Dienstag, 25. September 2018

Zentralbank tastet Zins nicht an, aber ... Ab 2018 weniger Bond-Käufe - EZB tritt auf die Bremse

EZB-Zentrale in Frankfurt: Die Zentralbank will ihre Geldpolitik zügeln

Europas Währungshüter läuten den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer milliardenschweren Geldschwemme ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, halbiert aber das Volumen, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte. Vielen Ökonomen gehen die Beschlüsse allerdings nicht weit genug.

Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen. Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als bislang geplant - bis dann veranschlagtes Volumen: 2,55 Billionen Euro. Bis Ende Dezember 2017 steckt die EZB monatlich noch 60 Milliarden Euro in Anleihenkäufe.

Die EZB lässt sich weiterhin die Möglichkeit offen, das Kaufprogramm in Umfang und Dauer auszuweiten, falls die Konjunkturlage sich verschlechtern sollte. Die Notenbank werde die Käufe nicht abrupt stoppen, betonte EZB-Präsident Mario Draghi. Zugleich mahnte er zu Geduld: "Die Wirtschaftserholung ist noch nicht nachhaltig."

Sparer müssen sich vorerst weiter mit Minizinsen begnügen. Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Eine erste Zinserhöhung könnte Ökonomen zufolge womöglich erst 2019 anstehen.

EZB lässt Aktienkurse steigen

Die Börsen reagierten positiv. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen legte nach den Beschlüssen zu und knackte wieder die Marke von 13 000 Punkten.

Viele Ökonomen fordern allerdings ein rascheres Ende der Geldschwemme. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung auf eine Normalisierung, aber der Abbau müsste schneller erfolgen", befand Ifo-Präsident Clemens Fuest. Auch ZEW-Experte Friedrich Heinemann betonte: "Die Drosselung ist zu gering ausgefallen. Die EZB kauft zu viel und zu lange."

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