Montag, 22. Oktober 2018

Zins- und Inflationsangst an der Börse Dax rutscht ab, Dow Jones wankt

Der Dax gibt deutlich nach. Steigende Renditen am US-Anleihemarkt verunsichern Investoren: Dow Jones und Nasdaq schwanken nach ihrem Kursrutsch weiterhin.

Rückschlag für den Dax Börsen-Chart zeigen: Der deutsche Leitindex hat am Mittwoch weiter nachgegeben und ist zeitweise unter die Marke von 12.400 Zählern gefallen. Grund sind der Kursrutsch in den USA sowie die Sorgen vor einer anziehenden Inflation. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) reduzierte der Dax Börsen-Chart zeigen seine Verluste jedoch auf 1,0 Prozent und schloss bei 12.422 Punkten. Am Vortag hatte er zeitweise noch über 12.600 Zählern notiert.

Experten zufolge bleiben anziehende Renditen bei US-Staatsanleihen für Aktien der größte Belastungsfaktor, weil dies Festverzinsliche attraktiver macht. Laut Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker Axitrader bringt dies "die Angst vor steigenden Zinsen zurück", die Anleger in den vergangenen Monaten schon mehrfach in die Flucht getrieben hatte. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen hat erstmals seit vier Jahren wieder die Drei-Prozent-Marke erreicht. Als Grund dafür gelten steigende Rohstoffpreise und folglich höhere Inflationserwartungen.

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"Womit wir es aktuell an der Börse zu tun haben, ist eine Neubewertung einer aggressiveren Geldpolitik der US-Notenbank Fed", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets. Der gestiegene Ölpreis habe die Angst des Marktes vor einem plötzlichen Inflationsanstieg wieder zurückgebracht. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises bis auf 80 Dollar könnte zu einem Ausbruch der Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen auf deutlich über drei Prozent führen. Am Vortag hatten die Bond-Renditen bereits die runde Marke von 3 Prozent erreicht. Damit kämen die mehrmals getesteten Februartiefs in den großen Aktienindizes unter schweren Beschuss, so Stanzl.

Dow Jones kämpft um 24.000 Punkte Marke

An der Wall Street sind die wichtigsten Indizes nach ihrer Talfahrt vom Vortag mit erneuten Verlusten in den Tag gestartet. Dow Jones und Nasdaq hatten am Dienstag jeweils 1,7 Prozent im Minus geschlossen. Am Mittwoch fiel der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen im frühen Handel deutlich unter die Marke von 24.000 Punkten, ein Minus von 0,7 Prozent. Der Technologieindex Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen gab ebenfalls 0,7 Prozent nach und fiel unter die Marke von 7000 Zählern. Zuletzt konnten beide Indizes ihre Verluste jedoch wieder eingrenzen, der Dow Jones drehte zeitweise sogar leicht ins Plus, pendelte zuletzt aber weiter um die Marke von 24.000 Zählern.

Zu den wenigen Gewinnern in den USA zählte die Aktie von Boeing Börsen-Chart zeigen, die nach Vorlage von Quartalszahlen mehr als 3 Prozent zulegte. Dennoch konnte der größte Dow-Gewinner des Vorjahres den Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Mittwoch nicht nachhaltig stützen.

Dax: Siemens und Lufthansa unter Druck

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten am Mittwoch unterdessen Siemens Börsen-Chart zeigen , Lufthansa Börsen-Chart zeigen , RWE Börsen-Chart zeigen und Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, die jeweils knapp 3 Prozent nachgaben. Die Verluste bei der Deutschen Post Börsen-Chart zeigen fielen mit 5 Prozent optisch noch größer aus, allerdings wurde die Aktie der Deutschen Post mit einem Dividendenabschlag von 1,15 Euro gehandelt.

In Asien dagegen bleiben die Anleger zumeist gelassen. In Tokio gab der Nikkei Börsen-Chart zeigen am Mittwoch dagegen nur um 0,2 Prozent auf 22.222 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel ebenfalls um 0,2 Prozent auf 3121 Punkte.

Anleiherenditen bei 3 Prozent

Grund für die gestiegene Nervosität an den Börsen: Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen ist am Dienstag erstmals seit 2014 auf die Marke von 3 Prozent gestiegen. Der Kapitalmarktzins stieg am Nachmittag kurzzeitig genau auf 3,00 Prozent. Zuletzt fiel die Rendite jedoch wieder leicht zurück und lag bei 2,986 Prozent. Der Anstieg der Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf drei Prozent hatte dem Leitindex den Wind aus den Segeln genommen. An Bondrenditen orientieren sich Zinssätze für Unternehmens- und Verbraucherkredite.

Der Zinsanstieg der vergangenen Tage hat große Aufmerksamkeit unter Analysten erzeugt. Auslöser der Bewegung hin auf die runde Marke waren im Trend steigende Rohstoffpreise, die höhere Inflationsraten erwarten lassen. Anleger fordern deshalb höhere Renditeaufschläge. Außerdem könnten höhere Inflationsraten eine schnellere Straffung der US-Geldpolitik nach sich ziehen.

Osram Aktie bricht ein - Prognose gesenkt

Zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt zählte Osram. Der Lichttechnik-Konzern senkte aufgrund eines schwachen Halbjahresergebnisses seine Gesamtjahresziele. Die Prognosesenkung komme angesichts der jüngsten Wechselkurs-Entwicklungen aber nicht völlig überraschend, sagte ein Börsianer. Die Aktie fiel dennoch um bis zu 7,6 Prozent auf ein 15-Monats-Tief von 53,52 Euro.

Zahlen von Linde, Gegenwind für Versicherer

Geschäftszahlen gab es auch vom Industriegasekonzern Linde Börsen-Chart zeigen , der kurz vor der Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair steht. Der starke Euro drückte zu Jahresbeginn zwar auf den Umsatz, operativ legte das Ergebnis aber zu. Die Aktie schlug sich daher im außerbörslichen Handel mit einem Abschlag von 0,4 Prozent etwas besser als der breite Markt.

Unter Druck gerieten auch die Aktien aus dem Versicherungssektor. Nach dem guten Jahresstart für die Branche sei es angesichts neuer Risiken Zeit für eine Neubewertung, schrieb die Citigroup in einer aktuellen Branchenstudie. Allen voran ging es für Hannover Rück um fast 2 Prozent nach unten, weil Analyst James Shuck den Daumen für die Aktien des Rückversicherers senkte

Ölpreis nahe 75 US-Dollar

Die Ölpreise haben sich am Mittwochmorgen nach spürbaren Verlusten am Vortag stabilisiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete im frühen Handel 73,84 US-Dollar. Das waren zwei Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Taxas Intermediate (WTI) sank ebenfalls geringfügig um drei Cent auf 67,67 Dollar.

Am Dienstagabend waren die Rohölpreise unter Druck geraten, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während eines Staatsbesuchs in den USA Vorschläge präsentierte, um das Atomabkommen mit dem Iran nicht zu gefährden. Die US-Regierung steht dem Abkommen kritisch gegenüber. Es gilt als möglich, dass US-Präsident Donald Trump das Abkommen aufkündigt und einstige Sanktionen wieder in Kraft setzt.

Euro fällt unter 1,22 Dollar, Dollar wertet auf

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Mittwoch gegenüber dem Dollar weiter gefallen. Gegen Mittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,2206 Dollar gehandelt. In der Nacht hatte er noch bei 1,2239 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,2213 Dollar festgesetzt.

Am Vormittag war der Kurs noch zeitweise unter 1,22 Dollar gesunken. Danach erholte er sich ein wenig. Am Vortag hatte der Euro bei 1,2182 Dollar den tiefsten Stand seit Anfang März erreicht. Das im April verbesserte Verbrauchervertrauen in Frankreich bewegte den Devisenmarkt kaum.

Analysten erklären die Euro-Schwäche mit einer Dollar-Stärke. "Die Musik spielt im US-Dollar", kommentierte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Ihrer Einschätzung nach beginnt die amerikanische Währung, von höheren Zinsen in den USA zu profitieren. Zuletzt war die Rendite für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit etwa vier Jahren über die Marke von drei Prozent gestiegen.

Vor der Zinsentscheidung der EZB an diesem Donnerstag rechnen Marktbeobachter mit vergleichsweise wenig Kursbewegung. "Vor der morgigen EZB-Sitzung dürften Dollar-Bullen in Lauerstellung verharren und erst einmal keinen weiteren Durchbruchsversuch starten", sagte Devisenexperte Manuel Andersch von der BayernLB. Im weiteren Tagesverlauf stehen in den USA keine wichtigen Konjunkturdaten auf dem Programm, die am Devisenmarkt für neue Impulse sorgen könnten

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