Dienstag, 26. März 2019

Trump prophezeit Börsencrash bei Amtsenthebung Der Crash bin ich - oder auch nicht

"I think that if I ever got impeached, the market would crash": US-Präsident Trump glaubt, die Börse zu kennen.

2. Teil: So reagierte die Börse auf Impeachments von Nixon und Clinton

So ergibt sich das Szenario eines US-Aktienmarktes, der nach neun Jahren des Aufschwungs eine enorme Fallhöhe erreicht hat, und eines Präsidenten, der einiges zu diesen Kursgewinnen beigetragen zu haben scheint. Da würde ein Crash im Falle eines "Impeachments" gegen Trump durchaus ins Bild passen.

Einerseits. Andererseits befindet sich die US-Wirtschaft in einer überaus robusten Verfassung, und es spricht kaum etwas dafür, dass sich daran im Falle einer Amtsenthebung Trumps etwas ändern würde. Solides Wachstum, hohe Beschäftigung, geringe Inflation - der US-Präsident mag es gerne anders darstellen, aber tatsächlich hängt all dies kaum von seiner Person ab.

Im Gegenteil: Die Steuerreform, die Trump auf den Weg gebracht hat, wird seine Amtszeit aller Wahrscheinlichkeit nach überdauern. Die Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie anderen Regionen dagegen würden womöglich mit Trump von der Bildfläche verschwinden - zur Freude der Börsianer, die seit Monaten durch das Hickhack in Unruhe versetzt werden.

Schließlich stützt auch ein Blick in die Geschichte nicht Trumps Crash-These im Falle einer Amtsenthebung. Zwei solcher Verfahren gab es bereits in Amerikas jüngerer Vergangenheit: 1974 sollte Richard Nixon angesichts der Watergate-Affäre des Präsidentenamtes enthoben werden. Nixon verhindert das letztendlich, indem er selbst zurücktrat.

1999 war es dann die berühmte Lewinsky-Affäre, die Bill Clinton ein solches Verfahren einbrockte. Clinton überstand das Prozedere dank der Stimmen seiner demokratischen Parteifreunde im Senat und blieb bis zum regulären Ende seiner Amtszeit 2001 im Weißen Haus.

Wie reagierte in beiden Fällen die Börse? In den Jahren 1973 und 1974 erlitt der breite US-Index S&P 500 tatsächlich erhebliche Verluste. Diese waren Beobachtern zufolge aber kaum ausschließlich auf die Watergate-Affäre zurückzuführen. Vielmehr schlitterten die USA zu jener Zeit ohnehin in eine Rezession, der Ölpreis schoss in die Höhe und der Dollar schwächelte, wie auch der US-Sender CNN rekapituliert.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation passt der Vergleich mit den späten 1990er Jahren daher wohl besser, als es in den USA ebenfalls solide aufwärts ging. Seinerzeit konnte auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton nichts daran ändern, dass der S&P 500 sowohl 1998 als auch 1999 kräftig zulegte.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Trump mag es daher nicht gerne hören, aber nachdem bei seinem Wahlsieg der erwartete Einbruch am Aktienmarkt bereits ausblieb, wäre der Crash, den der Präsident für den Fall seines Amtsenthebungsverfahrens vorhergesagt hat, wohl schon der zweite, der im Zusammenhang mit seiner Person angekündigt wurde und dann nie eintrat.

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