Montag, 16. Juli 2018

Leitzins bleibt konstant - Powell folgt auf Yellen Fed signalisiert höhere Zinsen nach Yellens Abschied

Scheidende Fed-Chefin Janet Yellen: "Sie hat anscheinend alles richtig gemacht"
AP Photo/Pablo Martinez Monsivais
Scheidende Fed-Chefin Janet Yellen: "Sie hat anscheinend alles richtig gemacht"

Die US-Notenbank Federal Reserve hält zum Ende der Ära von Fed-Chefin Janet Yellen die Zinsen konstant und die Tür für eine Erhöhung im März weit offen. Der geldpolitische Schlüsselsatz in den USA bleibt vorerst in der Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent, wie die Fed am Mittwoch mitteilte - nur wenige Tage vor dem Amtsantritt des neuen Fed-Präsidenten Jerome Powell.

Doch die Währungshüter bereiten schon den Boden für eine Anhebung: Angesichts des Aufschwungs dürften "schrittweise weitere" Zinserhöhungen nötig werden. Zugleich strichen sie eine Formulierung aus ihrem Text, wonach die Inflation auf absehbare Zeit unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent bleiben dürfte.

Stattdessen setzt die Fed darauf, dass der Preisauftrieb dieses Jahr zunehmen und sich dann um das Ziel der Fed herum einpendeln wird. Experten werten dies als Hinweis, dass es im März zu einer ersten Zinsanhebung in diesem Jahr kommen könnte, der zwei weitere folgen dürften.

"Der neue Fed-Präsident Jerome Powell wird nicht umhinkommen, auf die steigende Anspannung am US-Arbeitsmarkt mit einigen Zinserhöhungen in diesem Jahr zu reagieren", so ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im März zu der ersten kommen wird, taxieren Händler nun auf 88 Prozent. Auch in Euro-Land dürfte die Europäische Zentralbank behutsam im Herbst 2018 die Zinswende einleiten, schätzen Beobachter.

Powell wird am 5. Februar vereidigt - und dürfte Zinsen im März erhöhen

Die Steuerung einer solchen Operation wird dann dem langjährigen Direktoriumsmitglied Powell zufallen, der am 5. Februar seinen Amtseid ablegt. Der Fed-Offenmarktaussschuss sprach sich einstimmig für den bereits vom Senat bestätigten Kandidaten von US-Präsident Donald Trump aus.

Powell gilt Investoren an der Börse als Garant der Stabilität, auch weil er unter Yellens Führung jede große Entscheidung abgenickt hat: "Er ist sich bei der groben Richtung der Geldpolitik mit seinen Vorgängern einig", so die Einschätzung von Ökonom Luke Bartholomew vom Finanzhaus Aberdeen Standard Investments. Er geht davon aus, dass angesichts einer durch die US-Steuerreform zusätzlich angeheizten Konjunktur "die Fed die Zinsen aggressiver anheben muss als dies geplant war".

"Yellen hat alles richtig gemacht"

Trump will das Wirtschaftswachstum unter anderem durch seine radikale Steuerreform von 2,3 Prozent im vorigen Jahr auf mindestens drei Prozent hochtreiben. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass Trump dieses Ziel im laufenden Jahr mit 2,7 Prozent knapp verfehlen wird.

Die Fed hatte die Zinsen angesichts des Aufschwungs und der annähernd erreichten Vollbeschäftigung voriges Jahr drei Mal angehoben, obwohl sie ihren Zielwert bei der Jahresteuerung von zwei Prozent deutlich verfehlte. Der Chef des Fed-Ablegers in Dallas, Robert Kaplan, befürchtet, dass die Notenbank die weitere Straffung wegen des gedämpften Preisauftriebs zu zögerlich angehen und so einer Überhitzung der Wirtschaft Vorschub leisten könnte: "Ich habe die Sorge, dass wir zu lange warten oder zu reaktiv sind", sagte er dem "Handelsblatt".

Unter Yellens Führung hatte die Fed in den vergangenen vier Jahren die Zinszügel behutsam angezogen. Zugleich begannen die Währungshüter, die in Rezessionszeiten durch zahlreiche Konjunkturprogramme aufgeblähte Bilanz der Notenbank allmählich abzuschmelzen.

Yellen habe "anscheinend alles richtig gemacht", meint Ökonom Otmar Lang von der Targobank: "Der US-Aktienmarkt steht auf Rekordniveau, die US-Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie fast noch nie in diesem Jahrhundert und das US-Wachstum scheint erstmals nach der Überwindung der Finanzmarktkrise wieder stabil." Nach dem Fed-Zinsentscheid bauten die US-Börsen ihre Kursgewinne zunächst etwas aus, sacken dann aber wieder zurück.

la/reuters/dpa

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