Donnerstag, 16. August 2018

Leitzins bleibt bei null Prozent Draghi bleibt locker, Euro steigt auf 1,25 Dollar

EZB-Chef Mario Draghi: Mit US-Finanzminister Steven Mnuchin und Präsident Donald Trump, die beide einen schwachen Dollar wünschen, hat Draghi mächtige Gegenspieler

EZB-Präsident Mario Draghi hat den Leitzins im Euroraum unverändert gelassen. Der Euro steigt über 1,25 US-Dollar: Mit Donald Trump und Steve Mnuchin hat Draghi einflussreiche Gegenspieler, die von einem schwachen Dollar profitieren. Draghi belässt es jedoch bei leiser Kritik.

Draghi bleibt gelassen, doch der Euro geht steil: Die jüngste Aufwertung des Euro Börsen-Chart zeigen bereitet Europas Währungshütern zwar Sorge. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Damit hielt sich der EZB-Chef an die unter Notenbankern vereinbarten Redeformeln. Bereits im Dezember hatte sich Draghi ähnlich geäußert, und seine Gelassenheit zeigte Wirkung.

Der Euro ist derzeit so stark wie seit gut drei Jahren nicht mehr - und legte während der Rede Draghis weiter zu. Zuletzt erreichte der Euro die Marke von 1,251 US-Dollar und notiert damit auf dem höchsten Niveau seit mehr als drei Jahren.

An den europäischen Börsen kam das nicht gut an: Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen und der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen fielen daraufhin zurück in die Verlustzone, der Dax gab zeitweise um 200 Punkte nach.

Grund für die Euro-Aufwertung ist auch die Zurückhaltung Draghis. Er äußerte zwar wie gewohnt die "Sorge" der EZB über die rasante Aufwertung des Euro. Zu einer verbalen Intervention, wie sie tags zuvor US-Finanzminister Steve Mnuchin vorgeführt hatte, ließ sich Draghi jedoch nicht hinreißen.

Auch an ihrer Wortwahl zur künftigen Geldpolitik änderte die EZB am Donnerstag nichts. Sie teilte abermals mit, sie werde ihr auf 2,3 Billionen Euro angewachsenes Wertpapierkaufprogramm noch bis mindestens September fortsetzen. Im Oktober hatten Europas Währungshüter ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert, dabei jedoch das monatliche Volumen von Januar an auf 30 Milliarden Euro halbiert.

Dollar hat seit Trumps Amtsantritt um fast 20 Prozent abgewertet

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr hat der Euro im Verhältnis zum US-Dollar fast ein Fünftel an Wert gewonnen und erreichte am Donnerstag einen neuen Höchststand seit Ende 2014. Neben der starken Euro-Wirtschaft und einem absehbaren Ende der extrem lockeren Geldpolitik der EZB war für den Euro-Höhenflug zuletzt vor allem eine Dollar-Schwäche verantwortlich. Experten begründen diese unter anderem mit Furcht vor Handelskonflikten.

Draghi kritisiert verbales Foulspiel von Mnuchin und Ross

Bei aller Zurückhaltung war von Draghi jedoch auch leise Kritik an den USA herauszuhören. Die rasante Abwertung des Dollar geht nach Ansicht von Draghi auch auf verbales Foulspiel der US-Regierung zurück. Der Anstieg des Euro sei auch auf Bemerkungen zurückzuführen, die im Widerspruch zu der Vereinbarung stünden, Währungen hoch- oder herunterzureden, sagte Draghi. Damit spielte der EZB-Chef auf die Aussage von US-Finanzminister Steve Mnuchin an, der gesagt hatte, ein schwacher Dollar sei gut für den US-Handel. Handelsminister Wilbur Ross assistierte: In einem globalen Handelskrieg würden US-Truppen nun in Stellung gehen.

Ohne Mnuchin oder Ross namentlich zu erwähnen, sagte Draghi, dies sei ein Sprachgebrauch, der nicht mit den vereinbarten Spielregeln übereinstimme.

Die Wirtschaft im Euro-Raum bleibt unterdessen im Aufwind, so Draghi. Der Italiener sprach von einem "robusten Tempo der wirtschaftlichen Expansion". Die Belebung könne stärker ausfallen als bislang angenommen. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 habe sich das Wirtschaftswachstum stärker als erwartet beschleunigt. Allerdings blieben auch Risiken, darunter die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt.

EZB hält an Nullzinspolitik fest

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz zunehmender Forderungen nach einem Ende der Geldschwemme unverändert Kurs. Die Währungshüter beließen den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt im Anschluss an die erste Zinssitzung des EZB-Rates in diesem Jahr mitteilte. Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, müssen dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Die EZB gab zunächst auch keine Hinweise auf eine Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik.

Wie die EZB weiter mitteilte, wird sie ihr auf 2,3 Billionen angewachsenes Wertpapierkaufprogramm noch bis mindestens September fortsetzen. Eine Verlängerung zu diesem Zeitpunkt ist weiterhin denkbar, falls die EZB keine nachhaltige Annäherung der Inflation an ihren Zielwert von knapp 2 Prozent feststellt. Selbst eine Ausweitung der monatlichen Käufe von derzeit 30 Milliarden Euro ist laut Notenbank möglich.

Damit hat die EZB ihre geldpolitische Kommunikation zunächst nicht verändert. Analysten hatten damit mehrheitlich gerechnet. Erwartet wird jedoch, dass die Notenbank ihre auch als "Guidance" bekannte Signalsprache zur nächsten Sitzung im März anpasst und damit ein Ende ihrer bald drei Jahre laufenden Geldschwemme vorbereitet.

Zuletzt war spekuliert worden, die Währungshüter könnten die Wortwahl zum künftigen Kurs ändern oder gar das Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe andeuten. EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio hatte die Erwartungen jedoch gedämpft: Zwar sehe der EZB-Rat die Notwendigkeit, seine geldpolitische Kommunikation graduell anzupassen, soweit die Wirtschaft weiter wachse und die Inflation anziehe. Das bedeute aber nicht, dass derartige Änderungen unmittelbar bevorstünden, sagte Constâncio der italienischen Zeitung "La Repubblica".

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