Montag, 24. September 2018

Kursrally an der Börse Trumps Rückzieher stützt Dax und Dow

Wilder Ritt an den Börsen: Zunächst tauchte der Dax ab - anschließend legte der deutsche Leitindex wieder deutlich zu. Grund für die Erholung ist der jüngste Rückzieher Donald Trumps im Handelsstreit mit China

Rauf, runter, rauf: Die Schwankungen im Dax haben stark zugenommen. Zeitweise tauchte der Dax bis auf 12.150 Punkte ab. Doch nun zieht der Dax kräftig wieder an - zumal Donald Trump im Streit mit China einen Rückzieher macht.

Der Handelsstreit zwischen USA und China hält Anleger an den Börsen weiter in Atem. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen setzte trotz positiver Vorgaben der Wall Street am Mittwoch seine Talfahrt zunächst fort und fiel zeitweise auf 12.150 Punkten. Binnen zwei Wochen hat der Dax mehr als 900 Zähler an Wert verloren. Vom jüngsten Hoch am 15. Juni hatte der Dax fast acht Prozent eingebüßt.

Am Nachmittag griffen jedoch Schnäppchenjäger wieder zu: Der Dax baute zuletzt seine Gewinne deutlich aus und kletterte wieder über die Marke von 12.400 Punkten. Anlass für die Kurserholung: Im Handelsstreit mit China schreckt US-Präsident Donald Trump offenbar vor einer weiteren Eskalation zurück.

Trump schlägt nun einen vorsichtigeren Kurs ein: Das Weiße Haus setzt vorerst auf eine "Modernisierung bereits bestehender Regeln" und "sieht von zusätzlichen Maßnahmen ab", wie die Regierung am Mittwoch in Washington mitteilte. Der Kongress habe bei der Gesetzgebung zum Schutz von US-Technologien vor schädlichen Übernahmen aus dem Ausland bereits Fortschritte gemacht, versuchte Trump seinen Rückzieher schönzureden.

Und schob in gewohnter Weise die vage Drohung nach: Sollte es jedoch verfehlt werden, "die Kronjuwelen der US-Technologie" und geistiges Eigentum besser vor Akquisitionen zu schützen, die die nationale Sicherheit und die Wirtschaft bedrohten, so werde die Entwicklung strikterer Maßnahmen angewiesen.

Die US-Börsen legten daraufhin am Mittwoch im frühen Handel zu. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen kletterte zuletzt um 1,1 Prozent auf 24.530 Punkte, und der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen legte um 0,5 Prozent zu.


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Koalitionskrise in Deutschland - Merkel gegen Seehofer

Investoren in Europa haben vor allem den Koalitionsstreit in Deutschland fest im Blick. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zunimmt", betonte Schmidt. CDU und CSU haben ihren Asylstreit bislang nicht beigelegt. Vor allem der anstehende EU-Gipfel rückt nun in den Mittelpunkt. "Dieser könnte Einfluss darauf haben, ob sich die Koalitionsregierung halten kann oder zerbricht", betonte Milan Cutkovic, Analyst beim Handelshaus AxiTrader.

Deutsche Bank fällt auf Rekordtief

Anleger trennten sich von riskanteren Titeln wie Finanzwerten: der europäische Sektorindex war mit 1,6 Prozent größter Verlierer, seit Jahresbeginn hat er 14 Prozent abgegeben. "Anleger wollen ihre Risiken zurückfahren und das trifft besonders den Bankensektor", erläuterte ein Händler.

Im Dax fielen die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen um bis zu 5 Prozent auf ein Rekordtief von 8,75 Euro. Seit Jahresbeginn haben sie damit mehr als 40 Prozent verloren - der Rabatt auf den Buchwert beträgt inzwischen rund 70 Prozent. Die Commerzbank-Titel gaben rund zwei Prozent nach, italienische Bankhäuser wie Ubi Banca knapp drei Prozent.

Autowerte unter Druck

Erneut standen auch die Aktien der Autobauer auf den Verkaufszetteln. BMW Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen verloren bis zu 1,5 Prozent. Neben den drohenden US-Zöllen sorgte zuletzt auch der näher rückende EU-Austritt Großbritanniens für Unsicherheit.

Der britische Büroflächen-Vermieter IWG vergraulte Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die Aktien der in Deutschland vor allem unter der Marke Regus bekannten Vermiet-Büros fielen an der Londoner Börse um bis zu 7,1 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief von 301,10 Pence. Ein schwächelndes Inlandsgeschäft und höhere Kosten für weitere Standorte machen IWG weniger optimistisch für 2018.

Euro weiter unter 1,17 US-Dollar

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch weiter unter der Marke von 1,17 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1645 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1672 Dollar Börsen-Chart zeigen festgesetzt.

Zur Wochenmitte stehen sowohl in der Eurozone als auch in den USA einige Konjunkturdaten auf dem Programm. Im Euroraum dürften Daten der EZB zur Geld- und Kreditmenge auf Interesse stoßen. In den Vereinigten Staaten werden Auftragszahlen zu langlebigen Gütern veröffentlicht, die einen Hinweis auf die Investitionsfreude amerikanischer Unternehmen geben.

Asiens Börsen im Minus

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat Anleger in Asien am Mittwoch verunsichert. Vor allem an den Börsen in China kam es zu größeren Kursverlusten. Der Index der Börse Shanghai fiel um 1,2 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gab zwei Prozent nach.

Das US-Repräsentantenhaus nickte mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz ab, das schärfere Kontrollen für ausländische Investoren vorsieht. Vor allem der Zugriff chinesischer Firmen auf amerikanische Hochtechnologie-Firmen ist den USA ein Dorn im Auge. Die jüngsten US-Zolldrohungen gegen China summieren sich auf mehr als ein Drittel der chinesischen Exporte in die USA. "Wenn es dazu kommt, und wenn sich die Handelspartner der USA wehren, wäre das ein signifikanter Schock für die Weltwirtschaft, der zu steigender Inflation und geringerem Wachstum führt", sagte JPMorgan-Volkswirt David Hensley.

In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,3 Prozent auf 22.271 Punkte. Dort machte der Anstieg des Ölpreises Aktien von Fluggesellschaften und Schiffsfahrtsunternehmen zu schaffen.

Ölpreise steigen weiter

Der US-Ölpreis liegt aktuell auf dem höchsten Stand seit etwa einem Monat. Am Dienstagabend waren die Rohölpreise kräftig gestiegen. Auslöser war die Nachricht, dass die USA andere Länder zur Beendigung ihrer Erdöleinfuhren aus dem Iran auffordern. Dies soll bis zum 4. November erfolgen. Hintergrund ist die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die Vereinigten Staaten. Dies lässt Sanktionen der USA gegen den drittgrößten Produzenten des Ölkartells Opec wieder aufleben.

Die Ölpreise sind am Mittwoch weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Morgen 76,57 US-Dollar. Das waren 26 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 20 Cent auf 70,73 Dollar.

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