Donnerstag, 18. Oktober 2018

US-Aufsicht will Tesla-Chef absägen Musk im Visier der SEC - eine Chance für Tesla

So what? Tesla-Chef Musk nimmt vieles auf die leichte Schulter - jetzt attackiert ihn die US-Börsenaufsicht SEC.

Mit ihrer Klage gegen Tesla-Chef Musk hat die US-Börsenaufsicht die Aktie des Unternehmens erneut einbrechen lassen. Dabei hätte ein Abgang Musks von der Tesla-Spitze durchaus Vorteile.

Dieser Aufschlag ist der SEC gelungen: Nachdem die Anwälte von Tesla-Chef Elon Musk offenbar einen Vergleich in letzter Minute ausgeschlagen hatten, ging die US-Börsenaufsicht am Donnerstag kurzerhand mit ihrer Klage an die Öffentlichkeit. Darin wirft sie dem Unternehmer vor, er habe Anfang August mit verschiedenen falschen Twitter-Botschaften über einen angeblich bevorstehenden Börsenrückzug Teslas die Investoren in die Irre geführt. Als Konsequenz fordert die SEC so etwas wie die Höchststrafe in der Welt der Wirtschaft: Ein Berufsverbot für Musk als Chef öffentlich gehandelter Unternehmen - und mithin auch dessen Abgang von der Tesla-Spitze.

Die spontane Reaktion am Aktienmarkt fiel deutlich aus: Die ohnehin zuletzt gebeutelten Tesla-Papiere verloren in Folge der SEC-Nachricht am Donnerstag erneut mehr als 10 Prozent an Wert. Die Anleger, so scheint es, halten nicht viel von der Vorstellung, das zukunftsträchtige Unternehmen aus Kalifornien könnte künftig ohne seinen visionären Anführer Elon Musk dastehen. Auch Musks Management-Kollegen im Tesla-Board brauchten nicht lange, um dem Firmenleiter ihr Vertrauen auszusprechen.

Das Denkmuster, dem diese Akteure offenbar folgen, ist klar: Tesla Börsen-Chart zeigen ist Musk und Musk ist Tesla. Seit 15 Jahren ist der Name des gebürtigen Südafrikaners untrennbar mit dem des innovativen Elektroauto-Konzerns verbunden. Eine Änderung der Verhältnisse erscheint vielen offenbar nach wie vor undenkbar. Aber warum eigentlich?

Wer sich die Gesamtsituation genauer anschaut, wird erkennen, dass ein Abschied Musks aus der operativen Tesla-Führung womöglich nicht das Schlechteste für das Unternehmen wäre. Im Gegenteil: Vielleicht ist der Moment für die Trennung sogar genau der Richtige. Erweist die SEC dem Unternehmen, seinen Investoren und nicht zuletzt auch den vielen Tausend Tesla-Kunden rund um die Welt also womöglich sogar einen guten Dienst, wenn sie - sollte sie mit ihrer Klage denn Erfolg haben - für Musks Abgang sorgt?

Hier die drei wichtigsten Argumente, die dafür sprechen:

1. Mit seinen zahllosen Eskapaden auch abseits des Tesla-Managements wurde Musk in den vergangenen Monaten mehr und mehr zur Belastung für das Unternehmen. Sei es die Beschimpfung eines britischen Höhlentauchers per Twitter, die noch die Justiz beschäftigen wird, die mutwillige Sabotage einer Analysten-Konferenz, der Verkauf Tausender Fake-Flammenwerfer zu angeblichen Marketing-Zwecken, der Talkshow-Auftritt nebst öffentlichem Marihuana-Konsum - die Liste von Musks Kapriolen ließe sich beinahe beliebig verlängern. Auch wichtige Investoren forderten bereits, der Tesla-CEO möge sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Schließlich befindet sich der noch junge Autokonzern an einem neuralgischen Punkt seiner Entwicklung. Mit dem Model 3 soll der Einstieg in die Massenproduktion gelingen, was für den Sprung in die Profitabilität und damit das langfristige Überleben Teslas von entscheidender Bedeutung ist. Eine Aufgabe also, die den vollen Einsatz der Firmenleitung erfordert - doch Musk scheint permanent auch mit anderen Dingen beschäftigt zu sein.

2. Der visionäre Firmengründer, Motivator und Antreiber Elon Musk wird bei Tesla nicht mehr gebraucht. Der Konzern ist kein Start-up mehr, bei dem es darum geht, Investoren, Kunden und Öffentlichkeit mit immer wiederkehrenden Versprechungen von der Zukunftsfähigkeit der Unternehmung zu überzeugen. Tesla steckt vielmehr mitten im Übergang zum etablierten Autobauer am Massenmarkt. In der Situation benötigt der Konzern einen erfahrenen Automanager an seiner Spitze, der Erfahrung darin hat, eine effiziente, profitable und zugleich hochwertige Produktion großer Stückzahlen auf die Beine zu stellen. Musk mag vielleicht auch dazu in der Lage sein. Die vergleichsweise nüchterne Organisation der reibungslosen Herstellung eines immergleichen Produktes in möglichst großer Zahl dürfte aber kaum zu seinen größten Talenten zählen - und zu seinen Lieblingsbeschäftigungen schon gar nicht. Vielmehr gibt es in den USA, dem Land also, in dem schon vor mehr als 100 Jahren erstmals die Fließbandproduktion im Autobau eingesetzt wurde, zweifellos eine ganze Reihe qualifizierter Leute, die dafür mindestens genauso gut geeignet sind, wie der aktuelle Tesla-Chef.

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