Samstag, 20. Oktober 2018

Aktie kämpft mit 10-Euro-Marke Deutsche-Bank-Anleger bleiben voller Misstrauen

Deutsche Bank: Steigen die Erträge schneller als die Kosten? Viele Investoren und Analysten haben Zweifel

Die Lage für die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und ihre Aktionäre bleibt angespannt: Nach dem Kurssturz am Vortag konnte sich die Aktie des Branchenprimus am Mittwoch nur leicht erholen und notierte weiter knapp unter der Marke von 10 Euro. Am Dienstag waren die Titel mit Verlusten von mehr als 4,5 Prozent erstmals seit dem Tiefpunkt der Vertrauenskrise der Bank im Herbst 2016 unter die psychologisch wichtige Marke gefallen - und hatten mit 9,72 Euro einen historischen Tiefstand markiert.

Natürlich belastet die politische Unsicherheit der Regierungsbildung in Italien die Märkte, drückt den Euro und aktuell vor allem auch Bankenwerte in den Keller. Doch sind die sich im Kurs widerspiegelnden Probleme eben auch hausgemacht.

Die Deutsche Bank hatte für das erste Quartal einen drastischen Gewinneinbruch melden müssen. Der neue Chef Christian Sewing verordnet dem Institut eine neue Strategie, die sich endgültig vom Global-Player-Anspruch verabschiedet und mit einem drastischen Stellenabbau vor allem im Aktienhandel und im Investmentbanking einhergeht.

Doch Investoren bleiben skeptisch, und längst nicht alle Analysten gehen den erneuten Schwenk mit. Die Sorge, dass die Kosten des Umbaus - allein für die aktuelle Entlassungswelle wird die Bank mindestens 800 Millionen Euro aufwenden müssen - schneller steigen als die Erträge, ist groß und auch nicht unbegründet. Auf der Hauptversammlung deutete Sewing an, das Geschäft im laufenden zweiten Quartal laufe schwach.

Viele Experten empfehlen die Aktie der Deutschen Bank mittlerweile zum Verkauf. Dabei sind allein die bilanzierten Immobilien der Bank mehr wert als das Unternehmen selbst - mehr Misstrauen in die Zukunft eines Unternehmens geht kaum.

Kursziele bei 8 Euro, es hagelt Verkaufsempfehlungen

Die britische Investmentbank Barclays Capital hat ihr Kursziel auf 8 Euro gesetzt. Experte Amit Goel betonte vor wenigen Tagen in seiner Expertise, die Deutsche Bank dürfte es schwer haben in den nächsten Jahren, eine Rendite von 2 bis 3 Prozent zu erwirtschaften. Die vom Management dargelegten Pläne würden auf kurze Sicht eine niedrigere Profitabilität bedeuten. Die Deutsche Bank werde Marktanteile verlieren und Schwierigkeiten haben, die Kostensenkungsziele zu erreichen.

Anderen Analysten gehen die Sparbemühungen schlicht nicht weit genug: Bei lediglich 8 Euro sehen auch die Analysten Andrew Lim (Société Générale) und Andrew Coombs (Citigroup) die Aktie der Deutschen Bank. Beide empfehlen das Papier zum Verkauf.

Christian Koch von der DZ Bank nannte die geänderte Strategie "nachvollziehbar". Sie dürfte jedoch mit erneut sinkenden Erträgen einhergehen, befürchtet auch er. Zudem sei fraglich, ob die Kosten schnell genug sinken würden.

Kein Ende der strategischen Kehrtwenden

Vor zwei Wochen hatte sich Steve Eisman zu Wort gemeldet. Er hatte als einer der Ersten auf den Ausbruch der Finanzkrise gewettet und dadurch große Prominenz erlangt. Der Star-Stratege des Vermögensverwalters Neuberger Berman betonte, die Deutsche Bank sei eine "Problem-Bank", sie habe "viel zu wenig in Technologie investiert", werde "dramatisch schrumpfen" müssen und brauche vermutlich im kommenden Jahr noch einmal neues Kapital.

Auch mit den strategischen Kehrtwenden ist noch nicht Schluss. Am Montag wurde bekannt, dass die seit Herbst 2017 - wiederholt - geplante eigene digitale Bankmarke doch nicht kommen soll.

Die tief sitzende Skepsis der Anleger mit Blick auf die Zukunft der Bank spiegelt sich im Kursverlauf wider: Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes eigebüßt und ist damit weit hinter die Papiere der Konkurrenz zurückgefallen - der europäische Bankensektor insgesamt hat in diesem Zeitraum lediglich etwa 3 Prozent eingebüßt.

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