Sonntag, 18. November 2018

Vor allem Indexfonds betroffen Börse mischt Dax und Co durch - was Anleger wissen müssen

Die Kursliste im Blick: Ende September ändern sich die Indexzugehörigkeiten vieler Aktien.

2. Teil: Warum Anleger jetzt ihr Portfolio hinterfragen sollten

Auch Bernd Kriegler, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, sagt: "Wir investieren als aktive fundamentale Fondsmanager nicht in Indizes, sondern in gut ausgesuchte Einzelwerte."

Anders verhält es sich dagegen mit den sogenannten Indexfonds oder ETFs. Für Anleger, die sich mit Vorliebe an diesen Fondstyp halten, gibt es aufgrund der Maßnahmen der Deutschen Börse "deutliche Auswirkungen", so Vermögensverwalter Rickassel.

Damit treffen die Entscheidungen der Deutschen Börse eine immer größer werdende Gruppe von Investoren, denn der ETF-Markt zählt zu den großen Wachstumsfeldern im Finanzgeschäft. Insbesondere als Sparpläne sind ETFs "sehr beliebt", sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Und Raiffeisen-Capital-Fondsmanager Kriegler bemerkt, dass allein die Dax-ETFs bereits ein Anlagevolumen von insgesamt 17,8 Milliarden Euro haben.

Der Knackpunkt: ETFs bilden die Zusammenstellung vorgegebener Benchmark-Indizes unbesehen nach und werden daher auch die Veränderungen, die die Börse beschlossen hat, eins zu eins übernehmen. Dabei gilt es beispielsweise zu beachten, dass künftig der Technologie-Sektor im Indexuniversum der Deutschen Börse insgesamt einen größeren Raum einnehmen wird - und damit auch in den Portfolios von Anlegern, die am Börsengeschehen vor allem über ETFs auf Dax, MDax und Co teilhaben.

Das heißt: Wer das Gewicht des Tech-Sektors in seinem persönlichen Portfolio unverändert belassen möchte, sollte, sofern er sich an Aktienindizes orientiert oder vor allem auf ETFs setzt, nun über geeignete Anpassungen nachdenken.

Umstellungen ändern den Charakter der Indizes

"Anleger, die den MDax oder SDax favorisiert haben, müssen mit einer höheren Beimischung von Technologieaktien rechnen und hinterfragen, ob das noch zu ihrer gewählten Anlagestrategie passt", bestätigt Investmentprofi Rickassel.

Zudem könnten die Umstellungen den Charakter der Indizes beeinflussen. Viele Investmentprofis erwarten etwa, dass der TecDax künftig etwas von seiner bisherigen Dynamik einbüßen könnte. Erst kürzlich war der Index angesichts der weltweiten Euphorie für Aktien aus der Technologiebranche auf ein Allzeithoch jenseits der 3000 Punkte geklettert. Durch die Aufnahme der Dax-Werte Deutsche Telekom, SAP und Infineon könnte das Kursbarometer künftig schwerfälliger daherkommen. Mit Sicherheit jedenfalls werde der TecDax dadurch weniger schwankungsanfällig, meint Vermögensverwalter Rickassel.

Auf der anderen Seite gilt allerdings auch: Bei MDax und SDax ist womöglich eine entgegengesetzte Entwicklung zu erwarten. Weil in Zukunft auch Tech-Unternehmen, die für stärkere Kursschwankungen bekannt sind, in den Indizes enthalten sein werden, dürfte deren Volatilität zunehmen.

"Wir gehen davon aus, dass der TecDax etwas stabiler, SDax und MDax etwas volatiler werden", fasst es Matthias Both, Fondsmanager bei der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, zusammen. "ETF-Anleger sollten überlegen, ob ihre Produkte noch zu ihrem Anlageprofil passen."

Ein weiteres Phänomen, welches Anleger angesichts der Indexumstellungen im Blick haben sollten, sind die damit verbundenen Kursbewegungen. Generell gilt, jedenfalls in der Theorie: Wird ein Papier etwa in einen Index aufgenommen, so sollte der Kurs gewöhnlich steigen, weil beispielsweise ETFs gezwungen sind, dieses Papier zu erwerben. Umgekehrt sollte ein Ausscheiden aus einem Index für Druck auf den Kurs sorgen, denn dann müssen Indexfonds den Wert verkaufen.

Weiterhin lässt sich argumentieren, dass der Aufstieg aus einem niedrigeren Index in einen höheren ebenfalls für Kursauftrieb sorgen sollte (und umgekehrt), denn höhere Indizes werden in der Regel von mehr Fonds mit größeren Volumina verfolgt, so dass die Nachfrage von dieser Seite größer sein dürfte als der Verkaufsdruck, der durch das Ausscheiden aus dem niedrigeren Index entsteht.

In der Praxis erweisen sich derartige Kursausschläge allerdings häufig als flüchtig. "Der Effekt dieses rein technisch bedingten Kursauf- beziehungsweise abschlags verpufft meist recht schnell und kehrt sich einige Wochen nach der Anpassung sogar teilweise ins Gegenteil um", hat Markus Merkel von der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung in München beobachtet. "Ursächlich hierfür könnten Käufe von Schnäppchenjägern bei Indexabsteigern sowie Gewinnmitnahmen bei Indexaufsteigern sein."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Hinzu kommt eine grundsätzliche Beobachtung im Zusammenhang mit der Indexzugehörigkeit von Aktien: Unternehmen verbringen ihre Wachstumsphase in der Regel eher in niedrigen Indizes, also etwa im MDax oder im SDax, wo sie daher auch die stärksten Kursgewinne verzeichnen. Werden die Firmen dann womöglich in einen Leitindex wie den Dax aufgenommen, so schwächt sich das Wachstum nicht selten ab - und damit auch die Kurssteigerungen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb langfristig der MDax über viele Zeiträume der Vergangenheit den Dax outperformt hat.

Und es ist ein Grund mehr, auch künftig die kleineren Indizes der Deutschen Börse im Blick zu behalten, die aufgrund der aktuellen Umstellungen so sehr in den Fokus geraten sind.

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