Sonntag, 18. November 2018

Börsenschluss Dax wankt - und rettet hauchdünnes Plus

Abwärts: Der Dax schließt unter 12.000 Punkten. Auf Wochensicht beträgt das Minus 3 Prozent

Die Angst ist zurück an der Börse. Die wirtschaftlichen und politischen Risiken treiben immer mehr Anleger aus Aktien. Der Dax schließt klar unter 12.000 Zählern und damit auf dem tiefsten Niveau seit April. Auch in den USA werden Anleger nach neuen US-Jobdaten vorsichtig.

Für den deutschen Aktienmarkt ist am Freitag eine verlustreiche Woche zu Ende gegangen. Der Dax Börsen-Chart zeigen konnte im späten Handelsverlauf seinen Tagesverlust jedoch ausbügeln und verabschiedete sich mit einem moderaten Aufschlag von 0,04 Prozent auf 11.959 Punkte in das Wochenende. Das Tagestief lag bei 11.888 Punkten. Damit blieb der deutsche Leitindex allerdings unter der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Zählern, unter die er am Vortag erstmals seit April gefallen war. Experten halten deshalb einen weiteren Rückfall für möglich. Für die zurückliegende Woche summiert sich der Kursverlust im Dax auf 3,3 Prozent.

Die Anleger blieben auch am Freitag wegen der internationalen Handelsstreitigkeiten und der Krisen in Schwellenländern nervös. Zuletzt rückte noch ein weiterer Brennpunkt ins Visier: Der gute US-Arbeitsmarktbericht für August befeuerte Sorgen um eine womöglich schnellere Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed. Zudem enttäuschten Daten zur deutschen Produktion und Exportwirtschaft.

Der Index der mittelgroßen Werte, der MDax Börsen-Chart zeigen ging mit einem Aufschlag von 0,19 Prozent auf 26 180,71 Punkte aus dem Handel. Kurszuwächse an der US-Börse Nasdaq stützten den zuletzt gebeutelten Technologiewerte-Index TecDax Börsen-Chart zeigen , der sich um 0,60 Prozent auf 2912 Zähler erholte.

Anlass für den zwischenzeitlich Kursrutsch sind neue Jobdaten aus den USA. In der US-Wirtschaft sind im August überraschend viele Jobs geschaffen worden. Die Regierung in Washington meldete am Freitag 201.000 neue Arbeitsplätze. Experten hatten für August mit 191.000 gerechnet. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank angesichts der brummenden Konjunktur noch rascher erhöht als bisher angenommen. Der nächste Zinsentscheid steht am 26. September an.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq schwanken

Anleger an der Wall Street sind zum Wochenschluss in Deckung gegangen. Ein stärker als erwartet ausgefallener US-Stellenaufbau und höhere Stundenlöhne schürten Spekulationen auf weitere Zinserhöhungen der Notenbank Fed. Zudem trübte der weiter schwelende Handelsstreit die Stimmung.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 lagen zum Handelsschluss jeweils mit 0,1 Prozent im Minis. US-Präsident Donald Trump hat zusätzliche Einfuhrzölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar angedroht, China kündigte für diesen Fall Vergeltung an. Einem Medienbericht zufolge will Trump auch den Handel mit Japan auf den Prüfstand stellen.

Tesla-Aktie stürzt ab

Stark unter Druck gerieten die Aktien von Tesla Börsen-Chart zeigen , die in der Spitze mehr als 9 Prozent absackten. Nach dem Hin und Her um einen möglichen Rückzug von der Börse verliert der Elektroauto-Pionier einen ranghohen Manager. Chefbuchhalter Dave Morton verlässt Tesla nach nur einem Monat im Amt mit sofortiger Wirkung. Einem Medienbericht zufolge könnten weitere Management-Abgänge drohen - zumal auch die Ex-Personalchefin nach ihrer angekündigten Auszeit nicht mehr zu Tesla zurückkehren wird.

Bayer und Deutsche Bank unter Druck - Gerüchte um HNA

Die Aktie von Bayer Börsen-Chart zeigen setzte unterdessen ihren Kurssturz fort und fiel unter die Marke von 73 Euro. Das ist das tiefste Niveau seit fast 6 Jahren. Rechtsrisiken nach der abgeschlossenen Monsanto-Übernahme lasten weiterhin auf der Aktie. Seit ihrem Hoch im Sommer 2015 hat sich der Börsenwert von Bayer halbiert. Damit haben sie vor allem wegen drohender milliardenschwerer US-Klagen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat innerhalb eines Monats 20 Prozent an Wert verloren. Am Freitag schloss die Aktie 1,8 Prozent im Minus.

Spekulationen über einen Ausstieg des chinesischen Großaktionärs HNA haben außerdem die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen unter Druck gesetzt. Sie fielen bis auf 9,30 Euro und damit bis auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli, bevor sie sich ein Stück weit berappelten. Zum Handelsschluss notierten die Papiere bei 9,61 Euro und damit 1,6 Prozent im Minus. Händler verwiesen auf Gerüchte, dass der an dem Geldhaus beteiligte chinesische Mischkonzern HNA komplett aussteigen könnte. HNA ist noch mit rund 7,6 Prozent an dem Dax-Konzern beteiligt, ringt aber nach einer jahrelangen Einkaufstour in aller Welt mit Geldsorgen.

Im Finanzsektor waren Titel des Dax-Aufsteigers Wirecard Börsen-Chart zeigen weiter gefragt. Sie stiegen um 4,3 Prozent und waren unter den Top-Favoriten im TecDax Börsen-Chart zeigen. Aktien der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, die im Dax am 24. September durch Wirecard ersetzt werden, verloren 1 Prozent.


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Vier Probleme für den Dax: Handelskrieg, Brexit, Italien, Türkei

"Der Dax hat nach wie vor vier Probleme: Der Handelskrieg, die Gefahr einer schmutzigen Scheidung der Briten von der EU, die italienische Schuldenkrise und natürlich die Schwellenlandkrise", sagt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank. In der alten Woche verlor der deutsche Leitindex mehr als drei Prozent - so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr.

Im Zollkonflikt stehen die Verhandlungen zwischen den USA und Kanada über einen Nachfolger für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) im Mittelpunkt. Gleichzeitig drohen zusätzliche US-Strafzölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar.

Bei den Schwellenländern rückt die Türkei wieder in den Vordergrund. Die dortige Notenbank berät am Donnerstag über Maßnahmen zur Stabilisierung der Währung. "Ohne eine angemessene Reaktion - also eine Zinserhöhung um 300 bis 400 Basispunkte - wird die Lira weiter abwerten und sich das Risiko der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen erhöhen", so Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

An der Börse in London warfen Investoren Titel der British-Airways-Mutter IAG aus ihren Depots und schickten den Kurs um 1,3 Prozent nach unten, nachdem die Airline Opfer eines Hackerangriffs wurde. Betroffen sind laut British Airways persönliche und finanzielle Daten von Kunden bei etwa 380.000 Kartenzahlungen.

In Paris machten sich Anleger Sorgen um mögliche Millionenstrafen für die Konzerne Schneider Electric Börsen-Chart zeigen, Legrand und Rexel, deren Aktien bis zu 4,9 Prozent verloren. Die Polizei durchsuchte am Donnerstag Büros der Firmen wegen des Verdachts auf Preisabsprachen.

mit dpa und Reuters

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