Sonntag, 18. November 2018

Kursrutsch an der Börse, Chinas Währung taucht ab Dax, Dow und Nasdaq knicken ein - Yuan lässt Börsen rutschen

Talfahrt: Der chinesische Yuan bricht gegenüber dem Dollar weiter ein - und belastet die Börsen weltweit

Der Dax fällt erneut tief ins Minus. Dax-Schwergewicht Bayer setzt seinen Kursrutsch fort. Der chinesische Yuan gibt deutlich nach, und der Euro fällt zum Dollar auf ein Jahrestief. An der Wall Street starten Dow Jones und Nasdaq mit klaren Verlusten.

Neue Verkaufswelle an der Börse: Die türkische Lira und der chinesische Yuan wanken, und der Dax Börsen-Chart zeigen knickt am Mittwoch erneut ein. Aus Furcht vor neuen Währungs- und Börsenbeben ziehen sich Anleger aus den europäischen Aktienmärkten zurück. Der Dax Börsen-Chart zeigen gab zuletzt 1,5 Prozent nach und fiel im späten Handel deutlich unter die Marke von 12.200 Zählern. Das ist der tiefste Stand seit 8 Wochen. Die Schwankungsbreite ist wie schon am Vortag mit mehr als 200 Punkten hoch. Im späten Handel drohte der Dax sogar unter die Marke von 12.100 Zählern zu fallen, da die US-Börsen ihre Verluste am Abend ausbauten.

"Während sich die Lage bei der Lira entspannt, bricht der chinesische Yuan auf ein neues Mehrjahrestief zum Dollar ein", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Nach dem Türkei-Schock droht jetzt ein China-Schock für den deutschen Aktienmarkt."

Vor dem Hintergrund einer möglichen Konjunkturabkühlung und drohender Beeinträchtigungen der Wirtschaft durch den Handelsstreit mit den USA steht der Yuan seit längerem unter Druck. Der Kurs des Dollar stieg am Mittwoch zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 6,9105 Yuan und könnte erstmals seit der Finanzkrise von 2008 die Marke von sieben Yuan überspringen.

Dollar steigt zum Yuan Richtung Zehnjahreshoch

Zwar verbessere diese Entwicklung die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Waren auf dem Weltmarkt und federe die Belastungen durch die US-Strafzölle ab, sagte Stanzl. Aber viele Anleger interpretierten sie als Vorzeichen eines abrupten Endes des chinesischen Aufschwungs.

Die türkische Währung setzte dagegen ihren Erholungskurs fort. Dies könne sich aber als Strohfeuer entpuppen, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Die Verhängung von Strafzöllen auf US-Waren ist kaum ein Zeichen dafür, dass die türkische Regierung zur Bekämpfung der Krise zu einer vernünftigen Geld- und Haushaltspolitik findet." Der Dollar verbilligte sich um 3,9 Prozent auf 6,1081 Lira.

Dollar-Index auf 14-Monats-Hoch

Insgesamt blieb die Weltleitwährung aber als "sicherer Hafen" beliebt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen anderen Währungen widerspiegelt, stieg auf ein 14-Monats-Hoch von 96,92 Punkten. Im Gegenzug fielen die Kurse von Euro und Pfund Sterling auf bis zu 1,1306 und 1,2689 Dollar. Die britische Währung leide zudem unter den jüngsten Preisdaten, sagte Analyst Jameel Ahmad vom Online-Broker FXTM. "Erneut übersteigt die Inflation das Lohnwachstum. Dies wirft die Frage auf, ob die Bank von England die Zinsen weiter anheben wird."

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit

Wall Street startet mit Verlusten

Die Wall Street begann den Handelstag ebenfalls mit Verlusten. Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte zuletzt 1,1 Prozent tiefer bei 25.000 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq Börsen-Chart zeigen gab sogar 1,8 Prozent nach.

Am Vortag hatte die US-Börse nach zuvor vier Verlusttagen in Folge noch einen kurzen Erholungsversuch gestartet, der nun aber schon wieder zum Erliegen kommt.

Die internationalen Handelsstreitigkeiten geben aus Sicht von Experten Anlass zu Besorgnis vor einem Flächenbrand in den Schwellenländern. Die Türkei konterte neue Strafzölle ihrerseits mit Sanktionen gegen die USA. Auch die Lage in China rückte deshalb zuletzt wieder in den Fokus.

Handelsumsätze steigen, Cisco meldet am Abend Zahlen, Macy´s gibt nach

In den Vereinigten Staaten standen an diesem Handelstag zunächst einmal wichtige Wirtschaftsdaten im Mittelpunkt. Die Stimmung der Industrie im US-Bundesstaat New York hat sich im August überraschend aufgehellt und die Produktivität der amerikanischen Wirtschaft entwickelte sich im zweiten Quartal stärker als erwartet.

Gleiches gilt für die gestiegenen Einzelhandelsumsätze im Juli. Risikobereiter konnte all dies die Anleger aber nicht stimmen.

Die Zahlenvorlage eines Dow-Unternehmens wird mit Cisco Börsen-Chart zeigen erst nachbörslich erwartet. Aus der zweiten Börsenreihe berichtete am Mittwoch die Handelskette Macy's von ihrem zweiten Quartal. Trotz einer starken Umsatzentwicklung kamen die Resultate nicht gut an, weil dies mit hohen Kosten erkauft wurde: Im frühen Handel büßten die Papiere mehr als 5 Prozent ein.

Dax: Bayer, ThyssenKrupp, Daimler und VW knicken ein

Zu den größten Verlierern im Dax zählten Bayer, ThyssenKrupp, Volkswagen und Deutsche Bank, die jeweils rund 3 Prozent nachgaben. Lediglich die Aktien von Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigenund Siemens Börsen-Chart zeigenstemmten sich mit leichten Gewinnen gegen den marktbreiten Abwärtstrend.

Monsanto drohen weitere Klagen in den USA

Dax-Schwergewicht Bayer setzte unterdessen seine Talfahrt fort und gab weitere 3,5 Prozent nach. Kurz nach der Übernahme von Monsanto durch Bayer Börsen-Chart zeigennutzten US-Gerichte die Gelegenheit, millionenschwere Schadenersatzklagen gegen den neuen Monsanto-Eigentümer zuzulassen. Monsanto hatte jahrelang das Pflanzengift Glyphosat produziert und in alle Welt exportiert, ohne von US-Behörden belangt zu werden. Nun, nach dem Kauf durch den deutschen Bayer-Konzern, sieht die Sache anders aus. Bis zum Ergebnis der Berufung gegen das Urteil - die geringe Erfolgschancen hat - dürften noch einige Monate der Unsicherheit vergehen. Insgesamt sind in den USA mehr als 5000 ähnliche Klagen anhängig.

Autozulieferer Leoni stürzt zweistellig ab

Die Papiere von Leoni stürzten zeitweise um elf Prozent ab - so stark wie zuletzt vor gut eineinhalb Jahren. Der operative Quartalsgewinn sei hinter seinen schon vorsichtigen Prognosen zurückgeblieben, urteilte Analyst Harald Eggeling vom Vermögensverwalter Oddo BHF.

Siemens-Chef Kaeser sieht 20-Milliarden-Lücke

Siemens-Chef Joe Kaeser hält den Münchner Industriekonzern für an der Börse unterbewertet. Dort sei Siemens derzeit rund 92 Milliarden Euro wert, sagte Kaeser der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. Ziehe man davon die börsennotierte Siemens-Gesundheitstechnik mit knapp 40 Milliarden Euro sowie die Windkraft-Tochter Gamesa mit gut acht Milliarden Euro ab, läge der Wert des gesamten restlichen Geschäfts bei knapp 45 Milliarden Euro, sagte Kaeser. "Verglichen mit unseren Wettbewerbern tut sich hier eine Lücke von bis zu 20 Milliarden Euro auf", sagte der Siemens-Chef. "Unser Ziel ist es, dieses Potenzial zu heben."

Nebenwerte: Puma gefragt, Leoni unter Druck

Puma-Aktien schafften es mit plus 3,4 Prozent an die MDax-Spitze. Leoni-Papiere rutschten dagegen am anderen MDax-Ende um fast 8 Prozent auf das tiefste Niveau seit März 2017 ab. Der Kabelhersteller und Autozulieferer stellt sich für den Rest des Jahres auf höhere finanzielle Belastungen ein.

Auch die türkische Lira gab am Mittwoch wieder nach. Zuletzt fiel sie gegenüber dem US-Dollar um etwa ein Prozent auf 6,43 Lira je Dollar. Damit wurde jedoch nur ein kleiner Teil der Gewinne zunichte gemacht, die die Lira am Dienstag eingefahren hatte.

Trotz dieser jüngsten Stabilisierung sind die Verluste zu den großen Währungen nach wie vor drastisch. Zum amerikanischen Dollar beträgt das Minus seit Jahresbeginn 40 Prozent. Fachleute sehen die Lira-Krise noch nicht ausgestanden.

luk/dpa/reuters

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