Mittwoch, 28. September 2016

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Vorschau auf Dax und Dow Jones Bange Börsenrally - Blackrock warnt vor Turbulenzen

Bangen an den Börsen: Wie entwickelt sich der Markt - und die Terrorgefahr?

Die Anschläge von Paris haben die Jahresendrally an den Börsen nicht ausgebremst. Auch für die kommenden Wochen rechnen Experten mit steigenden Kursen. Doch der große Knall an den Märkten könnte noch kommen, warnt der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock.

Ein Ende der europäischen Aktienrally ist Börsianern zufolge auch in der neuen Woche nicht in Sicht - sofern es ruhig bleibt. "Die EZB ist offenbar bereit, die Geldpolitik weiter zu lockern", sagt Aktienstratege Christian Jasperneite vom Bankhaus MM Warburg. Haupt-Profiteure hiervon seien sicher wieder die Finanzmärkte, da bereits die bisherigen Geldspritzen kaum in die Realwirtschaft geflossen seien.

Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt derzeit über Anleihekäufe monatlich 60 Milliarden Euro in den Geldkreislauf. Damit will sie die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abwenden. Da sich die Teuerungsrate bislang kaum der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent angenähert hat, wetten Anleger seit längerem auf eine Ausweitung des sogenannten Quantitative Easing (QE). Auch ein Anhebung des Strafzinses auf Einlagen bei der EZB halten sie für möglich. Dadurch könnten Geschäftsbanken dazu gedrängt werden, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben und somit die Konjunktur ankurbeln.

Neue Anschläge könnten heftige Turbulenzen auslösen

Dank dieser Spekulationen hat der Dax Börsen-Chart zeigen seit Ende September knapp 20 Prozent zugelegt. Allein in der alten Woche gewann der deutsche Leitindex knapp vier Prozent. Ein abruptes Ende der Börsenrally könnten jedoch neue Terror-Anschläge bringen. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock (fünf Billionen Dollar) rechnet für diesen Fall mit Verwerfungen an den Kapitalmärkten. "Sollte es in den kommenden Wochen weitere Angriffe dieser Art geben, dürfte die Börse beim nächsten Mal heftig reagieren", sagte Deutschland-Chef Christian Staub der "Welt am Sonntag".

Nach den Attacken in der französischen Hauptstadt mit mindestens 130 Toten hatten die Anleger vergangene Woche vergleichsweise besonnen reagiert. Viele Indizes in Europa hatten sogar wegen der Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik deutlich zugelegt. Sollte es aber weitere Anschläge geben, sei damit zu rechnen, dass sich das Konsumverhalten der Bevölkerung ändern werde. "Die Menschen werden sich zurückziehen, abends eher zu Hause bleiben, weniger in Restaurants und Kinos gehen", sagte Staub voraus. "Die Folge wäre vermutlich ein noch geringeres Wirtschaftswachstum in Europa." Dann würde allerdings auch die EZB einspringen, ergänzte der Börsen-Experte. "Die Notenbank wird nicht die Arbeit der vergangenen Jahre aufs Spiel setzen, sondern rasch gegensteuern."

US-Konsumdaten als Leitzins-Indikator

Bei den Konjunkturdaten richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Zahlen zum US-Konsum, der als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft gilt. Von diesen Daten erhoffen sie sich Hinweise darauf, wie schnell die Notenbank Fed ihre Geldpolitik nach der allgemein erwarteten Zinswende im Dezember strafft. Den Auftakt macht am Dienstag der Index zum US-Verbrauchervertrauen. Tags darauf stehen die Zahlen zu den Konsumausgaben auf dem Terminplan.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Merck: Konzernchef Karl-Ludwig Kley verkündete einen Umsatzanstieg sowie einen Gewinnsprung, der die Erwartungen noch übertraf. Zudem hob Kley die Prognose für das Gesamtjahr an - und ist gerade dabei, mit dem US-Laborausrüster Sigma-Aldrich die größte Übernahme der Merck-Geschichte zu deichseln. Fazit: Starke Stellung, prächtige Perspektive.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Continental: Der Autozulieferer aus Hannover veröffentlichte gute Zahlen und blickt optimistisch in die Zukunft. Der Gewinn stieg im dritten Quartal kräftig. Zudem hob das Unternehmen seine Prognose an. Fazit: Bei Continental ist der Abgasskandal noch nicht angekommen.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Covestro: Die Bayer-Tochter meldete einen Gewinnsprung und schaut zuversichtlich auf das, was kommt. Der Kunststoffhersteller profitiert stark von niedrigen Rohstoffpreisen und dem schwachen Euro. Fazit: Erfreuliche Lage und Aussichten.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Henkel: Der Konsumgüterhersteller hatte zuletzt vor allem im Klebstoffgeschäft enttäuscht. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden: Die jüngsten Quartalszahlen überzeugten auch an der Börse, das Unternehmen steigerte seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Fazit: Nach schwieriger Zeit gibt es wieder Grund für Optimismus.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Siemens: Der Elektrokonzern überraschte zwar mit einem Gewinneinbruch. Das lag aber vor allem an Sondereffekten. Wichtiger scheint: Aufträge und Umsätze legten zu. Und den zuletzt gebeutelten Aktionären will Vorstandschef Joe Kaeser eine höhere Dividende zahlen. Fazit: Echte Krise klingt anders.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

RWE: Die Versorger sind wegen des Wegfalls des Atomkraftgeschäfts weiter sehr unsichere Kandidaten. RWE kann inzwischen allerdings offenbar Zählbares im Bereich neue Energien vorweisen. Das Nettoergebnis von fast zwei Milliarden Euro täuscht dennoch über die Lage, denn da steckt der Milliardenerlös aus dem Dea-Verkauf drin. Fazit: Mitten im Umbruch wegen Energiewende, Zukunft ungewiss.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Eon: Die Zukunft des RWE-Konkurrenten erscheint mindestens genauso unklar. Fest steht: Zum Jahreswechsel erfolgt die angekündigte Aufspaltung in zwei Firmen. Aber was dann? Diese Woche schockte Eon-Chef Johannes Teyssen erst einmal mit Milliardenabschreibungen. Fazit: Schicksal wegen Energiewende ebenfalls kaum absehbar.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Deutsche Post: Das ehemalige Staatsunternehmen befindet sich laut Vorstand in einer Übergangsphase, in der offenbar vor allem die Installation von EDV-Systemen Probleme bereitet. So entstanden zuletzt hohe Abschreibungen und ein Gewinneinbruch. Schon mehrfach wurde die Jahresprognose gekürzt. Grund zur Zuversicht könnte dagegen eine anstehende Portoerhöhung geben. Fazit: Grundsolides Geschäft, aber derzeit in merkwürdigen Turbulenzen.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Kuka: Der Roboter- und Anlagenbauer verzeichnete zwar ein Minus beim Gewinn. Das lag allerdings vor allem am Zukauf Swisslog. Insgesamt fielen die Ergebnisse Analysten zufolge solide aus. Fazit: In Zukunft wird vor allem spannend sein, ob sich absehbare Sparmaßnahmen bei Volkswagen auf das Kuka-Geschäft auswirken werden.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Solarworld: Das Sonnenstromunternehmen legte erfreuliche Zahlen vor, bei Absatz und Umsatz gab es zweistellige Zuwächse. Trotz der positiven Geschäftsentwicklung schreibt das Unternehmen nach Steuern aber Verluste. Und ein wichtiges Gerichtsurteil in den USA ließ unlängst den Aktienkurs einbrechen. Fazit: Solarworld kämpft mit harter Konkurrenz - auch vor Gericht.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Osram: Bei der früheren Siemens-Tochter sieht es nicht so gut aus. Der Gewinn brach zuletzt massiv ein, das Unternehmen versucht es nach massivem Stellenabbau jetzt mit einem grundlegenden Strategieschwenk: Mit Milliardeninvestitionen soll der Übergang von der Glühlampe zur LED geschafft werden. Fazit: Ausgang ungewiss.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

K + S: Dem Kasseler Unternehmen macht ein Preisverfall bei Düngemitteln zu Schaffen, so dass es seine Prognose für das Gesamtjahr kürzen musste. Grundlegend sieht sich K + S aber in einem Wachstumstrend. Die Aktie fiel nochmals und notiert weit unter dem Wert, den noch vor Kurzem Konkurrent Potash zahlen wollte. Fazit: K + S agiert in einem Markt, dessen weitere Entwicklung nur sehr schwer abzusehen ist.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Porsche: Hier geht es nicht um den Autobauer Porsche, sondern um die Holding, die Haupteigner von Volkswagen ist. Damit ist auch klar, wohin die Reise geht: Der Dieselskandal schlug bereits auf die Muttergesellschaft durch, der Porsche-Gewinn halbierte sich. Auch die Prognose hat die Holding gekürzt. Fazit: Der Abgasskandal trifft auch die Familien Porsche und Piech, die das Unternehmen kontrollieren.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Heidelberger Druck: Der Maschinenbauer hat auf seinem Sanierungskurs einen Rückschlag erlitten. Trotz Umsatzanstiegs sank das operative Ergebnis. Nach Steuern schreibt das Unternehmen sogar Verluste Fazit: Der Kampf gegen einen wegbrechenden Werbemarkt und die Verdrängung von Printerzeugnissen durch das Internet geht weiter.

In Deutschland warten Investoren auf das Stimmungsbarometer der deutschen Einkaufsmanager (Montag) und den Ifo-Index (Dienstag). Letzterer liefert Hinweise auf die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen und damit die Aussichten für das heimische Wirtschaftswachstum. In beiden Fällen erwarten Börsianer angesichts der schwächelnden Auftragseingänge aus dem außereuropäischen Ausland eine Eintrübung.

Unterdessen läuft die Bilanzsaison aus. Am Donnerstag legt Nachzügler Infineon seine Geschäftszahlen vor. Am Dienstag öffnet der US-Juwelier Tiffany seine Bücher.

Insgesamt rechnen Börsianer in der neuen Woche mit dünnen Umsätzen an den internationalen Aktienmärkten, da die Wall Street am Donnerstag wegen des US-Erntedankfestes "Thanksgiving" geschlossen bleibt. Am Freitag schließt die New Yorker Börse zudem ihre Pforten vorzeitig. Viele US-Anleger nutzen daher die Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende.

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ts/Hakan Ersen/Reuters

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