Donnerstag, 18. Oktober 2018

Steigende Preise befeuern Fracking Ölscheich Trump - USA könnten weltgrößter Ölproduzent werden

Ölförderung in USA: Die USA setzen auf Fracking

Der Abbau von Schieferöl ist zwar umstritten, mit steigenden Ölpreisen aber wird er wirtschaftlich lukrativer. Die USA könnten deshalb in diesem Jahr zum weltgrößten Ölproduzenten aufsteigen - noch vor Russland und Saudi Arabien. Da der weltweite Verbrauch so schnell nicht fallen wird, ergeben sich für Investoren interessante Möglichkeiten.

Donald Trump könnte auf seine alten Tage noch einmal zum Ölscheich werden. Eine abwegige Vorstellung? Die Rohölproduktion in den USA jedenfalls dürfte in diesem Jahr um 10 Prozent auf etwa 11 Millionen Barrel am Tag steigen, sagen Experten voraus. Damit könnten die USA in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1975 zum weltgrößten Ölproduzenten aufsteigen, Russland und Saudi Arabien würden entthront. Die USA hätten dies primär ihrem Schieferöl zu verdanken und würden damit zugleich weniger abhängig von Ölimporten.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Die amerikanische Ölproduktion war stark zurückgegangen, nachdem die Opec unter Führung Saudi Arabiens Ende 2015 einen Preiskrieg angezettelt hatte, um damit höhere Marktanteile zu gewinnen. Als Ergebnis wurde zu viel produziert, der Ölpreis fiel von mehr als 100 Dollar auf das Tief von rund 26 Dollar.

Die niedrigeren Preise zwangen die amerikanischen Ölförderer zunächst dazu, die Produktion zu senken. Im September 2016 lag sie um 11 Prozent unter dem früheren Höhepunkt vom April 2015. Die Opec und Russland beschlossen dann im November 2017, Produktionseinschränkungen bis Ende 2018 zu verlängern. Dies stabilisierte die Ölpreise mit der Folge, dass in den Vereinigten Staaten jetzt wieder mehr produziert wird.

Die internationale Energieagentur prognostiziert für die USA nun bis zu 11 Millionen Barrel am Tag, im ersten Halbjahr 2017 waren noch etwa 9 Millionen Barrel gefördert worden. Die Produktion in Russland und Saudi-Arabien wird mit jeweils etwa 10 bis 11 Millionen Barrels am Tag erwartet.

Interessant sind in diesem Umfeld konzernunabhängige Ölgesellschaften, die nur Öl produzieren und nicht wie die großen wie Exxon oder Shell daneben noch Raffinerien und Tankstellentransportflotten betreiben. Zwei Namen sind hier Apache und Devon Energy.

Im Lauf der Zeit ist auch der Ölpreis von 100 Dollar für amerikanisches Öl wieder in Sicht. Es liegt zum Teil an einem dramatischen Rückgang der Erschließung neuer Quellen. Im Jahr 2014 haben Royal Dutch Shell Börsen-Chart zeigen, Exxon Börsen-Chart zeigen, Total Börsen-Chart zeigen , Chevron Börsen-Chart zeigen und BP insgesamt 165 Milliarden Dollar in die Erschließung neuer Quellen gesteckt. Im Jahr 2017 waren es nur noch 95 Milliarden Dollar. Dieser Rückgang wird sich früher oder später in höheren Preisen niederschlagen. Auch andere Gesellschaften wie Pemex in Mexico und Petro Brass haben ihre Investitionen erheblich zurückgefahren. Gleichzeitig steigt der Ölverbrauch langsam aber kontinuierlich und die weltweiten Lagerbestände sinken.

Weltweiter Ölverbrauch wird nicht so schnell sinken

Trotz der langsamen Verbreitung der Elektromobilität glaubt niemand, dass der weltweite Ölverbrauch so bald sinken wird. BP und Exxon sagen beide, dass dies allenfalls 2035 oder 2040 sein wird. Denn bisher sind die meisten elektrischen Autos Hybride, die bei längeren Strecken auf den Benzin- oder Dieselantrieb umschalten.

Devon ist ein führender Produzent mit niedrigen Kosten und guten Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre. Die Produktion dürfte nach Ansicht von Fachleuten im Jahr 2018 über 30 Prozent zulegen. Devon setzt ungefähr 12 Milliarden Dollar um und weist einen Reingewinn von etwa 1,5 Milliarden Dollar aus. Nach den Kursrückgängen der letzten Wochen ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,5 für den erwarteten Gewinn dieses Jahres günstig zu haben. In diesem Jahr wird der Gewinn pro Aktie 81 Prozent und im nächsten Jahr 64 Prozent höher erwartet.

Apache ist mit einem KGV von 27 für den erwarteten Gewinn des Jahres 2018 höher bewertet, es werden für dieses Jahr Gewinnsteigerungen erwartet. Der Gewinn pro Aktie wird dieses Jahr 27 Prozent höher und nächstes Jahr sogar 770 (sic!) Prozent höher erwartet - letzterer enormer Sprung wird insbesondere mit der Erschließung neuer Lagerstätten begründet. Beide Werte haben natürlich volles Dollarwährungskursrisiko. Falls der Dollar weiter schwach wird, sinkt der Wert der Position trotz guter Fundamentalwerte.

Anleger, die das Währungsrisiko vermeiden wollen, und auf höhere Ölpreise setzen, sind nach unserer Meinung am besten mit dem großen französischen Unternehmen Total Börsen-Chart zeigen bedient. Hier besteht kein Währungsrisiko und wegen der Größe des Unternehmens auch eine geringe Chance auf größere Kurssprünge. Dafür winkt eine sehr stabile und sichere Dividendenrendite von 5,3 Prozent im Jahr.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

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