Montag, 11. Dezember 2017

Finanzexperten in Sorge vor Schwarz-Gelb Gestatten, Christian Lindner, Börsenschreck von der FDP

FDP-Chef Lindner: Harter Kurs in der Euro-Politik

2. Teil: Euro-Austritt, EU-Sanktionen, Rettungsschirm - das will die FDP alles ändern

Mit solchen Bedenken steht Blackrock-Mann Lück längst nicht alleine da. Auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING Deutschland, warnte kürzlich in einem Beitrag für das "Handelsblatt" vor den möglichen Folgen einer FDP-Regierungsbeteiligung. Nach Ansicht der Ratingagentur Scope ist der Streit über die Euro-Rettungspolitik in einer solchen Koalition sogar schon mehr oder weniger programmiert. Die FDP-Positionen würden in der Bundesregierung die Wahrscheinlichkeit von Spannungen erhöhen, wenn Griechenland nach dem Ende seines laufenden Hilfsprogramms 2018 weitere finanzielle Unterstützung benötige, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einem Scope-Papier.

Dorothea Schäfer, Finanzmarktexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hat ebenfalls Bedenken: "Ich wage zu bezweifeln, ob die Finanzmärkte vollkommen glücklich sein würden, wenn sich die FDP damit durchsetzen würde."

Sie verwies auf Forderungen der FDP, eine Insolvenzordnung für Staaten der Euro-Zone zu entwickeln. Die europäischen Verträge sollen dem FDP-Wahlprogramm zufolge zudem so verändert werden, dass Länder aus dem Euro austreten können, ohne dass sie ihre EU-Mitgliedschaft verlieren. Auch automatische Sanktionen zur Einhaltung der Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU schlagen die Liberalen vor. Den Euro-Rettungsschirm ESM, der angeschlagenen Ländern unter Auflagen finanziell unter die Arme greift und nach dem Willen der Union zu einem europäischen Währungsfonds umgebaut werden soll, will die FDP zurückfahren und schließlich sogar ganz einstampfen.

Damit ist klar: Mit einer möglichen Schwarz-Gelben Koalition stünde die Möglichkeit eines Kurswechsels der Bundesregierung in der Euro-Schuldenkrisen-Politik im Raum - beziehungsweise es gäbe zumindest ausreichend Stoff für Diskussionen darüber. Beides könnte die Finanzmärkte verunsichern und Bewegungen etwa bei den Kursen von Staatsanleihen auslösen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Noch ist allerdings alles ruhig an den Anleihemärkten. Nach Ansicht von Beobachtern dürfte das vor allem zwei Gründe haben. Erstens: Derzeit glaubt - auch mit Blick auf die Umfragewerte - kaum jemand ernsthaft daran, dass die FDP demnächst im Bundestag auf der Regierungsbank sitzen wird. Und zweitens: Sollte es doch zu einer Schwarz-Gelben Regierung kommen, so erscheint es der Mehrheit der Investoren womöglich doch eher unwahrscheinlich, dass sich der Juniorpartner FDP mit seinen drastischen Positionen zur Euro-Politik wird durchsetzen können.

Versuchen Sie auch unser Quiz: Schröder, Scharping, Stoiber - was machen die Politgrößen von früher eigentlich heute?

Seite 2 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH