Sonntag, 17. Dezember 2017

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Börsenprofi Thomas Grüner erklärt So sollten Anleger mit Währungs-Schwankungen umgehen

Euro versus Dollar: Langfristig gleichen sich Währungsschwankungen im Aktiendepot meist aus

Kurzfristige Unruhe

Kurzfristig können Währungsschwankungen erhebliche Auswirkungen auf die Renditen der globalen Aktienmärkte haben. Eine starke Heimatwährung belastet die Investitionen in fremder Währung, eine schwache Heimatwährung sorgt für Rückenwind. Langfristig sind Währungsentwicklungen zwar größtenteils ein Nullsummenspiel, dennoch fühlen sich viele Investoren genötigt, durch Timing-Versuche aktiv gegen Währungsschwankungen vorzugehen. Ein ermüdendes und auch oftmals ernüchterndes Spiel, das fast immer schief geht.

Wer Währungseffekte timen will, muss sich nicht nur mit der relativen Erwartungshaltung bezüglich der Zinssätze auseinandersetzen, sondern auch unzählige Einflussfaktoren verschiedenster Währungsräume und Nationen berücksichtigen. Zudem müssen die Maßnahmen der Notenbanken und ihre zeitliche Abfolge relativ exakt vorhergesagt werden - offensichtlich ein unkalkulierbarer Faktor, der dem Zufallsprinzip bei Währungsprognosen eine nicht unerhebliche Rolle zukommen lässt. Wie sollte man als Anleger also mit dem Währungsthema umgehen?

Langfristige Belohnung

Grundsätzlich gilt: Es ist für die meisten Anleger mit hohem Investitionsvolumen aus vielfältigen Gründen vorteilhaft, global investiert zu sein. Diese Vorteile werden nicht durch Währungsschwankungen zunichte gemacht. Das kurzfristige Bild wird verzerrt, die Führungsrolle zwischen Anlegern aus verschiedenen Währungsräumen wechselt im globalen Vergleich immer wieder hin und her - langfristig belohnt der übergeordnete Bullenmarkt jedoch vor allem die geduldigen Anleger, unabhängig von ihrem Blickwinkel. Seit dem Jahr 1999 (dem Beginn der offiziellen Berechnung des MSCI World Index in Euro) hat der globale Aktienindex für Euro- und US-Dollar-Investoren bis heute vergleichbare Ergebnisse erzielt, auch wenn in kurzen Betrachtungszeiträumen die Rendite relativ deutlich hohen Abweichungen unterworfen war.

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Anleger aus verschiedenen Währungsräumen rotieren kurzfristig in die Position der großen Profiteure und erleben umgekehrt Krisen, die andere gar nicht wahrnehmen. Schweizer Investoren "leiden" unter der nachhaltigen Stärke des Schweizer Franken, britische Investoren reiben sich in der GBP-Schwächephase rund um den Brexit die Hände. Es kommt immer auf den Blickwinkel an.

Rendite in 2017? "America First"!

Im bisherigen Verlauf ist 2017 ein dynamisches Aktienjahr mit ordentlichen Renditen, allerdings ist diese Aussage für Anleger aus dem Euroraum schwer nachvollziehbar. Während der MSCI World Index zum Monatsende August für US-Dollar-Anleger 11,9 Prozent im Plus liegt, blicken Euro-Investoren für 2017 auf eine magere Rendite von minus 0,7 Prozent. Alleinige Schuld trägt der "starke Euro", der das Währungspaar EUR/USD von 1,05 zu Jahresbeginn 2017 auf aktuell 1,20 ansteigen ließ. Zur Abwechslung stehen also die global aufgestellten US-Amerikaner auf der Sonnenseite, die in den vergangenen Jahren (2014 notierte das Währungspaar EUR/USD noch bei 1,40) tendenziell eher unter dem Währungsaspekt gelitten haben.

Die langfristige Perspektive zeigt jedenfalls: Viele Währungssorgen sind ungerechtfertigt. Währungsschwankungen tragen ihren Teil zur Volatilität an den Aktienmärkten bei, gleichen sich langfristig im Wesentlichen aus und sind nur dadurch gefährlich, dass sie die emotionale Komponente der Anleger ansteuern. Sie verstärken oder dämpfen Kursschwankungen und somit trübt die "Währungs-Brille" nicht selten den Blick auf die grundlegende Entwicklung der globalen Märkte. Für 2017 gilt nach wie vor: positive Dynamik.

Währungen sind nicht nur am Aktienmarkt ein Thema

Unterschiedliche Währung, unterschiedliche Wahrnehmung - dieses Phänomen ist nicht nur an den Aktienmärkten zu beobachten. Auch Rohstoffpreise können sich der Währungsthematik natürlich nicht entziehen. Der Goldpreis wird in US-Dollar festgestellt - dementsprechend investieren europäische Goldkäufer zu 100 Prozent in Fremdwährung. Trotz der Gegenbewegung in 2017 haben europäische Investoren in den letzten Jahren vom starken US-Dollar profitiert. Dementsprechend steckt den US-Investoren der Gold-Crash seit 2011 deutlich schwerer in den Knochen: In US-Dollar notiert Gold noch immer mehr als 30 Prozent unter Allzeithoch, in Euro sind es nur 16 Prozent.

Fazit

Viele Währungsdiskussionen sind müßig und unnötig. Als US-Investor kann man beispielsweise einen schwachen US-Dollar fürchten, weil Importe teurer werden. Einige sehen eine schwache Währung auch gleichbedeutend mit einer schwachen US-Wirtschaft - schlechte Vorzeichen für die US-Aktienmärkte.

Umgekehrt sind US-Investoren auch nicht unbedingt glücklich, wenn der US-Dollar Stärke zeigt. Die Exportwirtschaft ist dann bedroht. Auch aus US-Anlegersicht kann man eine starke Heimatwährung nicht gebrauchen. Ein argumentatives Chaos.

Die perfekte Balance scheint nicht zu existieren, und man fürchtet den Gegenwind mehr als man den Rückenwind gutheißt. Es bleibt also dabei: Setzen Sie die Währungsbrille ab, wenn Sie die globalen Märkte betrachten. Global investieren ist Trumpf, langfristig gleichen sich Währungsschwankungen in einem sorgfältig strukturierten Portfolio immer aus. Am Ende siegt die Geduld, nicht die schwache oder starke Währung.

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