Freitag, 27. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Von wegen passiver Investor Geheimnis der ETF enthüllt

Larry Fink von Blackrock: Sein Wort hat Gewicht

"Geheimnis" klingt düster, ein wenig verworfen. Geheimnis bedeutet aber auch schlicht etwas, was nicht groß bekannt ist. Und genau so ein Geheimnis haben Larry Fink und eine US-Universität nun enthüllt, zumindest in Teilen. Doch von Anfang an.

Fink ist Herr über Blackrock, des weltweit größten Vermögensverwalters und ETF-Anbieters. ETF steht für Exchange Traded Funds und damit für, wenn man so will, passive Fonds. Sie bilden kostengünstig Börsenindizes ab, ohne höhere Ergebnisse als jener Markt erzielen zu wollen. Verkauft oder gekauft werden Aktien daher nur, wenn der Index umgebaut wird. Eben ein passives Investment.

Doch anders als viele glauben, sind ETF durchaus aktive Investoren. Nicht im Sinne eines aktiven Eingehens von Portfoliowetten, das widerspräche dem Konzept ETF. Doch sie sind aktiv - indem sie auf das Management jener Unternehmen einwirken, in die sie investiert sind, wie die "Financial Times" berichtet.

Eine Überraschung, denn bislang wurde vielfach davon ausgegangen, dass ETF im wahrsten Sinne des Wortes eben passiv seien, eine Aktie kauften und sich dann ruhig verhielten. Polternde Drohungen wie Carl Icahn, Archetyp des aktivistischen Investors oder auch nur einfache Ratschläge ans Management des Unternehmens, in das sie investiert sind? Undenkbar.

Newsletter von Arne Gottschalck
Ausgerechnet Fink hat dazu nun seine Stimme erhoben: Die einzige Waffe der Indexfolger sei ihre Stimme, sagte er gegenüber der "Financial Times". "Daher suchen wir einen aktiven Dialog mit den Unternehmen und setzen uns stärker für die Belange ein, die wir für richtig halten", erklärte er. Passive Investoren als aktive Anteilseigner?

Einen weiteren Beleg dafür liefert eine bislang wenig beachtete Studie der Stern University - "Passive Investors, Not Passive Owners" - aus dem Dezember 2014. Die Wissenschaftler Ian Appel, Todd Gormley und Donald Keim hatten sich den Börsenindex Russell 2000 genau angesehen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Aufsichtsrat von Konzernen mit einem höheren Anteil von ETF-Investoren oft auch mit einer größeren Anzahl unabhängiger Mitglieder bestückt ist, wie auch "fonds professionell" berichtet. Weiterer Befund: Diese Unternehmen stehen Übernahmen offener gegenüber. Und zu guterletzt fänden sich in Unternehmen mit einem hohen Anteil ETF-Investoren "nur selten ungleich verteilte Aktionärsrechte aufweisen, etwa in Form von Aktien mit und ohne Stimmrechte", so "fonds professionell".

Mit anderen Worten: ETF mögen passive Investoren sein, aber manchmal durchaus auch aktive Anteilseigner. Das muss keine schlechte Erkenntnis sein. Blackrock wäre jedenfalls nicht Blackrock und damit Branchenprimus, würde es die Entwicklung nicht nutzen.

Folgen Sie Arne Gottschalck auf twitter

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH