Montag, 27. Juni 2016

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EU-Kommissar zum Börsenpoker "Beide Börsen sind alleine auf Dauer zu klein"

Günther Oettinger, EU-Kommissar und ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Er ist EU-Kommissar für Digitales. Vielleicht fühlt sich Günther Oettinger deshalb berufen, im Fusionspoker von Deutscher Börse und Londoner Börse Position zu beziehen. Der britische Botschafter weist den Kommissar zurecht - ganz britisch.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat die Pläne einer Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) begrüßt. Es lägen zwar noch keine belastbaren Zahlen vor, sagte Oettinger am späten Donnerstagabend am Rande einer Veranstaltung in Düsseldorf. Aber: "Wichtig ist, im Bereich der Börsen haben wir eine globale Entwicklung und die beiden Börsen sind je alleine auf Dauer tendenziell zu klein."

Die EU-Kommission werde die Pläne sicher gründlich prüfen. Es sei aber richtig, dass da Bewegung drin ist. "Wir haben unsere Regeln. Wir haben unsere Spielräume. Und im Rahmen der Spielräume hoffe ich auf eine wohlwollende Begleitung."

Deutsche Börse und LSE hatten in der vergangenen Woche angekündigt, zum mit Abstand größten Börsenbetreiber Europas verschmelzen zu wollen. Die EU-Kommission muss die Pläne prüfen. Dafür ist EU-Digitalkommissar Oettinger allerdings nicht zuständig, sondern die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat sich im Amt als EU-Kommissar für Digitales mit Blick auf den globalen Wettbewerb mehrfach für eine stärkere Konsolidierung in der Telekombranche eingesetzt.

Britische Regierung: "Das ist in erster Linie eine Frage der Unternehmen"

Deutsche Börse und LSE wären gut 25 Milliarden Euro wert und könnten Wettbewerbern aus den USA und Asien besser Paroli bieten. Die US-Konkurrenten ICE und CME denken deshalb darüber nach, den Deal mit einer Gegenofferte für die LSE zu torpedieren.

Die Bundesregierung hält sich bislang bedeckt, wie sie zur Fusion von Deutscher Börse und LSE steht. Wichtig ist Politikern aller Parteien, dass der Finanzplatz Frankfurt nicht leidet und dass der Börsenbetrieb weiter von deutschen und europäischen Aufsehern kontrolliert wird.

Die britische Regierung will sich vorerst nicht in die Fusionsverhandlungen der Deutschen Börse mit dem Londoner Wettbewerber LSE einmischen. "Das ist in erster Linie eine Frage für die Unternehmen", sagte der britische Botschafter in Deutschland, Sir Sebastian Wood

rei/Reuters

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