von 2 Prozent - ein Umstand, der selbst Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed, ratlos macht, wie sie jüngst eingestehen musste.
  • Die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen sind ebenfalls nicht weiter gestiegen, sondern haben sich von ihren Anfang 2017 erreichten Hochständen wieder leicht nach unten entfernt.
  • Auch der Dollar ist im Jahresverlauf nicht stärker geworden, sondern schwächer. Eine Parität zum Euro etwa, wie sie vor zwölf Monaten noch von vielen Beobachtern in Aussicht gestellt worden war, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Bei knapp 1,19 Dollar notiert der Euro zurzeit auf einem so hohen Niveau wie seit 2,5 Jahren nicht mehr.

Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt, könnte man da sagen. Es muss allerdings erwähnt werden, dass US-Präsident Donald Trump von vornherein als schwer berechenbarer Faktor galt. Als entsprechend ungewiss mussten auch die Prognosen betrachtet werden, die auf seinen Versprechungen basierten.

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