Montag, 10. Dezember 2018

Börse Schwache Wall Street nimmt Dax-Anlegern den Mut

Börse Frankfurt: Die Kurs-Euphorie des Morgens hat sich etwas gelegt, der Dax steht am Donnerstavormittag aber noch im Plus

In der Hoffnung auf ein baldiges Ende der US-Zinserhöhungen decken sich Anleger am Donnerstag zunächst mit europäischen Aktien ein. Dax Börsen-Chart zeigen und EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen stiegen am Donnerstagvormittag jeweils ein halbes Prozent. Am Nachmittag gab der Dax seine Gewinne jedoch wieder ab und notierte zuletzt um seinen Vortagesstand von etwa 11.300 Punkten.

Ein Grund dafür: Nach ihrer Erholungsrally am Mittwoch haben auch die US-Börsen am Donnerstag leicht nachgegeben. Damit endete die dreitägige Gewinnserie vorerst, die dem Dow Jones Börsen-Chart zeigen tags zuvor den kräftigsten Tagesgewinn seit Ende März beschert hatte. Der US-Leitindex notierte an Donnerstag zuletzt 0,25 Prozent leichter bei 25.302 Punkten.

Für Aufsehen sorgte zudem eine Razzia bei der Deutschen Bank. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Geschäftsräume des Instituts wegen des Verdachts auf Geldwäsche. "Das bedeutet einen immensen Vertrauensverlust und kann sehr teuer werden für die Bank", sagte ein Börsianer. Die Aktien des Geldhauses verloren daraufhin in der Spitze bis zu 4,9 Prozent.

Genährt wurden die Spekulationen um die US-Geldpolitik von den jüngsten Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell. Er hatte am Mittwoch gesagt, die aktuelle Leitzinsspanne von 2,0 bis 2,25 Prozent liege "knapp unter" dem geschätzten neutralen Niveau, mit dem die weltgrößte Volkswirtschaft weder gefördert noch gebremst werde. "Händler werten dies als Zeichen, dass die Fed eine weniger aggressive Zinserhöhungspolitik verfolgen wird", sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets.

Weitere Hinweise auf die US-Geldpolitik erhofften sich Börsianer von der Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung am Abend (MEZ). Skeptische Äußerungen zur Konjunktur durch vereinzelte Notenbanker sollten nicht überinterpretiert werden, warnte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Außerdem könnten diese Aussagen von nicht stimmberechtigten Teilnehmern der Sitzung stammen.

Vor diesem Hintergrund bröckelte der Dollar ab. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro Börsen-Chart zeigen auf bis zu 1,1397 Dollar. Die nachlassende Furcht vor einer Abkühlung der US-Konjunktur gab auch dem Kupferpreis Auftrieb. Dabei spielten Spekulationen auf einen Angebotsengpass eine Rolle, da eine große indonesische Kupferhütte wegen Verzögerungen bei Wartungsarbeiten Lieferverträge nicht einhalten kann. Das Industriemetall verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 6236 Dollar je Tonne.

Aktien von Tele Columbus nach Zahlen gefragt

Tele Columbus gehörte dagegen mit einem Kursplus von bis zu 13,5 Prozent zu den Favoriten. Der Kabelnetzbetreiber verdreifachte seinen Reingewinn nahezu. Die Rückkehr auf den Wachstumspfad sei eine gute Nachricht, schrieb Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. Die bekräftigten Gesamtjahresziele seien realistisch.

Bei Chipwerten griffen Anleger ebenfalls zu. Ein recht optimistischer Ausblick von Micron Börsen-Chart zeigen hebe die Branchenstimmung, sagte ein Börsianer. Der US-Halbleiterhersteller stellte für das laufende Quartal einen Gewinn oberhalb der durchschnittlichen Prognose von 2,95 Dollar je Aktie in Aussicht. Die Aktien der Konkurrenten Infineon Börsen-Chart zeigen und STMicroelectronics gewannen bis zu 3,2 Prozent und die Titel des Zulieferers Aixtron Börsen-Chart zeigen legten 3,7 Prozent zu.

Am Vortag hatten in den USA die Aktienmärkte zu einer wahren Rally angesetzt. Dabei fielen die Tagesgewinne von Dow und S&P 500 so kräftig aus wie zuletzt Ende März. Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen hatte mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 25.366 Punkten geschlossen. Der breiter gefasste S&P 500 erhöhte sich um 2,3 Prozent auf 2743 Zähler. An der Technologiebörse rückte der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen knapp 3 Prozent auf 7291 Stellen vor.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit


Annäherung von China und USA auf G20-Gipfel?

Immer stärker in den Fokus dürfte nun der kurz bevorstehende G20-Gipfel in Buenos Aires rücken, der am Freitag und Samstag stattfindet. Allzu hoch dürften die Erwartungen an den Finanzmärkten nicht sein. "Bestenfalls einigen sich US-Präsident Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf einen Waffenstillstand im Handelskrieg", sagte Chefanalyst Frank Häusler von Vontobel. Das könne zumindest eine Deeskalation einleiten.

Von einem fortdauernden Handelskrieg dürfte vor allem die Autobranche leiden, sagte Häusler. Die konjunkturellen Folgen des Streits könnten zudem den Energie- und Rohstoffsektor in Mitleidenschaft ziehen.

mit Nachrichtenagenturen

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