Sonntag, 19. November 2017

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Ende des Niedrigzinses in Sicht EZB dämmt Geldflut ein - wann steigen endlich die Bankzinsen?

EZB-Chef Mario Draghi: Zinserhöhung frühestens 2019?

Seit dieser Woche ist klar: Die Europäische Zentralbank nimmt allmählich Abschied von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Müsste das nicht auch die Zinsen bei Banken und Sparkassen steigen lassen?

Mit ihrer Entscheidung, ihre sehr lockere Geldpolitik künftig ein wenig einzudämmen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte bewegt. An der Börse stiegen die Aktienkurse, der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen etwa erreichte am Freitag einen neuen Rekordstand jenseits der 13.200-Punkte-Marke.

Allerdings ist es nicht die Aufgabe der EZB, die Stimmung an der Börse zu verbessern. Die Zentralbank hat vielmehr das Preisniveau und möglicherweise auch die gesamtwirtschaftliche Lage im Blick. An den Finanzmärkten nimmt sie zudem direkten Einfluss durch die Vorgabe des Zinsniveaus.

Zwar hat die EZB am Donnerstag beschlossen, den Leitzins vorläufig auf dem Null-Level zu belassen. Die Einschränkung des monatlichen Volumens an Wertpapierkäufen, die die Notenbanker auf die Agenda genommen haben, könnte jedoch zumindest am Anleihemarkt die Zinsen tendenziell steigen lassen. Denn nach dem weitgehenden Wegfall der EZB-Nachfrage muss sich das Marktgleichgewicht dort womöglich auf neuem Niveau justieren.

Privatanleger dürften diese Vorgänge mit Interesse verfolgen: Eine EZB, die - wie ebenfalls bereits die US-amerikanische Fed sowie die Bank of England - allmählich von der ultra-lockeren Geldpolitik abrückt. Dazu die Aussicht auf steigende Zinsen am Kapitalmarkt - da stellt sich doch die Frage, ob und wann sich angesichts dieser Entwicklung endlich auch die Kunden von Banken und Sparkassen wieder über höhere Zinsen für ihre Einlagen freuen dürfen.

Schlechte Nachrichten für Sparer

Die Antwort fällt allerdings wenig erfreulich aus: Experten sehen in der EZB-Entscheidung vom Donnerstag keine gute Nachricht für Inhaber von Tages- oder Festgeld sowie von Sparkonten. Diese, so der Tenor, werden nun womöglich noch länger auf höhere Zinsen für ihre Einlagen warten müssen.

Der Grund: Die Zentralbank hat nicht allein beschlossen, das Volumen der monatlichen Wertpapierkäufe von 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro zu halbieren. EZB-Präsident Mario Draghi betonte vielmehr zugleich, dass das Anleihekaufprogramm notfalls über den bisher vorgesehenen Endpunkt im September 2018 hinaus aufrechterhalten werde.

Diese mögliche zeitliche Ausdehnung der Wertpapierkäufe war es, die am Finanzmarkt wesentlich aufmerksamer zur Kenntnis genommen wurde, als die Einschränkung der monatlichen Kaufvolumina. Zu erkennen ist das auch an der freudigen Reaktion der Börsianer nebst neuem Rekordlauf beim Leitindex Dax sowie am Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen, der etwa gegenüber dem US-Dollar merklich nachgab.

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