Mittwoch, 18. Juli 2018

Börse Trumps neue Drohungen belasten Dow und Dax

Der Dax notiert nur knapp über Zweimonatstief. Binnen vier Tagen hat der Index rund 4 Prozent verloren. Neue Drohungen von Donald Trump, Autoimporte aus der EU mit 20 Prozent Zoll zu belegen, belasten Volkswagen, Daimler und BMW. Doch auch der US-Leitindex Dow Jones gerät unter Druck.

Nach seinem jüngsten Rutsch auf ein Zweimonatstief hat der Dax Börsen-Chart zeigen am Freitag zunächst einen Erholungsversuch gestartet, diesen aber im späten Handel wieder abgebrochen. Zuletzt notierte der Index bei 12.500 Zählern, nachdem er am Vortag um 1,4 Prozent abgerutscht war. Binnen vier Handelstagen hat der Dax rund 600 Punkte verloren - und der Kursrutsch könnte sich fortsetzen, warnt die US-Investmentbank Goldman Sachs.

Die Woche verlief mit einem Abschlag von derzeit rund 4 Prozent für den Dax Börsen-Chart zeigen bislang sehr schlecht. Grund dafür ist der weltweite Handelskonflikt mit den USA, der nun in eine neue Runde geht. Denn seit diesem Freitag erhebt die Europäische Union (EU) Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter - und reagiert damit auf die Strafzölle der Vereinigten Staaten auf Stahl- und Aluminiumprodukte.

EU erhebt Zölle auf Whiskey und Jeans - nun droht Trump mit Zöllen auf Autos

Aus Ärger über die Vergeltungszölle der EU hat US-Präsident Donald Trump europäischen Autoherstellern erneut mit einem Sonderzoll gedroht. Die Europäische Union belange die USA "seit langem mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen", so Trump. "Wenn diese Zölle und Barrieren nicht bald beseitigt werden, werden wir 20 Prozent Zoll auf alle ihre Autos erheben, die in die USA kommen", schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

Die Europäische Union hatte bereits bei vorherigen Drohungen Trumps grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Jedoch hatte Brüssel die Bedingung gestellt, Trump müsse für die Zeit der Gespräche auf Strafzölle auf Stahl und Aluminium verzichten. Deutsche Autobauer sind bereits mit Werken und Zehntausenden Beschäftigten in den USA vertreten.

Am Vortag hatte bereits eine Gewinnwarnung von Daimler die Kurse in der Automobilbranche und somit auch den Dax Börsen-Chart zeigen schwer belastet. Die Anzeichen könnten sich mehren, dass der Handelskonflikt zwischen den USA, China und der EU immer mehr auf die weltweite Kaufneigung privater Haushalte und somit auf die Investitionen der Unternehmen drückt.

Dow Jones leicht im Plus nach 8 Verlusttagen in Folge

Nach acht Verlusttagen in Folge hat die Wall Street zum Handelsauftakt am Freitag wieder zugelegt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen lag kurz nach Beginn 0,6 Prozent höher bei 24.602 Punkten. Wegen des Handelsstreits mit China und anderen Staaten hielten sich Anleger aber mit größeren Käufen zurück.

"Erste Stimmen aus den USA fordern neue Verhandlungen noch vor dem Inkrafttreten der Strafzölle im Juli", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Das ist zumindest ein Hoffnungsschimmer. Ob diese Forderung Erfolg haben kann, ist jedoch offen."

Bei den Einzelwerten gehörte BlackBerry zu den Favoriten. Die in den USA notierten Titel des Smartphone-Pioniers legten 2,6 Prozent zu. Die Firma, die sich inzwischen auf Cybersicherheit und Software konzentriert, übertraf die Erwartungen der Analysten das neunte Quartal in Folge.

Gefragt waren auch Ölwerte. Da sich die US-Sorte WTI um bis zu 3,6 Prozent auf 67,93 Dollar je Barrel (159 Liter) verteuerte legten die Papiere von ConocoPhillips, ExxonMobil und Chevron bis zu vier Prozent zu.


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Banken im Blick - Deutsche Bank besteht Stresstest in USA

Aktien von Banken könnten nach dem ersten Teil des Stresstests in den USA einen Blick wert sein. Nach Einschätzung der Notenbank Federal Reserve (Fed) sind die größten Geldhäuser in den USA krisenfest aufgestellt. Alle 35 Großbanken hätten Teil 1 bestanden. Auch die US-Tochter der Deutschen Bank nahm an der Prüfung der Kapitalausstattung anhand simulierter Krisenszenarien teil. Vorbörslich standen die Aktien auf der Handelsplattform Tradegate ein halbes Prozent zum Xetra-Schluss höher. Die Ratingagentur Fitch erwägt allerdings eine Abstufung der Bonitätsnote der Deutschen Bank.

Allianz nach geplantem Stellenabbau gefragt

Vorbörslich um 1 Prozent nach oben ging es für die Anteile des Versicherers Allianz SE . Der Versicherer plant nach Informationen von manager magazin den Abbau von 5000 Jobs. Die Berenberg Bank hatte sie von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 175 auf 205 Euro angehoben. Nachdem sie seit ihrem 2017er-Hoch klar nachgegeben und sich verglichen mit anderen Werten aus der Branche seit Jahresbeginn deutlich schwächer entwickelt hätten, sei es nun angesichts der attraktiven Bewertung wieder Zeit für Käufe, schrieb Analyst Trevor Moss.

Vorbörslich kräftig im Minus mit 4,7 Prozent standen die Aktien der Deutschen Beteiligungs AG nach einem von der Finanzaufsicht Bafin festgestellten Verstoß bei der Rechnungslegung für das Geschäftsjahr 2014/15. Händler sehen nun Risiken einer Prognosesenkung.

Nikkei fällt weiter

Die internationalen Handelskonflikte haben am Freitag insbesondere den japanischen Aktienmarkt belastet. In Tokio fiel der Nikkei Börsen-Chart zeigen am Freitag um 0,78 Prozent auf 22 516,83 Punkte. Auf Wochensicht ergibt dies ein Minus von fast 1,5 Prozent.

An den chinesischen Börsen hingegen hielten sich die Bewegungen nach den herben Verlusten zur Wochenmitte in Grenzen. So bewegte sich der Hang Seng in Hongkong am Freitag zuletzt kaum vom Fleck. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten vom chinesischen Festland lag kurz vor Handelsschluss nur 0,14 Prozent im Minus.

Die beiden chinesischen Indizes waren zwischenzeitlich auf Jahrestiefs abgesackt. Dies zeige, für welche Region Asiens Anleger derzeit im Zuge der Handelskonflikte die größten Nachteile erwarteten, schrieb Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Euro legt leicht zu

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Freitag wieder über die Marke von 1,16 US-Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1578 (Dienstag: 1,1534) Dollar festgesetzt. Weiterhin dürfte der Devisenmarkt im Bann des schwelenden Handelskonfliktes zwischen China und den USA stehen. Zuletzt entspannte sich die Lage an den Märkten etwas. In der Eurozone beraten die Finanzminister über den Abschluss der Hilfen für Griechenland. Entschieden werden soll über die letzte Rate aus dem seit 2015 laufenden dritten Rettungsprogramm sowie über mögliche weitere Schuldenerleichterungen.

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