Dienstag, 24. Mai 2016

Größte Dax-Verlierer 2016 Woran die deutschen Banken kranken

Dax 2016: Tops und Flops - und die besten Dividendenwerte
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Daimler

Der Kurssturz im Dax hat die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank einbrechen lassen - und das lag nicht nur an den Hiobsbotschaften der Deutschen Bank in dieser Woche. Dass Bankentitel derzeit besonders stark verlieren, hat mehrere Gründe.

Den Dax traf es hart, doch die Bank-Aktien im Dax traf es härter: Während der deutsche Leitindex in dieser Woche einen Erholungsversuch gestartet hat und sein Minus seit Jahresbeginn auf rund 10 Prozent verringern konnte, zählen die Aktien der Deutschen Bank (minus 21 Prozent) und der Commerzbank (minus 18 Prozent) gemeinsam mit dem Autobauer BMW (minus 18 Prozent) zu den größten Dax-Verlierern des noch jungen Börsenjahres 2016. Schlimmer noch: Auf Sicht von 12 Monaten haben die beiden größten deutschen Finanzinstitute jeweils rund 30 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt - und das ganz ohne Lehman-Krise. Was ist passiert?

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen meldete in dieser Woche erneut ein Milliardenminus und lieferte damit vordergründig eine Erklärung für den Kursrutsch. Doch der Kursrutsch hatte bereits vor den Hiobsbotschaften der Deutschen Bank eingesetzt, und das Banken-Kranken gründet tiefer. Der Wertschöpfungsmechanismus der gesamten europäischen Bankenindustrie knirscht derzeit gewaltig - aus drei Gründen.

Stichwort China - China ist gerade für Exportnationen wie Deutschland immer wichtiger geworden. Und je mehr die dortige Währung Yuan sich klein macht, beziehungsweise das Währungspaar Euro/Yuan hin und her zuckt, umso schwieriger wird das Geschäft für produzierende Unternehmen - und für deren finanzierende Banken gleichermaßen.

Stichwort Draghi - niedrige Leitzinsen belasten die europäischen Bankenerträge weiterhin, schreibt Bankhaus-Lampe-Analyst Neil Smith. Das dürfte vor allem im Wettbewerb mit Amerikas Banken, Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen oder JP Morgan gelten. Denn dort hat die Zentralbank bereits einen ersten vorsichtigen Schritt weg von den ultraniedrigen Leitzinsen gemacht. Zudem brummt in den USA die Konjunktur - während die US-Banken wieder Rekordergebnisse melden, ist die europäische Konkurrenz weit abgeschlagen.

Stichwort Kredite - Angst vor Pleiten im Öl-Sektor. Alles, nur keine Kreditausfälle, ließe sich ein Grundsatz des Bankengeschäfts formulieren. Kreditausfälle können aus den unterschiedlichsten Sektoren kommen. Je schwächer zum Beispiel der Ölpreis, umso höher der Druck auf die Fracking-Industrie. Denn damit können sie nicht mithalten. Und droht deren Bilanz zu kippen, wird es für ihre Kreditgeber schwierig.

Eine Pleitewelle von Fracking-Unternehmen würde sich auch durch die Bankbilanzen fräsen. Das gilt natürlich nicht nur für die Ölindustrie, ein eher amerikanisches Phänomen. An wen die Banken Kredite ausgereicht haben, auf diese Frage wurden die Investoren diese Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) gestoßen, die die notleidenden Darlehen italienischer Finanzhäuser untersuchte. Prompt gerieten Italiens Banken unter Druck.

Vielleicht lässt sich das Banken-Kranken aber auch einfacher begründen. "Den Märkten wird derzeit mehr zugemutet, als sie verkraften können", schreibt Eric Weisman, Chefvolkswirt von MFS Investment. "Chinas politische Fehler, eine straffere Geldpolitik der Fed sowie abstürzende Ölpreise und die Angst vor einer globalen Wachstumsschwäche." Und das trifft eben den Transmissionsriemen der Wirtschaft, die Banken, am heftigsten. Wie Investoren diese Woche mit Schrecken gelernt haben.

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