Dienstag, 20. November 2018

Börse Handelsstreit lähmt Dax, Commerzbank droht Abstieg

Kursrutsch: Der Dax ist erneut unter Druck geraten

Der Handelsstreit zwischen USA, China und der EU belastet den Dax weiter. An der Wall Street wird am Montag nicht gehandelt. Die Commerzbank dürfte im Dax durch Wirecard ersetzt werden, und der Deutschen Bank droht der Abschied aus dem Eurostoxx 50.

Anleger bleiben auch zu Beginn des Börsenmonats September nervös: Mit dem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und Mexiko ist die Furcht der Anleger vor einem Handelskrieg Experten zufolge noch nicht gebannt. "Derzeit läuft eine große Debatte", sagt Andrew Milligan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Aberdeen Standard. "Hofft US-Präsident Donald Trump auf Abkommen mit allen großen Partnern, um zu beweisen, dass er ein erfolgreicher Verhandler ist, oder will er eine Einigung über Nafta und mit der EU, um seine gesamte Feuerkraft auf China zu richten?"

Die USA und Mexiko haben in der alten Woche einen Nachfolger für das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta ausgehandelt. Mit Kanada ist der dritte Partner allerdings noch nicht an Bord. Verhandlungen am Freitag brachten nicht den erhofften Durchbruch. Am kommenden Mittwoch gehen die Gespräche weiter.

US-Strafzölle auf chinesische Waren treten Mittwoch in Kraft

Der Dax hat in der abgelaufenen Woche 0,2 Prozent an Wert eingebüßt und bei 12.364 Punkten geschlossen. Auch in der kommenden Woche dürfte der Handelsstreit die Börsen weiter in Atem halten. Denn Trump will einem Medienbericht zufolge am Mittwoch US-Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar in Kraft setzen.

"Sollte Trump tatsächlich zusätzliche Abgaben erheben, so wäre über die Hälfte des Handels mit China durch Sonderzölle belastet, was Risiken für die Entwicklung der globalen Konjunktur mit sich bringen würde", warnt Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer.

US-Jobdaten im Blick

Daneben warten Anleger gespannt auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Einen Vorgeschmack liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Donnerstag - wegen eines US-Feiertags am Montag einen Tag später als üblich.

Bayer legt am Mittwoch Zahlen vor - Monsanto-Risiken belasten Aktie

Darüber hinaus legt Bayer am Mittwoch seine Quartalsergebnisse vor. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern hatte die Veröffentlichung verschoben, um die Geschäfte des kürzlich übernommenen Saatgut-Anbieters Monsanto in das Zahlenwerk einzuarbeiten.

Wirecard dürfte Commerzbank im Dax ersetzen

Zudem werden zahlreiche Indizes überprüft. Am Montag wird der Anbieter Stoxx voraussichtlich den Abstieg der Deutschen Bank aus dem EuroStoxx50 bekanntgeben. Am Mittwoch wird dann wohl der Abschied der Commerzbank aus dem Dax besiegelt. Aussichtsreichster Kandidat für den Aufstieg in die erste Börsenliga ist der Online-Zahlungsabwickler Wirecard.

Parallel dazu wird die Deutsche Börse die endgültige Zusammensetzung der neu geordneten Nebenwerte-Indizes bekanntgeben. Der MDax wird auf 60 und der SDax auf 70 Mitglieder erweitert. Die bisherigen TecDax-Mitglieder werden auf diese beiden Indizes verteilt. Der TecDax selbst wird zu einem Zweitnotierungsindex für die Technologiewerte aus Dax, MDax und SDax heruntergestuft.

Auch an der Wall Street sind Reformen geplant: Internet-Giganten wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Facebook Börsen-Chart zeigen erhalten ihren eigenen Branchenindex "Kommunikationsdienstleistungen". Experten zufolge bietet dies kleineren Technologiefirmen die Chance, aus deren Schatten herauszutreten.

US-Börsen: Dow kaum verändert, Nasdaq mit sattem Monatsplus

Anders als in Asien und Europa haben die internationalen Handelskonflikte und Währungsverluste in den Schwellenländern den US-Börsen am Freitag kaum zugesetzt. Etwas Vorsicht war an der Wall Street zu spüren, wo der Dow Jones Industrial um die 26 000-Punkte-Marke kämpfte.

Die Technologiebranche zeigte sich nach ihrem jüngsten Rekordlauf stabil; die Nasdaq-Indizes stiegen wieder dicht an ihre Bestmarken und verzeichneten zudem im Monat August deutliche Gewinne.

Dass die Gespräche über ein neues nordamerikanisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kanada vorerst scheiterten, sorgte nur kurzzeitig für moderate Verluste. Präsident Donald Trump habe den Kongress über die Absicht unterrichtet, an Stelle des Abkommens der drei Länder USA, Mexiko und Kanada künftig ein bilaterales Abkommen mit Mexiko zu setzen, teilte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer mit. Dennoch sollen die Gespräche mit Kanada am Mittwoch fortgesetzt werden.

Der US-Leitindex Dow gab letztlich um minimale 0,09 Prozent auf 25 964,82 Punkte nach. Sein Wochenplus beläuft sich damit auf 0,7 Prozent. Im Monat August gewann er 2,2 Prozent hinzu.

Der marktbreite S&P 500 zeigte sich am Freitag mit plus 0,01 Prozent auf 2901,52 Punkte nahezu unverändert.

Nasdaq klettert im August um 6 Prozent

An der Nasdaq gewann der Auswahlindex 100 0,16 Prozent auf 7654,55 Zähler. Sein Wochenplus beträgt damit 2,3 Prozent, auf Monatssicht gewann er fast 6 Prozent.

Im Technologiesektor trotzten die Aktien von Apple dem lahmen Dow und legten um weitere 1,2 Prozent zu. Die Papiere des iPhone-Herstellers profitierten immer noch von Aussagen Warren Buffetts am Vortag. Der Börsenguru hatte zu seinem 88. Geburtstag in einem Fernseh-Interview gesagt, er habe bei Apple "noch etwas zugekauft".

Microsoft und Apple auf Rekordhoch, Amazon nahe Billionenbewertung

Die Papiere von Microsoft Börsen-Chart zeigen erreichten ebenfalls ein neues Rekordhoch, während die Anteilsscheine von Amazon sich wieder dicht an ihre tags zuvor erreichte Bestmarke von 2025,57 Dollar annäherten. Bei etwas über 2050 Dollar je Aktie ist der weltgrößte Online-Händler nach Apple das zweite Unternehmen in den USA, dessen Börsenwert die Schwelle von einer Billion Dollar überschreitet.

Euro pendelt um 1,16 US-Dollar

Schwach zeigten sich indes erneut die Aktien von Facebook, der Google-Mutter Alphabet sowie von Twitter, die zwischen 1 und 1,8 Prozent nachgaben. Der US-Präsident hatte vor zwei Tagen diesen Konzernen unfaire Praktiken vorgeworfen und ihnen gedroht, sie "sollten lieber vorsichtig sein". Die Organisation Freedom Watch Inc. hat eine Sammelklage eingereicht und wirft den drei Großkonzernen sowie Apple vor, sie würden konservative Inhalte unterdrücken und zensieren.

Am US-Rentenmarkt gaben richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen im Handelsverlauf ihre frühen Gewinne wieder ab und verloren 1/32 Punkt auf 100 4/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,86 Prozent. Der Eurokurs pendelte im US-Handel um die Marke von 1,16 US-Dollar und wurde zum Börsenschluss an der Wall Street mit 1,1609 Dollar gehandelt.

mit Material von Reuters

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