Montag, 11. Dezember 2017

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Gerüchte um eigene Chipentwicklung bei Apple Dialog nach Apple-Konferenz im freien Fall

Die wieder aufgeflammte Furcht vor einem Absprung des wichtigen Kunden Apple Börsen-Chart zeigen hat die im TecDax notierte Aktie von Dialog Semiconductor am Montag erneut auf Talfahrt geschickt. Die Aktien des Chip-Designers fielen in der Spitze um rund 23 Prozent auf 23,91 Euro Euro. Damit steuerten sie auf den größten Tagesverlust seit zwei Jahren zu.

Dialog-Semiconductor-Chef Jalal Bagherli betonte am Montag in einer Telefonkonferenz zwar, 2018 werde es keine Beeinträchtigungen geben. "Wir sehen derzeit keine Veränderung in unserer Geschäftsbeziehung zu Apple." Für 2019 wagte Bagherli aber noch keine Prognose. Erst im Laufe des ersten Quartals könne er sagen, wie sich die Geschäfte mit Apple über das kommende Jahr hinaus entwickeln werden.

Das deutsch-britische Unternehmen entwickelt vor allem die relativ teuren Stromsteuerungschips für Smartphones und macht Analysten zufolge gut 70 Prozent seiner Umsätze mit Aufträgen von Apple. Die japanische Zeitung "Nikkei" hatte vergangene Woche unter Berufung auf Insider berichtet, Apple wolle künftig mehr wichtige Bauteile für seine Produkte im eigenen Haus entwerfen. Dies hatte die Aktie von Dialog Semiconductor bereits in der vergangenen Woche belastet.

Analysten sind derweil weiter uneins, ob Apple wirklich die Beziehungen zu Dialog Semiconductor kappen wird. Es sei zwar letztlich nicht auszuschließen, dass Apple in der Zukunft andere Pläne verfolge als bisher, schrieb etwa der Experte Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse. Dialog habe aber eine starke Beziehung mit den Amerikanern aufgebaut, die auch dazu geführt habe, dass das iPhone die Oberklasse-Konkurrenz der Android-Smartphones bei Stromverbrauch und Akku-Laufzeit abhängen könne.

Analysten uneins über Apples Absichten und Möglichkeiten

Analyst Thomas Becker von der Commerzbank vertraute bereits am Freitag den jüngsten Aussagen des Managements von Dialog, wonach 2018 ein Jahr mit gutem Wachstum werden soll. "Das wäre nur schwer zu schaffen, sollten sie Apple als Kunden verlieren", schrieb der Analyst. Er wundere sich ohnehin, wie es Apple gelingen soll, Dialog mit ihren zehn Jahren Erfahrung in der Produktion von Chips für das Energie-Management zu ersetzen. Den rund 700 Entwicklern bei Dialog stünden lediglich rund 60 auf Seiten von Apple gegenüber - von denen allerdings rund die Hälfte früher bei Dialog tätig gewesen sei.

Karsten Iltgen vom Bankhaus Lampe wertete derweil den "Nikkei"-Bericht als "erste unabhängige Bestätigung" seiner These, dass Apple intern eine zweite Quelle für Komponenten für das iPhone schaffe. 2019 könnten geschätzte 30 Prozent der entsprechenden Komponenten von dem Technologieunternehmen selber gefertigt werden. Das wiederum könne den Gewinn von Dialog jährlich um 10 Prozent schrumpfen lassen. Eine Entscheidung werde wohl im ersten Quartal 2018 fallen.

Analyst Robin Brass von der Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&A) erachtete die Wahrscheinlichkeit als gering, dass Apple schon ab 2018 die Powermanagement-Chips von Dialog durch eigene Produkte ersetzt. "Ich kann mir zwar vorstellen, dass so etwas passieren wird, aber nicht so schnell", sagte Brass bereits vergangene Woche der Nachrichtenagentur Bloomberg. Normalerweise würden die Verträge immer für die übernächste iPhone-Generation gemacht, so dass Dialog bereits wissen müsse, wenn es einen Ersatz für die eigenen Produkte geben sollte.

Bereits im Frühjahr waren Gerüchte aufgekommen, wonach der wertvollste Technologiekonzern der Welt stärker ins Chipgeschäft einsteigen will. Dies würde es Apple laut Analysten ermöglichen, Software und Hardware besser aufeinander abzustimmen und vorn dabei zu sein, wenn es beispielsweise um die Integration Künstlicher Intelligenz geht. Smartphone-Dauerrivale Samsung Electronics ist längst Chip-Marktführer. Durch die stark verschärfte Konzentration im Handy- und Tabletsektor sind Zulieferer in der Regel stark abhängig von den größten beiden Akteuren Apple und Samsung.

rei/la/dpa/reuters

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