Sonntag, 18. November 2018

Börsenschluss Dax verliert, aber Dow Jones und Bayer legen zu

Trotz der Gewinne in den USA setzt der Dax am Freitag seine Talfahrt fort. Am kleinen Verfallstag rutscht der Dax zeitweise unter 12.200 Punkte. Die türkische Lira bricht erneut ein. Bayer startet dagegen einen Erholungsversuch.

Trotz einer robusten Wall Street ist der Dax Börsen-Chart zeigen am Freitag wieder in die Verlustzone gerutscht. Bis zum Handelsschluss gab der Index um 0,2 Prozent nach und fiel auf 12.210 Punkten. Anlass für die erneute Kursschwäche war der erneute Einbruch der türkischen Lira, die nach der jüngsten Stabilisierung wieder deutlich nachgab. In der Folge knickten Bankenwerte wie die Deutsche Bank und Commerzbank um mehr als 2 Prozent ein.

Dollar und Euro verteuerten sich am Freitag um jeweils gut fünf Prozent auf 6,1187 und 6,9703 türkische Lira. "Kurz vor dem Wochenende überlegt sich jeder zwei Mal, ob er noch Lira halten will", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Die Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers Berat Albayrak am Donnerstag habe nur heiße Luft produziert. "Es war gut, dass er der Inflationsbekämpfung 'Top-Priorität' einräumte. Doch sagte er halt auch, dass Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung nicht ausreicht."

Das sei zwar prinzipiell richtig. "Doch ohne Geldpolitik ist alles andere, was gegen Inflation unternommen wird, nichts." Die türkische Zentralbank hatte entgegen der allgemeinen Erwartungen den Leitzins trotz des Lira-Verfalls zuletzt nicht angehoben. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach sich mehrfach gegen hohe Zinsen aus und betonte, er wolle stärkeren Einfluss auf die Geldpolitik nehmen.

ThyssenKrupp fällt auf Zweijahrestief

Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen sind am Freitag um bis zu 4 Prozent auf 18,885 Euro gefallen - das tiefste Niveau seit gut zwei Jahren. Am Mittwoch waren die Papiere des zum Industriekonzern umgebauten Unternehmens unter die Chartunterstützung bei 20 Euro gerutscht. Hier hatten sich Ende Juni noch Käufer gefunden und eine Zwischenerholung ausgelöst.

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Deutliche Verluste im Dax auf Wochensicht

Auf Wochensicht liegt der Dax Börsen-Chart zeigen rund anderthalb Prozent im Minus. Dies verdankt er vor allem dem Schwergewicht Bayer , dessen Börsenwert nach einem negativen US-Urteil gegen die Tochter Monsanto um fast ein Fünftel zusammenschmolz. Von ihrem Tief seit März 2013 konnten sich die Papiere der Leverkusener aber am Vortag etwas absetzen.

Bayer und Henkel starten Erholungsversuch

Die Aktien von Bayer starteten nach ihrem Kurssturz vom Vortag einen Erholungsversuch und notierten im frühen Handel mit knapp 2 Prozent im Plus. Auch Henkel Börsen-Chart zeigen starteten mit einem Plus von 1,5 Prozent einen Erholungsversuch, nachdem sie tags zuvor nach einer Prognosesenkung zweitweise um über 4 Prozent abgesackt waren.

Alain Oberhuber vom Investmenthaus Mainfirst sprach eine Empfehlung für die Papiere des Persil-, Loctite- und Schwarzkopf-Herstellers aus und Fulvio Cazzol von der Investmentbank Goldman Sachs hob sein Kursziel etwas an.

Der Wohnungsvermieter Grand City Properties kann laut einem Zwischenbericht weiter auf anziehende Mieten setzen. Die Mieteinnahmen allein legten um 14 Prozent zu. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 271 Millionen Euro, das war gut ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Gehandelt wurden die Papiere vorbörslich nicht.

US-Börsen: Dow und Nasdaq mit leichten Gewinnen

Nach ihrem kräftigen Kurszuwachs hat die Wall Street am Freitag zunächst weiter zugelegt. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen legte ebenso wie der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen um 0,2 Prozent zu. Am Vortag hatten die Anleger die geplanten Gespräche im Handelsstreit zwischen den USA und China als ein Entspannungssignal interpretiert und dem US-Leitindex mit einem Plus von gut eineinhalb Prozent den höchsten Tageszuwachs seit April beschert.

Unterdessen drohten die USA der Türkei mit weiteren Sanktionen, wodurch vor dem Wochenende die türkische Lira wieder ins Taumeln geriet.

Auch haben die Anleger einige Bilanzen und Geschäftsaussagen von US-Konzernen zu verdauen. So geraten einmal mehr die Technologiewerte in den Mittelpunkt. Enttäuschende Geschäftsausblicke des Grafikkarten-Spezialisten Nvidia und des Halbleiterindustrie-Ausrüsters Applied Materials hatten bereits in den Handelssitzungen in Asien und Europa Sorgen um den Chipboom geschürt und die Kurse einiger Branchengrößen abwärts geschickt.

Nvidia machte vor allem das eingebrochene Geschäft mit den Schürfern von Kryptowährungen für seine Prognosen für das dritte Quartal verantwortlich, von dem sich Analysten mehr erwartet hatten. Vorbörslich gaben die Kurse beider Konzerne jeweils deutlich nach.

Dagegen deuten sich für die Kaufhauskette Nordstrom hohe Kursgewinne an, nachdem das Unternehmen als Konsequenz aus einem unerwartet starken Jahresviertel seine Gewinnprognosen angehoben hat. Der Landmaschinenhersteller Deere & Co enttäuschte hingegen mit der Bilanz für sein abgelaufenes Geschäftsquartal. Der Konzern profitiert zwar derzeit von der weltweit anziehenden Nachfrage, kämpft aber gleichzeitig mit höheren Rohstoff- und Transportkosten.

Nikkei leicht im Plus

Die Hoffnung auf eine Lösung im Handelsstreit zwischen China und den USA hat die Kurse am Aktienmarkt in Tokio zum Wochenschluss angetrieben. "Investoren gehen langsam davon aus, dass es Zeichen für ein Ende des eskalierenden Handelskriegs geben könnte", sagte Takuya Takahashi, Finanzmarkt-Stratege bei Daiwa Securities. China hatte am Donnerstag erklärt, noch im August werde eine Delegation in die USA fliegen, um Lösungen in dem Streit zu suchen. Die "Washington Post" hatte berichtet, die Gespräche könnten am 21. und 22. August geführt werden und damit unmittelbar vor dem Termin, an dem die neuen US-Zölle auf chinesische Güter in Kraft treten sollen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei Börsen-Chart zeigen lag im Verlauf 0,5 Prozent höher bei 22.303 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,6 Prozent auf 1697 Zähler.

Die Börse in Shanghai lag zuletzt 0,1 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen notierten kaum verändert.

Unter Druck standen in Tokio Aktien aus der Chip-Branche, nachdem der US-Chipanlagen-Bauer Applied Materials am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit seiner Prognose für das laufende Jahr die Anleger verschreckt hatte.

Euro erholt sich von einjährigem Tiefstand

Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen hat sich am Freitag im frühen Handel stabil gezeigt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1380 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend.

Auch die türkische Lira veränderte sich im Wert kaum. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1370 Dollar festgesetzt.

Vor dem Wochenende standen sowohl in Europa als auch in den USA nur wenige Konjunkturdaten von Bedeutung an. In der Eurozone dürften monatliche Inflationszahlen auf Interesse stoßen, wobei es sich lediglich um eine zweite Schätzung handelt. In den USA gibt der Indikator der Universität Michigan Auskunft über die Stimmungslage der amerikanischen Verbraucher.

Im Auge haben Investoren zudem eine anstehende Rating-Entscheidung der Bonitätswächter von Standard & Poor's zur Türkei. Es handelt sich um einen von zwei jährlichen Bewertungsterminen, die Rating-Agenturen wahrnehmen können, aber nicht müssen. Für gewöhnlich gibt S&P seine Entscheidungen im Laufe des Abends bekannt.

mit dpa und Reuters

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