Montag, 17. Dezember 2018

Mitten im Datenskandal Warum langfristige Investoren Facebook nicht ignorieren sollten

Gefällt mir: Trotz Datenskandal sehen Analysten die Aktie von Facebook angesichts eines erwarteten kräftigen Gewinnanstiegs positiv

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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Facebook findet sich in der Mitte eines großen Datenschutzskandals. Dahinter steckt, dass 270.000 Facebook-Nutzer an einem Persönlichkeitsquiz teilgenommen hatten, was zunächst völlig harmlos klingt. Dabei gaben sie aber eigene Daten und die Daten vieler Facebook-Freunde preis. Insgesamt soll die Zahl der abgeschöpften Profile 50 Millionen betragen.

Diese 50 Millionen Profile wurden dann in der Wahlkampagne von Präsident Trump dazu benutzt, eben diesen Facebook-Nutzern maßgeschneiderte personalisierte Werbung für den damaligen Präsidentschaftskanidaten Trump zukommen zu lassen. Facebook hat natürlich umgehend sein tiefstes Bedauern über diesen Missbrauch mitgeteilt.

Den Facebook-Aktionären nutzte dies jedoch nicht. Von einem Kurs bei 185 Dollar vor Ausbruch des Skandals sackte der Kurs dann bis auf ein Tief 162 Dollar, wovon die Aktie sich in den letzten Tagen erst ein wenig erholen konnte. Damit liegt das Papier knapp 5 Prozent unter dem Stand vom Jahresbeginn. Der Gesamtmarkt in USA, gemessen am S&P 500 Index, ist seit Jahresanfang wenig verändert. Auf Sicht von 12 Monaten notiert die Aktie, in Dollar gerechnet, immer noch knapp unter 20 Prozent im Plus.

Der Rückgang vom Hoch der vergangenen 12 Monate beträgt, immer in Dollar gerechnet, etwa 15 Prozent, der Abstand vom Tief der letzten 12 Monate ungefähr 20 Prozent. Einschließlich der jüngsten Kursrückgänge haben Facebook-Aktionäre, die schon länger dabei sind, mit knapp unter 20 Prozent damit in den vergangenen 12 Monaten eine sehr ordentliche Rendite eingefahren.

Wie könnte es nun weitergehen?

Da liefert ein Blick auf größere Skandale interessante Anhaltspunkte. Wenn ein derartiger Skandal losbricht, wie übrigens auch der Volkswagen-Emissionsbetrug, verlieren die betroffenen Aktien zunächst in kurzer Zeit stark. Erfahrungsgemäß dürfte jetzt bei Facebook eine große Schlammschlacht beginnen, mit Enthüllungen, Dementis, Beschuldigungen und Klagen auf Schadensersatz, Anhöhrungen des Spitzenpersonals in vielen verschiedenen Ländern, deren Datenschutzgesetze verletzt sein könnten.

In dieser Phase, die durchaus einige Monate anhalten kann, dürfte der Kurs je nach Nachrichtenlage mit großen Schwankungen ungefähr um das kürzliche Tief von etwa 160 Dollar schwanken. Bei größeren, für die Firma unangenehmen Enthüllungen, ist auch ein deutliches Unterschreiten dieser Marke von 160 denkbar.

Früher oder später setzt erfahrungsgemäß bei allen Beteiligten eine gewisse Ermüdung im Umgang mit dem Stoff ein. Wenn dann keine neuen negativen Nachrichten auftauchen, und der Kurs langsam von seinen Tiefpunkten an anzuziehen beginnt, kann dies eine gute Kaufgelegenheit für langfristige Investoren sein.

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