Freitag, 27. April 2018

Börse Schwacher Dollar und Russland bremsen Dax

Börse in Moskau: Kursrutsch nach US-Sanktionen

Der Dax startet mit Schwung in die neue Woche, gibt dann aber einen Großteil seiner Gewinne wieder ab. Im Fokus steht die Aktie der Deutschen Bank: Aufsichtsratschef Achleitner hat einen Chefwechsel durchgedrückt.

Gewinnmitnahmen nach gutem Start: Der deutsche Leitindex Dax war mit deutlichen Gewinnen in die neue Woche gestartet. Im späten Handel sorgten jedoch der schwache Dollar sowie der Kurssturz an der Börse in Russland dafür, dass der Leitindex einen Großteil seiner Gewinne wieder abgab. Der Dax Börsen-Chart zeigen schloss mit 12.261 Punkten auf Xetra (17.30 Uhr) nur noch 0,2 Prozent höher, ebenso der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen.

Auch der Handelsstreit zwischen den Regierungen in Washington und Peking hat Anleger auch zu Wochenbeginn nicht losgelassen. "Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt im Fokus", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Zunächst habe die Hoffnung auf eine Lösung auf diplomatischer Ebene überwogen. Doch bis konkrete Ergebnisse vorliegen, könne es noch dauern.

In Wien sorgten die US-Sanktionen gegen Russland für einen Aktien- Ausverkauf von Unternehmen mit einem starken Russlandgeschäft.

Dow Jones und Nasdaq starten Erholungsversuch

An der Wall Street holte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen einen Teil der zweiprozentigen Freitagverluste wieder auf und lag zum europäischen Handelsschluss bei 24.250 Punkten 1,3 Prozent höher. Der Tech-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen notierte sogar 1,8 Prozent höher.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende getwittert, er rechne im Zollstreit mit Zugeständnissen Chinas. Auch Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow bemühte sich, die Furcht vor einem Handelskrieg zu dämpfen.

Allerdings kam aus China Gegenfeuer. Ministerpräsident Li Keqiang warnte vor Folgen über den wirtschaftlichen Bereich hinaus. Alleingänge von Staaten gefährdeten Frieden und Stabilität in der Welt, sagte Li bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres in Peking.

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Deutsche Bank: Christian Sewing folgt auf entlassenen John Cryan

Bei der Deutschen Bank setzen Anleger ihre Hoffnungen zunächst in den neuen Chef Christian Sewing, der am Sonntag mit sofortiger Wirkung die Leitung des Geldhauses übernahm. Die Aktie kletterte um bis zu 4,7 Prozent auf 11,88 Euro. Doch dann machte sich Ernüchterung breit. Bis zum Handelsschluss war das Plus auf 1,2 Prozent geschmolzen.

Der mächtige Aktionärsberater Hermes, auf den zahlreiche große Pensionskassen und andere institutionelle Investoren hören, kritisierte Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Es sei unklar, was der dritte Chefwechsel in Achleitners sechsjähriger Amtszeit für die Strategie der Bank bedeute. Auch aus Sicht der Analysten von JP Morgan kommt es nun darauf an, welche Strategie die Deutsche Bank unter Sewing verfolgen wird. Eine klar definierte Ausrichtung fehle bereits seit Jahren.


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US-Sanktionen lösen Kurssturz in Moskau aus

Für lange Gesichter sorgte in Moskau, Wien, Zürich und Frankfurt die härtere Gangart der US-Regierung gegen Russland. Wegen der angeblichen Einmischung Russlands in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhängte die Regierung in Washington Sanktionen gegen Oligarchen und deren Firmen. In Moskau kamen die Aktien der betroffenen Firmen unter die Räder.

Zudem zogen die Anleger bei Aktien von Unternehmen mit einem großen Russland-Engagement die Reißleine: In Wien traf dies die Raiffeisen Bank, die um über 11,7 Prozent absackte. Papiere des Ölkonzerns OMV verloren über vier Prozent. Der Leitindex der österreichischen Börse sank um 2,4 Prozent. In Zürich fielen die Titel des Industriekonzerns Sulzer, an dem der russische Oligarch Viktor Vekselberg namhaft beteiligt ist, um 16 Prozent. In Frankfurt verloren die im MDax gelisteten Aktien der Metro 2,2 Prozent. Der Handelskonzern hat schon seit langem mit einem schwächelnden Russland-Geschäft zu kämpfen.

In Moskau flog zudem der Rubel im großen Bogen aus den Depots: Die russische Währung wertete zeitweise um vier Prozent ab.

Euro steigt wieder über 1,23 US-Dollar

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Montag über die Marke von 1,23 US-Dollar gestiegen. Am Vormittag wurde die Gemeinschaftswährung noch bei 1,2283 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,2234 Dollar festgesetzt.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland konnten den Euro am Morgen nur kurze Zeit etwas belasten. Der Kurs fiel zeitweise auf ein Tagestief bei 1,2261 Dollar, nachdem das Statistische Bundesamt bei den Exporten im Februar den stärksten Rückgang im Monatsvergleich seit 2015 gemeldet hatte. Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der ING Diba-Bank sprach von einem weiteren enttäuschenden Monat für die deutsche Industrie. "Es zeigt sich der schwächste Start in ein neues Jahr seit 2009", kommentierte der Experte die jüngste Serie enttäuschender Konjunkturdaten.

Kursverluste gab es am Vormittag beim chinesischen Yuan. Angesichts des eskalierten Handelskonflikts mit den USA prüft China informierten Kreisen zufolge eine Abwertung der Landeswährung. Führende Offizielle untersuchten diese Möglichkeit sowohl als Druckmittel gegen den handelspolitischen Rivalen als auch zur Linderung der Folgen eines Handelskonflikts, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen.

Ölpreise erholen sich von Verlusten

Die Ölpreise haben sich zum Wochenbeginn etwas von ihren deutlichen Verlusten vom Freitag erholt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Auslieferung im Juni wurde am Morgen bei 67,43 US-Dollar gehandelt. Das waren 32 Cent mehr als vor dem Wochenende. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai stieg um 27 Cent auf 62,33 Dollar.

Marktbeobachter sprachen von einer leichten Gegenbewegung, nachdem die Ölpreise vor dem Wochenende unter Druck geraten waren. US-Präsident Donald Trump hatte im Handelsstreit mit China seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer angewiesen, zusätzliche Strafzölle auf Importe in Höhe von 100 Milliarden Dollar aus China zu prüfen. Er begründete dies mit "unfairen Vergeltungsmaßnahmen Chinas". Am Ölmarkt belastet die Sorge, dass der Handelsstreit die Weltwirtschaft bremsen und zu einem Rückgang der Ölnachfrage führen könnte.

mit Nachrichtenagenturen

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