Dax-Geflüstermanager magazin RSS  - Dax-Geflüster

Alle Artikel und Hintergründe


07.06.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Dax-Geflüster
Was familiengeführte Unternehmen stark macht

Von Arne Gottschalck

Deutschlands Unternehmen: Wer steckt dahinter?
Fotos
DPA

In der Ruhe liegt die Kraft: Eine Studie zeigt, dass von Familien dominierte Konzerne offenbar bessere langfristige Strategien entwickeln können als ihre Konkurrenten. Auch bei Dax- und MDax-Konzernen mischen Familien kräftig mit - oft zum Vorteil der Anleger.

Hamburg - Er ist ein "Car Guy", ein detailversessener Automann. Ferdinand Piëch denkt nicht von Quartalsbericht zu Quartalsbericht, sondern in größeren Zeiträumen. Auf dem Weg, den größten Autokonzern der Welt zu formen, lässt sich Piëch weder von quengelnden Analysten noch von verärgerten Aktionärsvertretern abbringen, wie erst die jüngste Hauptversammlung des Lkw-Bauers MAN in dieser Woche gezeigt hat.

Piëchs Abneigung gegenüber kurzfristigem Aktionismus ist ebenso ausgeprägt wie seine Abneigung gegen große Spaltmaße - was ihm den Namen "Fugen-Ferdl" eingebracht hat. Es liegt auf der Hand, dass sich so eine Haltung langfristig auch in der Qualität der Fahrzeuge von Volkswagen Chart zeigen niederschlägt.

Doch offenbar nicht nur dort: Steht eine Familie als Ankerinvestor hinter einem Unternehmen, sorgt dies in den meisten Fällen für Ruhe und Stabilität. Und es ist gut fürs Geschäft: Eine Studie belegt, dass börsennotierte Unternehmen, die von einer Familie geführt werden, sich zuletzt besonders gut entwickelt haben.

Um 4 Prozent stieg die Beschäftigtenzahl der 50 größten deutschen Familienunternehmen im Jahr 2012, belegen die Zahlen des Instituts für Familienunternehmen (IFF). Und jene 13 der 50 untersuchten Unternehmen, die an der Börse notiert sind steigerten ihren Umsatz im Jahr 2012 um durchschnittlich 12,7 Prozent auf 485 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Das Umsatzwachstum der Dax-Unternehmen lag 2012 durchschnittlich bei 8 Prozent, rechnet Ernst & Young vor. Vorteil also für die familiengeführten Konzerne.

BMW, VW, Fresenius: Mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter

Freilich, ohne Volkswagen glänzte auch der Befund des IFF nicht ganz so hell. Der Autokonzern, dominiert von den Familien Piëch und Porsche, steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um satte 21 Prozent. Die Stärke der familiendominierten Unternehmen konterkariert dieser Befund nicht. Denn auch familiendominierte Dax-Unternehmen wie BMW, Fresenius oder FMC glänzten mit zweistelligen Wachstumsraten, wie eine Übersicht der Familienunternehmen aus Dax und MDax zeigt.

"In eigentümergeführten Unternehmen engagieren sich Familienmitglieder nicht nur im Vorstand oder Aufsichtsrat, sondern investieren oftmals auch einen Großteil ihres Vermögens in die Firma. Daher gibt es keine Konflikte zwischen Aktionären und Management, wie sie bei börsennotierten Firmen durchaus vorkommen", sagt Friedrich Diel, Leiter Aktien bei der Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust sowie Manager des Fonds FT UnternehmerWerte.

Bei Familienunternehmen würden die Aktionärsinteressen im Sinne eines eher langfristig ausgerichteten Denken und Handeln, bei dem die kurzfristige Gewinnmaximierung bewusst nicht im Vordergrund steht, berücksichtigt: "Erfahrungsgemäß konzentrieren sich Familienunternehmen außerdem oft auch eher auf ihre Kernkompetenz - oft sind sie etwa in Branchen wie dem Maschinenbau die Könige der Nische", sagt Diel. Das mache sie für langfristig orientierte Investoren besonders attraktiv.

Beiersdorf, Merck, Wacker: Familie schützt vor Umbau nicht

Für Mark Binz, Professor und Vorsitzender des Kuratoriums des IFF ist diese Wertschätzung keine Überraschung. "Deutschlands umsatzstärkste Familienunternehmen konnten ihren Wachstumskurs fortsetzen", sagt Binz. "Vor dem Hintergrund der Probleme des europäischen Marktes ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern das Resultat guter Unternehmensführung."

An der Börse gelistete familiengeführte Unternehmen "verknüpfen die klassischen Vorteile eigentümergesteuerter Unternehmen wie langfristiges Denken in Generationen, kurze Entscheidungswege und persönliches Engagement mit den Vorteilen kapitalmarktorientierter Unternehmen, zu denen außer erleichterter Eigenkapitalbeschaffung - im Idealfalle - professionelle Prozesse, eine vorbildliche Corporate Governance und Transparenz zählen", so Binz.

Mit Wohlfühl-Unternehmen sind Familienunternehmen jedoch nicht zu verwechseln. Stockt das Wachstum, sind Mitarbeiter auch vor harten Einschnitten und einer umfassenden Restrukturierung nicht gefeit. Beispiele dafür sind der Konsumgüterkonzern Beiersdorf, der Pharmakonzern Merck und der MDax-Konzern Wacker Chemie, die ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert haben. Zu den größten Job-Schaffern gehören dagegen neben Volkswagen (plus 10 Prozent Mitarbeiter), Fresenius (plus 13 Prozent), Rossmann (plus 15 Prozent) sowie die Rethmann-Gruppe, die ihre Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr sogar um knapp 30 Prozent steigerte.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Börse
Geld anlegen ohne Autopilot
Auf und Ab der Aktienkurse
Neue Regeln an der Börse
Kursrutsch
Wie eine gute Nachricht das Börsen-Sommermärchen beendete
Verunsicherte Anleger
Warnung zur rechten Zeit

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger