Dienstag, 19. Juni 2018

Frist für Zoll-Ausnahmen endet Deutsche Stahlwerte im Sinkflug - Handelsstreit belastet

Stahl von Thyssenkrupp auf dem Transportweg: Deutsche Stahlproduzenten leiden unter dem Zollstreit mit den USA
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Stahl von Thyssenkrupp auf dem Transportweg: Deutsche Stahlproduzenten leiden unter dem Zollstreit mit den USA

Im Streit um die Einführung von US-Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Europäischen Union rückt das Ende der Schonfrist am morgigen 1. Mai immer näher. Entsprechende Unsicherheit führte bei den Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen und Salzgitter Börsen-Chart zeigen zu Abschlägen von mehr als einem Prozent.

Papiere von ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen ließ dies an der Euronext jedoch kalt - sie gewannen über ein Prozent. Analyst Luke Nelson von der Investmentbank JPMorgan hob die Papiere in einer Studie zur europäischen Stahlbranche als seine Favoriten hervor. Im Falle von Strafzöllen würde der Konzern dank seines hohen Ergebnisanteils in Nordamerika von den hier wohl steigenden Preisen profitieren, so der Experte.

In dem Streit geht es um Einfuhrzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte, die die US-Regierung im März erlassen hat. EU-Firmen wurden davon verschont, allerdings nur bis zum 1. Mai. Für eine unbefristete Ausnahme verlangt Washington nach Angaben aus EU-Kreisen Handelserleichterungen für US-Unternehmen oder Obergrenzen bei den Stahlexporten. Die EU will sich aber nicht erpressen lassen.

Die Kommission will bis zuletzt versuchen, Zölle für die EU-Mitglieder abzuwenden. "Im Augenblick liegt unsere Priorität bei einem Dialog auf hoher Ebene", sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

Wirtschaftsminister Altmaier fordert konkretes Angebot an Washington

US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross deutete am Wochenende in einem Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg an, dass es zu Ausnahmen kommen könne. Er machte jedoch keine Andeutungen, um welche Länder es sich handeln könnte und ob die USA dafür Bedingungen stellen. Sein Ministerium ließ eine entsprechende Anfrage der Deutschen Presse-Agentur unbeantwortet.

Malmström kündigte Gegenmaßnahmen für den Fall an, dass die USA die Europäer nicht dauerhaft und bedingungslos von den Zöllen verschonen. Zuvor schon hatte die Kommission mitgeteilt, was darunter zu verstehen ist: Eine Beschwerde bei der WTO, Schutzmaßnahmen für die europäische Wirtschaft und Strafzölle auf US-Waren wie Whiskey, Motorräder oder Jeans.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach sich unterdessen für ein "konkretes" Angebot an Washington aus. Man müsse weiter verhandeln, auch wenn US-Präsident Donald Trump höhere Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU beschließe, sagte der CDU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. "Ich persönlich glaube, wir sollten auch ein Angebot vorlegen, ein konkretes, auf dessen Grundlage wir weiter verhandeln können." Eine Überprüfung der Zölle auf Zulässigkeit nach den Regeln der Welthandelsorganisation könne lange dauern. "Deshalb glaube ich, müssen wir weiter verhandeln, ganz egal, was morgen geschieht."

"Zollwettlauf verhindern"

Ziel der Verhandlungen sollte es sein, dass die Zölle generell nach unten gehen. Deutschland habe zwar einen Handelsbilanzüberschuss mit den USA, könne aber nicht versprechen, seine Exporte zu begrenzen, sagte Altmaier dem Sender. Sollte sich Trump für Strafzölle entscheiden, werde auf europäischer Ebene über die Reaktion entschieden - "im Lichte der Entwicklungen der nächsten Tage und Wochen", wie Altmaier sagte. Es brauche einerseits eine klare Haltung, andererseits aber auch ein Bewusstsein für die Verantwortung, "dass es nicht zu einem Zollwettlauf kommt, bei dem am Ende alle verlieren und niemand gewinnt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premierministerin Theresa May forderten US-Präsident Donald Trump am Sonntag offiziell auf, von "handelspolitischen Maßnahmen gegen die Europäische Union" abzusehen. Andernfalls sei die EU bereit, "im Rahmen der multilateralen Handelsordnung entschlossen ihre Interessen zu vertreten", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Merkel hatte zuvor mit Macron und May telefoniert.

mg/dpa-afx

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