Mittwoch, 22. November 2017

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Anlageprofi Robert Halver erklärt Die westliche Welt braucht keinen Kauz als US-Präsidenten

US-Präsident Donald Trump

Robert Halver
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    Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG und bekannt durch regelmäßige Medienauftritte und als Kolumnist. Mit Wertpapieranalyse beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.

Die USA sind Weltmacht Nr. 1. Wer aber Weltmacht ist, muss sich auch wie eine aufführen, vor allem wenn man Verantwortung für den gesamten Westen trägt. Jeder Nachkriegspräsident hatte einen Plan zum Beispiel für Europa. Und Donald Trump? Er hat keinen.

Diese Planungslücke könnte man sicherlich mit Leben füllen. Genügend Personal steht dem amerikanischen Regierungsapparat allemal zur Verfügung. Aber wie soll Ruhe in den Washingtoner Polit-Karton kommen, wenn sich das Personenkarussell von Trump schneller dreht als das Düsentriebwerk seiner Air Force One? Mittlerweile sind immer weniger gute Leute bereit, für Trump zu arbeiten. Wer aus der amerikanischen Elite lässt sich schon gerne behandeln wie ein Praktikant bei Walmart am ersten Tag? Eher nutzen Polit-Glücksritter ohne Erfahrung ihre Chance. Wirklich geheilt wird die Planlosigkeit der Regierung Trump damit allerdings nicht.

Trumps Außenpolitik ist so etwas wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was drin ist. Mag er Russland oder nicht? Will er China im Nordkorea-Konflikt einbinden oder lieber nicht? Und jetzt will Trump das US-Militär doch wieder zur Terrorbekämpfung einsetzen, obwohl er im Wahlkampf das direkte Gegenteil versprochen hat.

Amerika kann sich keine Unberechenbarkeiten in einer zunehmend unsicheren Welt leisten, in der Vertrauensbildung und verlässliche Führung, ja sogar Weisheit gefragt sind. Amerika ist zu groß, um klein regiert zu werden. Alles andere ist vorsätzliches Staatsversagen mit Kollateralschäden für den gesamten Westen. In dieses Führungsvakuum stoßen Russland und China immer mehr vor und sicherlich nicht nur zum Nutzen Europas. Wenn die US-Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

Mit seiner Führungsschwäche schneidet Trump den USA übrigens ins eigene wirtschaftliche Fleisch. Amerika hat der Welt im Windschatten seiner globalen Führungsrolle und als Freund und Beschützer auch immer gerne seine Schokoriegel, Zahnpasta, Fast Food, Musik, TV-Serien und High Tech aufgedrängt. Wieso riskiert man jetzt diese Wirtschaftspotenz durch geopolitische Schwäche und macht den Chinesen auch noch die Tür zum Welthandel auf? Casanova hätte niemals mit dem Gedanken gespielt, sich selbst zu entmannen.

Lieber üben sich Trump und seine Gang in Wirtschaftsideologie: Man will nicht nur den schlanken, auch nicht nur den superschlanken, sondern den Schmalhans-Staat, am liebsten 100 Prozent Markt. Natürlich, das amerikanische Bürokratiemonster hat viel Fett angesetzt und braucht eine strikte Diät, einen Rückbau des Verwaltungsstaats und jede Menge Deregulierung. Aber eine Staatsdemontage, die die ohnehin nicht üppigen Sozialleistungen zur Gesundung der aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung atomisieren will, gefährdet den labilen sozialen Frieden. Wenn man selbst oben ist, sollte man keine Konflikte da unten schüren.

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