Sonntag, 19. August 2018

Zins- und Inflationsangst ist zurück Dax bricht ein - Anleger fliehen

Der Dax baut seine Verluste aus. Der Kursrutsch an der Wall Street belastet. Die steigenden Renditen am US-Anleihemarkt verunsichern Investoren: Dow Jones und Nasdaq haben tief im Minus geschlossen - und könnten ihre Talfahrt fortsetzen.

Rückschlag für den Dax Börsen-Chart zeigen: Der deutsche Leitindex ist am Mittwoch mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet und am Vormittag unter die Marke von 12.400 Zählern gefallen. Grund ist der Kursrutsch am Vortag in den USA. Zuletzt baute der Dax Börsen-Chart zeigen seine Verluste auf 1,7 Prozent aus und notierte bei 12.330 Punkten. Am Vortag hatte er zeitweise noch über 12.600 Zählern notiert.

"Womit wir es aktuell an der Börse zu tun haben, ist eine Neubewertung einer aggressiveren Geldpolitik der US-Notenbank Fed", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets. Der gestiegene Ölpreis habe die Angst des Marktes vor einem plötzlichen Inflationsanstieg wieder zurückgebracht. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises bis auf 80 Dollar könnte zu einem Ausbruch der Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen auf deutlich über drei Prozent führen. Am Vortag hatten die Bond-Renditen bereits die runde Marke von 3 Prozent erreicht. Damit kämen die mehrmals getesteten Februartiefs in den großen Aktienindizes unter schweren Beschuss, so Stanzl.

An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland nachgegeben. Dow Jones und Nasdaq schlossen jeweils 1,7 Prozent im Minus. Der S&P500 fiel um 1,3 Prozent. Zeitweise betrugen die Verluste im Dow Jones Börsen-Chart zeigen mehr als 500 Punkte. Da auch die US-Futures keine Erholung an der Wall Street für Mittwoch anzeigen, ist die Nervosität am deutschen Aktienmarkt deutlich gestiegen.

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten am Mittwoch, Siemens, Lufthansa, RWE und ThyssenKrupp, die jeweils knapp 3 Prozent nachgaben. Die Verluste bei der Deutschen Post fielen mit 5 Prozent optisch noch größer aus, allerdings wurde die Aktie der Deutschen Post mit einem Dividendenabschlag von 1,15 Euro gehandelt.

In Tokio gab der Nikkei Börsen-Chart zeigen am Mittwoch dagegen nur um 0,2 Prozent auf 22.222 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel ebenfalls um 0,2 Prozent auf 3121 Punkte.

Anleiherenditen bei 3 Prozent

Grund für die gestiegene Nervosität an den Börsen: Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen ist am Dienstag erstmals seit 2014 auf die Marke von 3 Prozent gestiegen. Der Kapitalmarktzins stieg am Nachmittag kurzzeitig genau auf 3,00 Prozent. Zuletzt fiel die Rendite jedoch wieder leicht zurück und lag bei 2,986 Prozent. Der Anstieg der Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf drei Prozent hatte dem Leitindex den Wind aus den Segeln genommen. An Bondrenditen orientieren sich Zinssätze für Unternehmens- und Verbraucherkredite.

Der Zinsanstieg der vergangenen Tage hat große Aufmerksamkeit unter Analysten erzeugt. Auslöser der Bewegung hin auf die runde Marke waren im Trend steigende Rohstoffpreise, die höhere Inflationsraten erwarten lassen. Anleger fordern deshalb höhere Renditeaufschläge. Außerdem könnten höhere Inflationsraten eine schnellere Straffung der US-Geldpolitik nach sich ziehen.

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax, Dow Jones und Nasdaq in Echtzeit

Osram Aktie bricht ein - Prognose gesenkt

Zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt zählte Osram. Der Lichttechnik-Konzern senkte aufgrund eines schwachen Halbjahresergebnisses seine Gesamtjahresziele. Die Prognosesenkung komme angesichts der jüngsten Wechselkurs-Entwicklungen aber nicht völlig überraschend, sagte ein Börsianer. Die Aktie fiel dennoch um bis zu 7,6 Prozent auf ein 15-Monats-Tief von 53,52 Euro.

Zahlen von Linde, Gegenwind für Versicherer

Geschäftszahlen gab es auch vom Industriegasekonzern Linde Börsen-Chart zeigen , der kurz vor der Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair steht. Der starke Euro drückte zu Jahresbeginn zwar auf den Umsatz, operativ legte das Ergebnis aber zu. Die Aktie schlug sich daher im außerbörslichen Handel mit einem Abschlag von 0,4 Prozent etwas besser als der breite Markt.

Unter Druck gerieten auch die Aktien aus dem Versicherungssektor. Nach dem guten Jahresstart für die Branche sei es angesichts neuer Risiken Zeit für eine Neubewertung, schrieb die Citigroup in einer aktuellen Branchenstudie. Allen voran ging es für Hannover Rück um fast 2 Prozent nach unten, weil Analyst James Shuck den Daumen für die Aktien des Rückversicherers senkte

Ölpreis nahe 75 US-Dollar

Die Ölpreise haben sich am Mittwochmorgen nach spürbaren Verlusten am Vortag stabilisiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete im frühen Handel 73,84 US-Dollar. Das waren zwei Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Taxas Intermediate (WTI) sank ebenfalls geringfügig um drei Cent auf 67,67 Dollar.

Am Dienstagabend waren die Rohölpreise unter Druck geraten, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während eines Staatsbesuchs in den USA Vorschläge präsentierte, um das Atomabkommen mit dem Iran nicht zu gefährden. Die US-Regierung steht dem Abkommen kritisch gegenüber. Es gilt als möglich, dass US-Präsident Donald Trump das Abkommen aufkündigt und einstige Sanktionen wieder in Kraft setzt.

Euro kaum verändert

Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen notierte am Mittwoch kaum verändert um die Marke von 1,22 US-Dollar. Am Dienstag war die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2185 Dollar gefallen. Das ist der tiefste Stand seit Anfang März. Zuletzt konnte sich der Eurowieder etwas erholen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag noch auf 1,2238 Dollar festgesetzt.

Für das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, ergibt sich eine Neuerung. Das Ifo-Institut hat seine Kennzahl überarbeitet. Unter anderem ändert sich das Basisjahr, und der große Dienstleistungssektor wird jetzt berücksichtigt. Das hat zur Folge, dass die neuen Indexwerte durchweg etwas tiefer liegen und der Indikator wohl etwas weniger schwanken wird

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