Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kursrutsch an der Börse Wall Street begrenzt Verluste - Dax-Erholung oder Ausverkauf?

Kurssturz im Dax: Der Dax ist am Donnerstag unter die Marke von 10.800 Punkten gefallen. Nach dem größten Kursrutsch in diesem Jahr stehen die Chancen auf eine Erholung am Freitag jedoch gut, da die US-Börsen ihre Verluste begrenzt haben.

Kurssturz an der Börse: Die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen IT-Riesen Huawei heizt den Konflikt zwischen China und den USA an. Der deutsche Leitindex Dax stürzt auf ein Zweijahrestief. Da Dow Jones und Nasdaq jedoch im späten Handel einen Erholungsversuch starten, steigen auch die Chancen auf eine Erholung des Dax.

Erneuter Kurssturz am weltweiten Aktienmarkt: Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Donnerstag Nachmittag seine Verluste ausgebaut und ist zeitweise unter die Marke von 10.800 Punkten gefallen. Der Index beendete den Xetra-Handel (17.30 Uhr) mit einem Verlust von 389 Punkten (3,5 Prozent) auf 10.810 Zähler. Für den Dax ist es der größte prozentuale Kurssturz in diesem Jahr, der Index notiert inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit zwei Jahren.

Seit dem kurzen Ausbruch bis auf 11.566 Zähler am Montag summiert sich der Dax-Verlust seit Dienstag damit bereits auf mehr als 7 Prozent. Mit den sich ausweitenden Kursverlusten hat der Dax Börsen-Chart zeigen am Donnerstagnachmittag nach Aussage von Beobachtern in einen sogenannten Bärenmarkt-Modus gewechselt. Vom Rekordhoch Ende Januar bei knapp 13 600 Punkten hat der Leitindex mit den aktuellen Einbußen mittlerweile mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Einer Faustregel zufolge befindet er sich damit im Bärenmarkt.

Dennoch bleibt Dax-Anlegern die Hoffnung auf einen Erholungsversuch am Freitag. Die US-Börsen haben am Donnerstag im späten Handel ihre Verluste deutlich verringert und könnten damit den Dax am Freitag stützen.

Kursrutsch im Dow Jones - und Erholung im späten Handel

Auch an der Wall Street ging es am Donnerstag unter hohen Schwankungen zunächst deutlich abwärts, doch dann erholten sich die Kurse wieder. Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der bereits am Dienstag rund 800 Punkte verloren hatte, gab im frühen Handel in New York um weitere 850 Punkte nach. In den letzten drei Handelsstunden startete der US-Leitindex jedoch eine Aufholjagd und konnte seine Verluste bis zur Schlussglocke in New York auf 206 Punkte (0,8 Prozent) reduzieren.

Der Technologie-Index Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen verlor zeitweise rund 2 Prozent an Wert, drehte dann aber ebenfalls und schloss nur noch mit einem hauchdünnen Minus von 0,1 Prozent bei 6838 Punkten. Sollten die asiatischen Börsen die guten Vorgaben aus den USA am Freitag aufnehmen, steigen auch die Chancen auf eine Stabilisierung im Dax: Der deutsche Leitindex könnte zumindest den Versuch unternehmen, die Marke von 11.000 Zählern wieder zurück zu erobern.

Huawei-Finanzchefin verhaftet: Konflikt zwischen USA und China

Auslöser ist die Verhaftung der chinesischen Huawai-Finanzchefin in Kanada, deren Auslieferung die USA gefordert hat. Dadurch könnten die Spannungen zwischen China und den USA wieder zunehmen. Am vergangenen Wochenende hatten die beiden weltgrößten Volkswirtschaften noch einen90tägigen Waffenstillstand im Zollstreit ausgehandelt. Der Zeitpunkt der Verhaftung ist also extrem riskant, da er die Annäherung von China und USA im Zollstreit wieder zunichte machen könnte.

An der Börse mag niemand mehr auf die Tweets von US-Präsident Trump zu vertrauen. Es drohe ein weiterer Tiefpunkt in den wegen des Handelskonflikts ohnehin bereits strapazierten Beziehungen zwischen den USA und China, sagte ein Händler. Dass sich das chinesische Handelsministerium im Zollkonflikt inzwischen zuversichtlich gibt, wurde dabei zugleich kaum beachtet.

Autowerte im Dax unter Druck

Der MDax Börsen-Chart zeigen büßte zuletzt noch rund 1 Prozent auf 23.175 Punkte ein. Zwischenzeitlich hatte auch hier das Minus fast 2 Prozent betragen. Zu den größten Verlierern im Dax zählten einmal mehr die Autowerte Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Continental Börsen-Chart zeigen mit Verlusten jeweils mehr als 4 Prozent.

Die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen verloren ebenfalls mehr als 4 Prozent. Die Aktie der Deutschen Bank gab zuletzt noch um 3,4 Prozent auf 7,80 Euro. Beim vorläufigen Tagestief von 7,71 Euro hatte die Aktie das tiefste Niveau seit 35 Jahren markiert

Schwächster Wert im Dax waren die Papiere von Covestro Börsen-Chart zeigen mit -minus 4,5 Prozent. Zuvor hatte die Schweizer Großbank UBS die Titel von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 65 auf 51 Euro gesenkt. Ein mittelfristig hohes Angebot in allen Produktketten des Kunststoffkonzerns halte den Zuwachs beim operativen Ergebnis (Ebitda) zurück, schrieb Analyst Geoff Haire.

Deutsche Bank auf 35-Jahres-Tief

Als Hauptbelastungsfaktor nannten Händler die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada. Dies heizt die Spannungen zwischen den USA und China wieder kräftig an. Die USA drängten Kanada zur sofortigen Auslieferung der Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei. Laut einem Pressebericht beschuldigt die US-Justiz die Frau, das US-Handelsembargo gegen den Iran verletzt zu haben. China protestierte scharf gegen die Festnahme und forderte die sofortige Freilassung der Managerin. Man werde "alle Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen der chinesischen Bürgerin entschlossen zu schützen", kündigte die chinesische Botschaft in Kanada mit.

Unterdessen sandte ein Sprecher des chinesischen Wirtschaftsministeriums konstruktive Signale im Handelsstreit. Er sprach von einem bereits erzielten "hohen Grad an Übereinstimmung" zwischen China und den USA in den Bereichen Agrar, Autos und Energie. Zudem zeigte sich der Sprecher "voll überzeugt", dass der Konflikt zwischen den beiden Ländern binnen 90 Tagen beigelegt werden könne.


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Unter den Einzelwerten konnten sich lediglich Vonovia Börsen-Chart zeigen dem Abwärtssog entziehen. An der Dax-Spitze gewannen sie als einziger Wert im Plus rund 0,5 Prozent hinzu. Für Deutschlands größten Immobilienkonzern laufen die Geschäfte dank steigender Mieten in den Metropolen und seiner jüngsten Zukäufe weiter gut. Analyst Jonathan Kownator von der Investmentbank Goldman Sachs lobte vor allem den deutlich gestiegenen Wert des Immobilienportfolios.

Nach der Vorlage des neuen Fünfjahresplans kamen die Papiere der SGL Group Börsen-Chart zeigen Group unter die Räder. Der Aktienkurs des Kohlefaserspezialisten sackte um 12,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2004 ab. Experten gefiel vor allen Dingen nicht, dass SGL für das kommende Jahr nur ein in etwa stabiles operatives Ergebnis anpeilt.

Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen muss sich einen Nachfolger für das zuletzt mit starkem Wettbewerb und Margendruck kämpfende Geschäft mit großen Unternehmen suchen. Der Vorstand der Firmenkundensparte, Michael Reuther, möchte seinen bis September kommenden Jahres laufenden Vertrag nicht verlängern, teilte die seit der Finanzkrise teiltverstaatlichte Bank am Mittwoch in Frankfurt mit. Commerzbank-Aktien verbilligten sich um 2,8 Prozent.

Euro kaum verändert

Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen hat sich am Donnerstag im frühen Handel kaum von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1340 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Starke Impulse blieben zunächst aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1354 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag dürften die Anleger am Devisenmarkt vor allem auf die zahlreichen amerikanischen Konjunkturdaten blicken. Aufgrund des Staatstrauertages wegen des Todes des ehemaligen US-Präsidenten George H. W. Bush werden sämtliche Wirtschaftszahlen, die eigentlich am Mittwoch veröffentlicht werden sollten, nachgereicht. Im Blickpunkt dürften Zahlen vom Arbeitsmarkt und zur Stimmung im großen Dienstleistungssektor stehen.

Ölpreise etwas leichter

Die Ölpreise haben am Donnerstag vor einem mit Spannung erwarteten Treffen des Ölkartells Opec leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen 61,15 US-Dollar. Das waren 41 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 52 Cent auf 52,38 Dollar.

Am Donnerstag blicken die Anleger am Rohölmarkt nach Wien. Dort treffen sich die Energieminister der Opec, um über ihre Förderung im kommenden Jahr zu beratschlagen. Angesichts des Einbruchs der Erdölpreise wäre alles andere als eine spürbare Förderkürzung eine Überraschung. Seit Anfang Oktober sind die Ölpreise um bis zu 30 Prozent gefallen.

Die Opec-Staaten und die mit ihnen verbündeten Länder außerhalb der Opec, darunter Russland, scheinen sich bereits auf die Notwendigkeit einer Produktionsverringerung verständigt zu haben. Dies hatte der Energieminister Omans, Mohammed Al Rumhi, am Mittwochabend in Wien gesagt. Allerdings bestehe noch keine Einigkeit über das Ausmaß der Kürzung. Laut Al Rumhi könnte die Opec eine Verringerung ihrer Tagesproduktion um etwa eine Million Barrel beschließen. Dies entspräche in etwa den Markterwartungen.

mit Nachrichtenagenturen

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