Freitag, 20. Juli 2018

Börse Dax taucht ab, Dow wankt, Ölpreis fällt

Im Zollstreit dreht US-Präsident Donald Trump an der Eskalationsspirale

Donald Trump heizt den Zollstreit mit China an. Der Dax gibt deutlich nach: Anleger befürchten, dass auch das Thema Autozölle für Importe aus der EU wieder hochkommt. BMW, Daimler und VW sacken ab.

Die Angst vor einem Handelskrieg zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten hat am Mittwoch die Aktienbörsen weltweit wieder eingeholt. Dax und EuroStoxx50 verloren je 1,5 Prozent auf 12.417 beziehungsweise 3422 Zähler.

An der Wall Street lag der Dow Jones zum Handelsschluss in Europa etwa ein halbes Prozent im Minus. Neben der US-Ankündigung neuer Zölle auf chinesische Produkte sorgte nach Einschätzung von Marktstratege Art Hogan vom Handelshaus B. Riley FBR in New York auch der bittere Ton beim Gipfeltreffen der Nato in Brüssel für Verunsicherung.

Die US-Regierung kündigte zusätzliche Zölle auf chinesische Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar an. Dies versetzte der Börse in Shanghai einen Dämpfer. Die Regierung in Peking erklärte die Pläne für inakzeptabel. Die Volksrepublik werde darauf reagieren müssen, erklärte das Handelsministerium.

"Für die Märkte wird der Zollstreit jetzt realer, das lässt sich schwer wegdiskutieren", sagte Marktanalyst Ken Odeluga vom Onlinebroker City Index. Volkswirten zufolge wäre rund die Hälfte der in die USA ausgeführten chinesischen Güter von Zöllen betroffen, wenn die USA ihre Pläne umsetzen.

Rohstoffpreise stürzen ab

An den Rohstoffmärkten rauschten die Preise für Rohöl und Kupfer in den Keller: Die führende Nordseesorte Brent verlor bis zu 2,9 Prozent auf 76,59 Dollar je Fass. Dabei spielte auch die erwartete Wiederinbetriebnahme von Exportterminals in Libyen eine Rolle, die wegen innenpolitischer Auseinandersetzungen seit Wochen brachlagen. Bei den Industriemetallen verbilligte sich Kupfer um bis zu vier Prozent.

ThyssenKrupp und Bayer im Dax unter Druck

Die rote Laterne im Dax hielten Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen mit einem Abschlag von 4,3 Prozent. Anleger sehen den Mischkonzern in einer Führungskrise. Einem Zeitungsbericht zufolge will der Aufsichtsrat Finanzchef Guido Kerkhoff zum Interimschef ernennen. Zugleich platzte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner der Kragen. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" kritisierte er einzelne Investoren scharf und schloss eine Zerschlagung des Konzerns aus.

Ebenfalls auf den Verkaufslisten standen Bayer Börsen-Chart zeigen mit einem Minus von 2,4 Prozent. Ein US-Bundesrichter in Kalifornien hat mehrere Hundert Klagen gegen ein glyphosathaltiges Unkrautvernichtungsmittel der neuen Tochter Monsanto zugelassen.

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VW, BMW und Daimler schwach

Am Mittwoch gerieten im Handelsverlauf auch die Autowerte und Dax-Schwergewichte Volkswagen Börsen-Chart zeigen , BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen unter Druck. Anleger befürchten, dass nicht nur der Zollstreit mit China, sondern auch der Handelsstreit mit der EU erneut eskalieren könnte.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will bei einem Besuch in Paris dafür werben, dass Deutschland und Frankreich in der Auseinandersetzung mit den USA gemeinsam vorgehen. Der CDU-Politiker sagte, es gehe darum, die Verhandlungen der EU-Kommission zu unterstützen und einen Handelskrieg zu vermeiden.

Wall Street: Dow Jones gibt nach, Trump schimpft über Deutschland

Die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat auch die Anleger am US-Aktienmarkt im Griff. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte am Abend 0,5 Prozent tiefer bei 24 772 Punkten. Auch der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen gab um 0,5 Prozent nach. Bereits am Dienstag hatte der Schwung an der zuletzt gut gelaufenen Wall Street etwas nachgelassen.

US-Präsident Donald Trump setzt auf eine Ausweitung des Handelskonflikts mit China. In seinem Auftrag legte der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer eine Liste mit weiteren Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vor, die mit Strafzöllen belegt werden können. Nach Anhörungen können die Zölle Ende August in Kraft treten. Damit wäre die Hälfte aller Einfuhren aus China von Sonderabgaben betroffen. Die Regierung in Peking reagierte "geschockt" und kündigte für den Fall des Inkrafttretens "notwendige Gegenmaßnahmen" an.

American Airlines bricht ein

Nach einer Senkung der Geschäftsprognose gingen in New York viele Anleger der größten US-Fluggesellschaft American Airlines von Bord. Die Aktien brachen um 6,5 Prozent ein und zogen auch die Papiere von Konkurrenten wie Delta und United Continental mit nach unten.

Sorge vor Handelskrieg belasten Ölpreise

Die Ölpreise sind am Mittwoch wegen neuer Sorgen vor einer Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China deutlich gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im September kostete am Morgen 78,33 US-Dollar und damit 53 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August fiel um 37 Cent auf 73,74 Dollar.

Euro gibt wieder nach

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Mittwoch leicht gesunken. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1725 US-Dollar gehandelt und damit etwas tiefer als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,1713 Dollar festgesetzt.

Eine weitere Verschärfung im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte am Devisenmarkt vorerst nicht für stärkere Kursbewegungen. Der japanische Yen, traditionell ein sicherer Anlegerhafen und Gradmesser für die Nervosität der Märkte, stand am Morgen kaum verändert.

rei/la mit Nachrichtenagenturen

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