Sonntag, 24. Juni 2018

Nervosität an der Börse Dax erholt sich, Gezocke um die Deutsche Bank

Was ist da schon wieder los? Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing am frühen Donnerstagabend....
Twitter/Deutsche Bank
Was ist da schon wieder los? Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing am frühen Donnerstagabend....

Der Dax grenzt seine Verluste an. Vor dem G7 Gipfel halten sich Anleger zurück, da sie eine Schwächung des Welthandels durch US-Präsident Trump erwarten. Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen nach Gerüchten erneut im Fokus der Anleger.

Die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und der EU lässt die Anleger nicht los: Der Dax Börsen-Chart zeigen fiel am Freitag zeitweise um 1,4 Prozent auf 12.635 Zähler, konnte seine Verluste aber bis zum Nachmittag auf 0,4 Prozent reduzieren. Zuletzt notierte der deutsche Leitindex wieder über der Marke von 12.700 Punkten. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten Vonovia Börsen-Chart zeigen und BASF Börsen-Chart zeigen, während die Aktien von Deutsche Post Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen deutlich nachgaben.

Ihre Aufmerksamkeit richteten die Investoren vor allem auf das Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs diesen Freitag und Samstag in Kanada. Wegen der von US-Präsident Donald Trump eingeführten Schutzzölle droht Streit auf offener Bühne. "Von Kompromiss und Aufhebung der Strafzölle bis zu einer Verschärfung des Handelsstreits - alles ist heute möglich", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Scheitere das G7-Treffen, dürfte der Dax schnell die 12.500er-Marke testen, prognostizierte der Experte.


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Die USA hatten vorige Woche auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren aus der EU sowie Kanada und Mexiko Schutzzölle verhängt. Kanada und Mexiko, die mit den USA über die Freihandelszone Nafta besonders eng verbunden sind, haben bereits Gegenmaßnahmen erlassen. Die EU will ab Juli zusätzliche Zölle auf bestimmte US-Produkte verhängen. Stahltitel standen am Freitag europaweit auf den Verkaufszetteln vieler Anleger. Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, Salzgitter Börsen-Chart zeigen und ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen verloren jeweils mehr als 2 Prozent, Outokumpu notierten 3,2 Prozent schwächer.

Aktien der Deutschen Bank und Commerzbank unter Druck

.... beim Überprüfen der Nachrichtenlage, kurz vor dem Start des JP-Morgan-Straßenlaufs in Frankfurt am Main
Twitter/Deutsche Bank
.... beim Überprüfen der Nachrichtenlage, kurz vor dem Start des JP-Morgan-Straßenlaufs in Frankfurt am Main

Unter den Einzelwerten im Dax sorgten Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen für Gesprächsstoff. Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat einen Medienbericht zurückweisen lassen, wonach er aktiv mit Investoren über die Möglichkeit einer Fusion mit der Commerzbank spricht.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstagabend unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, habe Achleitner in den vergangenen Monaten eine Kombination von Deutscher Bank und Commerzbank mit Investoren und hochrangigen Vertretern der Regierung diskutiert.

"Spekulationen auf einen Zusammenschluss der beiden Banken sind nicht neu", sagte ein Händler. "Das wäre nicht unmöglich, aber doch ein sehr schwieriges Unterfangen." Die Aktien der Commerzbank verloren 2,5 Prozent, Deutsche Bank 1,7 Prozent.

Die Deutsche Bank selbst spielte die Spekulationen herunter. "Unser Aufsichtsratsvorsitzender wird ständig auf dieses Thema angesprochen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Freitag. "Seine Antwort ist immer die gleiche: 'Alle Pro- und Kontraargumente können in Analystenberichten und den Medien nachgelesen werden. Was also denken Sie?'. Er sieht keinen Grund, dieses Thema aktiv anzusprechen." Die Commerzbank wollte sich nicht äußern.

Sitzungen von Fed und EZB in der kommenden Woche

Neben dem Zollstreit sorgten auch die anstehenden Sitzungen der Fed und EZB für Zurückhaltung unter den Aktienanlegern. Die Fed wird in der kommenden Woche vermutlich eine weitere Zinsanhebung bekanntgeben, während die EZB-Mitglieder über eine Einschränkung der ultralockeren Geldpolitik diskutieren. Spekulationen auf eine nahende Straffung hatten dem Euro Börsen-Chart zeigenzuletzt Rückenwind verliehen. Er notierte mit 1,1840 Dollar zeitweise auf dem höchsten Stand seit Mitte Mai. Zum Wochenschluss fiel die Gemeinschaftswährung allerdings unter die Marke von 1,18 Dollar zurück.

Italienische Bonds kommen erneut unter die Räder

Aus Angst vor einem Konfrontationskurs der neuen Regierung in Rom mit der EU trennten sich die Investoren von italienischen Anleihen, im Gegenzug stieg die Rendite in der Spitze auf 3,125 (Donnerstag: 3,012) Prozent. Der Risikoaufschlag zu den richtungsweisenden deutschen Bundesanleihen weitete sich auf 265 Basispunkte aus, das war der höchste Aufschlag seit eineinhalb Wochen. Die Regierungskoalition aus Lega und 5-Sterne-Bewegung will die öffentlichen Ausgaben zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums in die Höhe treiben - trotz eines bereits riesigen Schuldenbergs in Italien.

mit Reuters und dpa

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