Freitag, 28. Juli 2017

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Börsenprofi Thomas Grüner zeigt Dax im Aufschwung - warum das Rekordhoch kaum wichtig ist

Bullenstimmung an der Börse: Der Dax wird nach Ansicht unseres Autors weiter steigen

Thomas Grüner
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    Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer des Vermögens- verwalters Grüner Fisher Investments (www.gruener-fisher.de) mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Am Montag, den 24. April 2017 war es vollbracht: Der Dax Börsen-Chart zeigen knackte sein im April 2015 erreichtes Allzeithoch. Im Zuge der Erleichterung um die französische Präsidentschaftswahl erreichte der deutsche Leitindex knapp 12.500 Punkte.

Was bedeutet dieses neue Allzeithoch nun für Anleger? In der aktuell skeptischen Marktphase werden neue Höchststände eher als Warnsignal interpretiert, nicht als Kaufargument. Um die jüngsten Geschehnisse in den richtigen Kontext zu setzen, hilft ein Blick auf die übergeordnete Historie.

Dax-Historie

Die neue Zeitrechnung des Dax beginnt am 31. Dezember 1987, als der Index der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen auf 1000 Punkte normiert wurde. Er führte den zuvor berechneten Aktienindex der Börsen-Zeitung fort, dessen Historie bis ins Jahr 1959 zurückreicht. Im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Leitindizes (S&P 500, FTSE 100 Börsen-Chart zeigen, EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen) steht nicht der Kursindex im Mittelpunkt, sondern der Performanceindex. Hier werden die Dividenden mit eingerechnet und als steuerfreie Reinvestition behandelt.

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Die Gewichtung einer Aktie im Dax orientiert sich an der Marktkapitalisierung, dabei wird der Anteil an Streubesitz mit dem Aktienkurs multipliziert. Die sechs Schwergewichte im Dax (Siemens, Bayer, SAP, BASF, Allianz und Daimler) vereinen dabei aktuell mehr als 50 Prozent des gesamten Index auf sich. Im internationalen Vergleich stellt der deutsche Aktienmarkt nur rund 4 Prozent der Marktgewichtung der globalen Aktienmärkte.

Regelkunde: Der Dax ist ein dynamisches Konstrukt

Ein Unternehmen fällt aus dem Dax, wenn es bei Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 45 größten Unternehmen gehört und ein Konkurrent existiert, der in beiden Kategorien zu den besten 35 zählt (Fast-Exit-Regel). Umgekehrt wird ein Unternehmen in den Dax aufgenommen, wenn es bei der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz zu den 25 größten Unternehmen gehört. In diesem Fall scheidet ein Unternehmen aus, das in mindestens einer Kategorie hinter Rang 35 liegt und die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist (Fast-Entry-Regel). Beide Regeln existieren auch in leicht abgeschwächter Form als Regular-Exit- bzw. Regular-Entry-Regel.

Als logische Konsequenz ist der "Dax von heute" nicht mehr deckungsgleich mit dem Dax aus den frühen Jahren. Allein in den letzten zehn Jahren wurden 13 Veränderungen vorgenommen, zuletzt wurde K+S durch ProSiebenSat.1 Media Börsen-Chart zeigen ersetzt.

Volatil und renditestark

Seit 1988 konnte der Dax eine Rendite von 8,8 Prozent p.a. erreichen. Das dürfte den Renditeansprüchen der meisten Anleger vollauf genügen, doch der Weg dorthin war nicht einfach - wie immer im Aktienmarkt. Denn statistisch durchschnittliche Jahre sind selten anzutreffen, viel eher resultiert der Schnitt aus der Kombination "extremer" Jahre. In einem positiven Jahr steigt der Dax im Schnitt fast 25 Prozent, in einem negativen Jahr verliert er im Schnitt 20 Prozent. Große Bewegungen sind die Regel - nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass lediglich sechs Aktien für mehr als 50 Prozent der Wertentwicklung verantwortlich sind. Je volatiler die Investition, desto stärker wird die emotionale Seite der Anleger angesprochen. Der "schmale" Dax-Index ist somit nichts für schwache Nerven.

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