Sonntag, 22. April 2018

Bis zu 28 Millionen Euro für drei Jahre Fabers goldener Handschlag für Ex-Börse-Chef Kengeter

Joachim Faber, sehr gerne Aufsichtsratschef der Deutschen Börse.

Als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse hat Joachim Faber fast alles falsch gemacht. Tritt er deswegen zurück? Ihm schwebt das Gegenteil vor.

Joachim Faber (67) hat sich gerade noch einmal ins Ziel gerettet. Auch nachdem der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse Mitte November mit Theodor Weimer (58) einen vorzeigbaren Nachfolger für den gescheiterten Carsten Kengeter (50) präsentierte, ließ der Druck nicht nach.

Wichtige Aktionäre drängten ihn, seine Amtszeit nach der im Mai anstehenden Hauptversammlung auf maximal zwei Jahre zu beschränken. Faber wand sich und will das Ansinnen zurückgewiesen haben. Tatsächlich tritt Faber für volle drei Jahre an. Ob er sie durchhält, ist offen. Denn die Auseinandersetzungen mit den Anteilseignern haben ihre Spuren hinterlassen.

Schon die künftige Besetzung des Kontrollgremiums dokumentiert die Schrammen der vergangenen Monate. Er musste auf seinen Wunschkandidaten Gerd Häusler (66) verzichten, den auch seine Frau gut kennt. Während Häusler Aufsichtsratschef der BayernLB war, zog Fabers Gattin Ute Geipel-Faber in das Kontrollgremium der Landesbank ein. Ann-Kristin Achleitner (52), die Faber zusammen mit ihrem Gatten Paul über die Bürogemeinschaft D.A.L.F.A. Munich-Office verbunden ist, will sich nur noch für ein Jahr, bis zum Frühjahr 2019 wählen lassen. Die Multiaufsichtsrätin zieht damit die Konsequenz aus der Kritik an der engen persönlichen Verbindung zu Faber und dem Ärger um das Vergütungspaket Kengeters.

Solange die Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen möglicher Insidergeschäfte ermittelt, bleibt offen, welche Summe die Deutsche Börse ihrem Ex-Chef zahlen muss. Für Faber fügt es sich vortrefflich, wenn dies bis zur Hauptversammlung auch so bleibt. Denn stellt sich heraus, dass sich Kengeter bei den fraglichen Aktiengeschäften korrekt verhalten hat, wird sich Faber um die Auszahlung der 170.487 Performanceshares auseinandersetzen müssen, die beim Abschied des Konzernchefs Ende vergangenen Jahres gut 16,5 Millionen Euro wert waren und ihm inzwischen 18,7 Millionen Euro einbringen würden.

Chefaufseher Faber hat Kengeters üppiges Gehaltspaket zu verantworten

Streit wird es vor allem um die Gratisaktien gehen, die Faber dem einstigen Goldman- und UBS-Investmentbanker Ende 2015 versprochen hatte, als die Übernahmegespräche mit der Londoner Konkurrenz gerade heiß zu laufen begannen. In der Bilanz sind dafür gerade Mal 7,5 Millionen Euro reserviert. Begründet wird die Differenz zum aktuellen Wert damit, dass Kengeter statt der im Programm vorgesehenen Dienstzeit von fünf Jahren nur drei bei der Börse verbrachte. Kengeter, der in den vergangenen drei Jahren alles dafür getan hat, damit sich die für die Bewertung der Performanceshares maßgebliche Kennzahlen (eine Kombination Total Shareholder Return und Unternehmensergebnis) auf das Vortrefflichste entwickeln, hat über seine Anwälte bereits wissen lassen, dass er das anders sieht.

Sollte sich Kengeter mit seiner Auffassung durchsetzen, hätte er trotz der gescheiterten Börsenfusion mit London in drei Jahren, Stand Mitte März 2018, zwischen 26 und 28 Millionen Euro kassiert (je nachdem ob dafür der aktuelle Kurs oder Kurs zum Ausscheiden Kengeters bei der Börse angesetzt wird) - einschließlich der rund 1,1 Millionen Euro, die ihm als Ausgleich für das Verbot zustehen, bis August bei einer anderen Börse anzuheuern. Und Faber, der ihm dieses üppige Gehaltspaket einst zusammenschnürte, hätte die Verantwortung für das Desaster.

Fest steht, dass der spendable Kontrolleur zur Hauptversammlung 2021 nicht mehr antreten wird. Denn dann hat er die nach den internen Regeln zulässige Höchstzeit von zwölf Jahren erreicht.

Aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge ist der frühere IBM-Deutschlandchef Martin Jetter (59). Seit 2014 führt er von der Konzernzentrale in Armonk im Bundesstaat New York aus die mit 34 Milliarden Dollar Umsatz wichtigste IBM-Sparte Global Technology Services. Ein IT-Experte an der Spitze wäre eine logische Wahl - schließlich begann die Erfolgsgeschichte des Unternehmens mit den selbst entwickelten elektronischen Handelssystemen.

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