Mittwoch, 23. Mai 2018

Erholung an der Börse, Dax mit siebter Gewinnwoche Dax schließt über 13.000 Punkten

Der Dax schwankt um die Marke von 13.000 Zählern. Das ist der höchste Stand seit Ende Januar, der Index steuert auf den siebten Wochengewinn in Folge zu. Auch in Asien setzen die Börsen ihre Erholung fort. Im Dax ist die Aktie von Lufthansa gefragt.

Europas Aktienanleger reagieren auf die vermehrten politischen Krisenherde überwiegend gelassen. Auch zum Wochenschluss kam es trotz drohender US-Sanktionen für Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zum Iran und der Aussicht auf eine populistische Regierung in Italien nicht zu größeren Verlusten. Der Dax verteidigte die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Er schloss 0,2 Prozent tiefer bei 13.001 Zählern, auf Wochensicht gelang ein Plus von 1,4 Prozent.

Von seinem Rekordhoch ist der Dax nun nicht mehr weit entfernt. Die bisherige Bestmarke vom Januar liegt bei 13.596 Zählern.

Dax mit längster Gewinnserie seit 17 Monaten

Der Dax Börsen-Chart zeigen hat damit den siebten Wochengewinn in Folge geschafft. Das ist die längste Serie seit fast eineinhalb Jahren. Mit gut 13.000 Punkten fehlten ihm weniger als 600 Zähler bis zu einem neuen Rekordhoch.

Die Wall Street blieb bis zum Handelsende in Europa in Schwung, nur der Technologie-Index lag im Minus. Zum einen stünden für die Anleger weiterhin die soliden Konjunktur- und Bilanzzahlen im Vordergrund, sagten Experten. Zudem rechneten Investoren mit einer Verhandlungslösung im Streit über Atomabkommen mit dem Iran, das die USA aufkündigen wollen.

Entspannung in Italien

Relativ moderate Töne der auf ein Regierungsbündnis zusteuernden Parteien in Italien beruhigten die Nerven der dortigen Anleger. Vertreter der 5-Sterne-Bewegung betonten, eine vernünftige und berechenbare Haushaltspolitik verfolgen zu wollen. Die 5 Sterne und die rechtsextreme Lega wollen sich bis Sonntag auf einen Regierungschef verständigen. Die Mailänder Börse lag 0,5 Prozent im Plus, während der EuroStoxx50 0,1 Prozent schwächer aus dem Handel ging.

Vor allem Italiens Finanzwerte waren gefragt. Die Krisenbank Monte dei Paschi, der der italienische Staat 2017 zur Hilfe eilen musste, kehrte im ersten Quartal 2018 in die Gewinnzone zurück. Die Titel gewannen 17,6 Prozent.

An den Bondmärkten erholten sich die Kurse zehnjähriger italienischer Anleihen. Im Gegenzug sanken die Renditen um rund sechs Basispunkte auf 1,868 Prozent, nachdem sie am Donnerstag ein Sieben-Wochen-Hoch markiert hatten.

Zahlen von ArcelorMittal helfen Thyssenkrupp

Der europäische Stahlsektor erhielt durch einen Gewinnsprung und einen optimistischen Ausblick des weltgrößten Herstellers ArcelorMittal Auftrieb. Arcelor-Aktien kletterten um 2,2 Prozent. In ihrem Schlepptau legten Konkurrenten wie Thyssenkrupp, Voestalpine und Outokumpu bis zu 1,8 Prozent zu.

In Paris waren Titel von Saint-Gobain mit einem Plus von 2,6 Prozent Spitzenreiter. Der französische Baustoff-Konzern blies nach jahrelanger heftiger Gegenwehr die Übernahme des Schweizer Rivalen Sika ab. Sika bescherte die Entscheidung zeitweise den größten Kurssprung seit eineinhalb Jahren. Die Aktie legte in Zürich 8,3 Prozent zu.

Lufthansa legt deutlich zu

Die im Tagesverlauf bereits stark gelaufenen Lufthansa-Aktien haben ihren Kursgewinn am Freitagnachmittag nach Aussagen zu einem positiven Preisumfeld ausgebaut. Zuletzt legten die Papiere der Fluggesellschaft an der Dax-Spitze um rund 3 Prozent auf 25,10 Euro zu.

Die Ticketpreise der Airline gingen nach zwei Monaten Stagnation im April wieder nach oben. Aussagen zu diesem Aspekt hatten den Aktienkurs in letzter Zeit immer wieder mitunter deutlich bewegt. So waren die Aktien im März und April jeweils deutlich abgesackt, nachdem die Preise damals lediglich stabil geblieben waren, Marktteilnehmer aber mit höheren Preisen gerechnet hatten. Im April beförderte die Lufthansa angesichts der früheren Osterferien mehr Passagiere im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, jedoch waren die Flugzeuge schlechter gefüllt.

2017 waren die Anteile der Lufthansa Börsen-Chart zeigen mit einem Kursgewinn von 150 Prozent der Überflieger im Dax. In diesem Jahr sind sie mit einem Abschlag von bislang gut 18 Prozent zweitschwächster Wert

Ölpreis klettert auf Dreieinhalb-Jahres-Hoch

Kopfschmerzen bereitet Investoren aber der Streit um das Atom-Abkommen mit Iran. US-Präsident Donald Trump kündigte die Vereinbarung auf und droht mit neuen Sanktionen. Weil dadurch Schätzungen zufolge dem Weltmarkt iranische Öl-Lieferungen im Volumen von bis zu einer Million Barrel pro Tag entzogen werden könnten, kletterte der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee zeitweise auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 77,57 Dollar je Barrel (159 Liter).

"Mit Blick auf die US-Außenpolitik spricht zur Zeit wenig für Entspannung und damit für wieder moderatere Ölpreise in nächster Zeit", sagt Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock. "Damit bleibt das Thema Inflation auf der Tagesordnung, was die Börse in schneller steigende Zinsen zumindest in den USA übersetzt", betont Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Commerzbank, Allianz und RWE legen Zahlen vor

Daneben halten Firmenbilanzen Investoren weiter in Atem. Am Dienstag allein legen fünf Dax-Werte Geschäftszahlen vor. Dazu gehören die Commerzbank, der Versicherer Allianz und der Versorger RWE. Im Ausland öffnen unter anderem der Telekom-Rivale Vodafone (Dienstag) und der Einzelhändler Wal-Mart (Donnerstag) ihre Bücher.

Konjunkturseitig warten Investoren unter anderem auf die Zahlen zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum sowie den ZEW-Index, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt (allesamt Dienstag). Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes habe sich voraussichtlich auf jeweils 0,4 Prozent abgeschwächt, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Ein weiterer Rückgang des ZEW-Index dürfte zeigen, dass dies zunehmend auch die Analysten nervös macht."

Unternehmensseitig steht zum Wochenschluss vor allem der Versicherer Talanx mit Quartalszahlen im Blick, die am Markt nicht gut ankamen. Ein Händler sagte, gerade mit Blick auf das zuletzt starke Abschneiden der Tochter Hannover Rück habe Talanx enttäuscht. Analysten der Baader Bank und von JPMorgan bemängelten das Industriegeschäft, das schwächer gelaufen sei als gedacht. Die Talanx-Papiere verloren als einer der schwächsten MDax-Werte 1,3 Prozent.

Bei den Aktien von Uniper gab es Abschläge von 1,1 Prozent. Die Societe Generale (SocGen) hatte die Anteile des Kraftwerksbetreibers von "Hold" auf "Sell" abgestuft. Die Bewertung und die Dividendenrendite seien nicht besonders attraktiv, so die Begründung. Darunter litt auch die Aktie von RWE, die zuletzt 1,1 Prozent nachgab.

Nikkei auf Dreimonatshoch

Gestützt auf Kursgewinne an der Wall Street haben asiatischen Börsen am Freitag ebenfalls zugelegt. Der japanische Nikkei-Index stieg um 1,2 Prozent auf 22.758,48 Punkte. Das ist der höchste Schlusskurs seit drei Monaten. Die Börse in Tokio profitierte außerdem von ermutigenden Firmenbilanzen, sagten Börsianer.

So steigerte Panasonic den Reingewinn im Geschäftsjahr 2017/2018 um 58 Prozent auf umgerechnet 1,8 Milliarden Euro. Daraufhin stiegen die Aktien des Elektronik-Konzerns um 4,9 Prozent.

Euro weiter bei 1,191 Dollar

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Freitag seine Vortagesgewinne weitgehend gehalten. Im Vormittagshandel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1915 US-Dollar und damit in etwa so viel wie im asiatischen Handel. Ein zwischenzeitlicher Kursrückgang unter 1,19 Dollar wurde schnell wettgemacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1878 Dollar festgesetzt.

Das dominierende Thema am Devisenmarkt bleibt die Zins- und Inflationsentwicklung in den USA. Am Donnerstag hatten etwas unter den Erwartungen gebliebene Inflationszahlen den Dollar belastet und vielen Schwellenländerwährungen Entlastung verschafft. Die tendenziell steigenden Kapitalmarktzinsen in den Vereinigten Staaten sorgen zunehmend für Kapitalabflüsse aus aufstrebenden Nationen, allen voran Argentinien und die Türkei.

Am Freitagvormittag dürften Impulse durch Konjunkturdaten dagegen gering ausfallen. Erst gegen Nachmittag könnten Zahlen zu den Einfuhrpreisen und zur Verbraucherstimmung aus den USA für Bewegung sorgen. Außerdem stehen öffentliche Auftritte prominenter Zentralbanker an. Es haben sich EZB-Präsident Mario Draghi und James Bullard von der US-Notenbank Fed angekündigt.

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