Mittwoch, 14. November 2018

Handelskrieg droht Dax und TecDax knicken ein - Risiken steigen

Euro: Größter Wochenverlust zum Dollar seit fast zwei Jahren

Der schwache Euro hat den Dax zuletzt gestützt - doch die Eskalation des Handelstreits zwischen USA und China treibt Anleger in die Flucht. Finanzwerte wie die Deutsche Bank und die Commerzbank setzen ihre Talfahrt fort. Auch der TecDax gibt deutlich nach.

Die USA erheben Strafzölle auf chinesische Waren, Peking kündigt seinerseits Zölle auf US-Waren an: Der Handelsstreit zwischen den USA, China und der EU ist am Freitag wieder in den Fokus der Anleger gerückt. Der Dax Börsen-Chart zeigen rutschte nach seiner jüngsten Kursrally wieder ins Minus und fiel bis zum Handelsschluss auf Xetra unter die Marke von 13.100 Punkten zurück.

Auch im zuletzt hoch gelaufenen Technologiesektor setzten verstärkt Gewinnmitnahmen ein. Der TecDax Börsen-Chart zeigen baute seine Verluste zuletzt auf mehr als 2 Prozent aus.

"Nun wird der Dauerbrenner Handelsstreit wieder in den Fokus der Investoren rücken", sagte Vermögensverwalter Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer. Da auch der Handelsüberschuss der EU-Länder gegenüber den USA kräftig gestiegen ist, dürfte sich die Diskussion um Strafzölle in den kommenden Wochen wieder verschärfen.

US-Präsident Donald Trump hat bereits Zölle gegen China im Volumen von 50 Milliarden Dollar verkündet. Eine Liste mit betroffenen Produkten wurde am Freitag veröffentlicht. Der Leitindex der Börse in Shanghai fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als eineinhalb Jahren.

Außerdem brachten die EU-Staaten Vergeltungszölle im Umfang von 2,8 Milliarden Euro auf US-Waren auf den Weg.

Fachleute warnen vor den wirtschaftlichen Folgen des Zollstreits. Das Wirtschaftswachstum der USA sei mit Schulden erkauft und beschleunige sich derzeit auf Kosten einer sich abschwächenden Weltkonjunktur, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Letztlich werde die US-Handelspolitik das weltweite Wachstum abkühlen und die US-Wirtschaft mit nach unten ziehen. "

Starke Schwankungen am Hexensabbat

Heute ist außerdem Hexensabbat: An diesem Tag laufen Terminkontrakte auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen aus. Vom "großen Verfall" sprechen Börsianer dann, wenn der letzte Handelstag aller vier Derivate-Typen, also der Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien, auf denselben Tag fällt.

Insgesamt gibt es jährlich vier große Verfallstermine, und zwar jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Zu diesen Terminen können Aktienkurse und auch Indizes ohne wesentliche Unternehmens- oder Konjunkturnachrichten spürbar schwanken.

Euro fällt unter 1,16 US-Dollar - Hilfe für den Dax

Am Devisenmarkt gab der Euro nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter nach. Der Euro bröckelte zeitweise auf ein Zweieinhalb-Wochen-Tief von 1,1541 Dollar ab, nachdem er bereits am Donnerstag zwei Prozent verloren hatte.

Die Gemeinschaftswährung steht damit vor ihrem größten Wochenverlust seit November 2016. Zahlreiche Analysten hatten zuletzt ihre Euro-Prognosen gesenkt.

Die EZB hatte zwar ein Ende ihrer umstrittenen Anleihenkäufe in Aussicht gestellt, die Zinsen will sie aber erst frühestens im Herbst 2019 anheben. "Unserer Ansicht nach fehlt der EZB die Grundlage, um ihre Geldpolitik, und damit sind in erster Linie die Zinsen gemeint, in absehbarer Zeit zu normalisieren und damit fehlt natürlich auch ein wichtiger Grund, auf einen stärkeren Euro zu setzen", sagte Analystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

Finanzwerte leiden unter Nullzinspolitik der EZB

Bei den Einzelwerten am Aktienmarkt waren Banken unter den größten Verlierern. "Für Unsicherheit sorgen die Zinsen", sagte ein Händler. Banken bereiten die ultraniedrigen Zinsen auf der Etragsseite Probleme. Die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank gaben je rund ein Prozent nach. In Paris waren Societe Generale, Credit Agricole und BNP Paribas mit Abschlägen von je rund 1,5 Prozent Schlusslicht im Leitindex. Unicredit verloren in Mailand 1,6 Prozent.


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Ceconomy will Russland-Geschäft verkaufen - Aktie legt zu

Unter den Einzelwerten legten die Anteile von Ceconomy Börsen-Chart zeigen um etwas mehr als 2 Prozent zu. Es scheint sich eine Lösung für das schwierige Russland-Geschäft des Elektronikhändler Media-Saturn abzuzeichnen. Die Media-Saturn-Holding befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem russischen Konkurrenten M.video über den Verkauf ihrer russischen Filialen, hatte die Konzernmutter Ceconomy am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt.

Rolls Royce mit Kurssprung

In London sprangen die Titel von Rolls-Royce um bis zu 14,5 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch nach oben. Der Triebwerkbauer will tausende Jobs streichen und hat neue Mittelfristziele in Aussicht gestellt.

Home24 startet an der Börse

Zudem wird der Online-Möbelhändler Home24 an diesem Morgen den Schritt aufs Börsenparkett wagen. Der Ausgabepreis je Aktie war auf 23,00 Euro festgesetzt worden, wie das Unternehmen aus der Startup-Schmiede Rocket Internet am Mittwoch mitgeteilt hatte. Ausgegeben werden rund 6,5 Millionen Aktien. Hinzu kommen Mehrzuteilungen im Umfang von knapp 1 Million Papieren. Der angestrebte Bruttoerlös beträgt rund 150 Millionen Euro. Bei vollständiger Ausübung der Greenshoe-Option kämen weitere 22,5 Millionen Euro hinzu. Damit dürfte das Unternehmen Chancen auf eine künftige SDax-Aufnahme haben.

mit Nachrichtenagenturen

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