Freitag, 22. März 2019

Börse VW-Aktie verliert 34 Prozent in einer Woche

VW ist König der Kurs-Kapriolen: 50 Prozent Verlust? Lächerlich - VW kann noch viel mehr
DPA

Nach dem Kurssturz der vergangenen Tage startet der Dax einen Erholungsversuch. Die schwer gebeutelten Autowerte legen wieder zu - mit Ausnahme von VW.

Der Dax Börsen-Chart zeigen hat zum Ende einer verlustreichen Woche einen Erholungsversuch gestartet. Der Index kletterte bis zum Handelsschluss auf Xetra (18.30 Uhr) um 2,8 Prozent auf 9689 Zähler, nachdem er am Vortag auf den tiefsten Stand seit 11 Monaten gestürzt war. Auf Wochensicht verlor der deutsche Leitindex dennoch 2,3 Prozent. An den US-Börsen lag der Dow Jones Börsen-Chart zeigen Jones bei Handelsschluss in Europa rund ein Prozent im Plus.

VW-Aktie fällt zurück ins Minus

Vor allem die gebeutelten Aktien der Autobauer BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen legten wieder zu. Lediglich die Aktie von Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen fiel am Nachmittag zurück ins Minus und schloss 4,3 Prozent schwächer bei 107,30 Euro. Der Konzern hat eingeräumt, dass auch Nutzfahrzeuge in Europa von den Diesel-Manipulationen betroffen sind. Das könnten laut Verkehrsminister Dobrindt rund 2,8 Millionen Fahrzeuge allein in Deutschland sein.

Die Aktien von VW haben wegen "Dieselgate" seit Wochenbeginn knapp 34 Prozent eingebüßt. Der VW-Aufsichtsrat wollte noch am Freitag Abend einen Nachfolger für den zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn küren. Alles läuft auf Porsche -Chef Matthias Müller hinaus.

Yellen signalisiert Zinserhöhung - und stützt damit die Aktienmärkte

Ein deutliches Signal von US-Notenbankchefin Janet Yellen für eine Zinserhöhung in diesem Jahr hat unterdessen am letzten Tag der Handelswoche die Aktienkurse gestützt. "Das ist genau das, was der Markt hören wollte", sagte ein Börsianer. "

Yellen geht ebenso wie die meisten ihrer Kollegen davon aus, die Zinswende in den kommenden Monaten einzuleiten. Die allgemeinen konjunkturellen Aussichten nannte sie in einer Rede "solide".

Dollar legt zu

Der Dollar profitierte zusätzlich von einer stärker als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um 3,9 Prozent zu. Bislang war von einem Plus von 3,7 Prozent die Rede. Der Euro verbilligte sich um bis zu ein Prozent auf 1,1116 Dollar.

Schnäppchenjäger bei Daimler und BMW unterwegs

Unterstützung lieferten den Aktienmärkten die zuletzt gebeutelten Autowerte. BMW und Daimler zählten mit Kursgewinnen von 4,2 Prozent und 3,5 europaweit zu den Favoriten. Die beiden Autobauer waren in den Strudel der Volkswagen -Affäre um manipulierte Abgas-Tests geraten und hatten seit Wochenbeginn kräftig an Wert verloren. Daimler wies Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zurück, bei Mercedes-Dieselfahrzeugen womöglich auch die Abgasmessung manipuliert zu haben. Auch BMW betonte, der Autobauer manipuliere nicht.

Rekordhoch bei Nike stützt Adidas

Beim Sportausrüster Adidas sorgte ein Gewinnsprung beim Konkurrenten Nike für gute Stimmung. Der US-Weltmarktführer übertraf in den ersten drei Monaten seines neuen Geschäftsjahrs zum neunten Mal in Folge die Erwartungen von Branchenexperten. Die Aktien stiegen um knapp neun Prozent auf ein Rekordhoch von 125,81 Dollar. Im Fahrwasser kletterten Adidas um 4,1 Prozent.



Übersicht: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit

ts/la mit Nachrichtenagenturen

Supergau für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Sein Unternehmen hat jahrelang falsche Angaben zum Abgasausstoß seiner Fahrzeuge in den USA gemacht. Etwa 500.000 Autos müssen zurückgerufen werden, es droht eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Dollar. Doch damit ist es nicht getan. manager-magazin.de nennt acht Gründe, warum für VW noch viel mehr auf dem Spiel steht.

Grund Nr. 1: Volkswagen hat seine Kunden und die US-Behörden vorsätzlich hinters Licht geführt.

Das hat der Konzern inzwischen eingestanden. Wer intern verantwortlich ist und welche Schuld Konzernchef Martin Winterkorn trifft, wird nun geklärt. Doch es scheint ausgeschlossen, dass die US-Kunden einen derartigen Vertrauensbruch schnell verzeihen. Vielmehr werden sie die Frage stellen: Welchen Angaben von Volkswagen kann ich künftig überhaupt noch glauben?

Grund Nr. 2: In den USA läuft es ohnehin miserabel für Volkswagen.

Anstatt eines Skandals brauchen die Wolfsburger in den Vereinigten Staaten dringend steigenden Absatz. Im Gesamtjahr liegt VW dort mit 238.000 verkauften Autos bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl der Markt wächst.

Grund Nr. 3: Volkswagens wichtigstes Verkaufsargument in den USA ist zerstört.

Als Gegenstück zu Toyotas erfolgreichen Hybridautos hatte Volkswagen den "Clean Diesel" erfunden. Saubere und sparsame Dieselautos waren das große Alleinstellungsmerkmal von Volkswagen in den USA. Doch nun muss man wohl von "Dirty Diesel" reden.

Grund Nr. 4: Volkswagen liegt nicht nur mit der Washingtoner Bundesbehörde im Clinch, sondern auch mit der extrem strengen kalifornischen Luftreinhalte-Behörde (im Bild: Chefin Mary Nichols).

Im von Smog geplanten Los Angeles und anderen Teilen des Bundesstaats hat der Kampf gegen tödliche Luftverschmutzung eine lange Tradition. Wer gegen Auflagen verstößt, hat dort das Image eines Brunnenvergifters.

Grund Nr. 5: Die gerade erzeugte Aufbruchstimmung bei Volkswagen ist dahin.

Der Konzern wollte gerade mit neuen Autos und neuen Topmanagern durchstarten. Auf der IAA präsentierte das Unternehmen seine Idee von umweltfreundlichen Autos der Zukunft (im Bild der Audi E-Tron Quattro Concept mit Audi-Chef Rupert Stadler). Zudem hat das Unternehmen gerade wichtige Personalien geregelt. So führt Hans Dieter Pötsch den Aufsichtsrat und Herbert Diess die Marke Volkswagen. Sie müssen sich jetzt als Krisenmanager bewähren.

Grund Nr. 6: Der Skandal wird sich nicht auf die USA beschränken.

Volkswagen hat nun ein generelles Glaubwürdigkeitsproblem. Schon wollen Experten wissen, ob der Konzern auch in Europa oder China getrickst hat, wo Luftverschmutzung tausende Tote im Jahr fordert. Die deutsche Umwelthilfe fordert bereits ein Fahrverbot für Diesel-Autos in Deutschland.

Grund Nr. 7: Außer Strafzahlungen drohen Volkswagen in den USA Klagen in milliardenhohem Streitwert.

Autokäufer, Händler, Aktionäre - bereits einen Tag, nachdem Volkswagen die Manipulationen eingeräumt hat, melden sich vermeintlich Geschädigte zu Wort.

Grund Nr. 8: Volkswagen droht eine Vertrauens-Abwärtsspirale.

Investoren wissen nicht mehr, wie sie die VW-Aktie bewerten sollen. Sie wird faktisch zum Zockerpapier. Das belastet auch die Bonität des Unternehmens.

Die Unsicherheit liegt wie ein dunkler Schatten über Aktie und Unternehmen: Da derzeit niemand beziffern kann, auf welche Summe sich mögliche Strafzahlungen und Folgeschäden - nicht nur in den USA - beziffern, werden viele institutionelle Anleger sehr vorsichtig mit der VW-Aktie sein. Offen ist derzeit auch, welche personellen Konsequenzen der Skandal haben wird und wie er sich auf die Führungsstruktur von Europas größtem Autobauer auswirken wird - zumal das US-Recht auch Gefängnisstrafen für Verstöße gegen die Umweltgesetze vorsehen.

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