Dienstag, 24. April 2018

Neuer Kursrutsch - Dax, Dow und Nasdaq knicken ein Facebook-Talfahrt bringt Zuckerberg zum Umdenken

Tesla: Der jüngste Unfall mit einem Model X wird von der US-Verkehrsbehörde untersucht. Anleger reagieren nervös

Der Dax startet einen Erholungsversuch. Vor allem die Autowerte VW, BMW und Daimler sind gefragt. An der Technologiebörse Nasdaq geht jedoch erneut die Angst um: Die Aktien von Tesla, Facebook und Twitter geben deutlich nach.

Das Zittern an der Börse geht weiter: Der Dax hat am Dienstag erneut einen Erholungsversuch gestartet und zeitweise die Marke von 12.000 Punkten überwunden. Da die US-Indizes am Dienstag im späten Handel aber erneut einbrachen, fiel auch der Dax zuletzt wieder unter die Marke von 11.900 Punkten. Die Angst vor einem weiteren Kursrutsch ist zurück.

Kurz vor Handelsschluss in den USA fiel der Dow Jones Börsen-Chart zeigen um 1,4 Prozent ins Minus. Der Technologieindex Nasdaq Börsen-Chart zeigen baute seine Verluste sogar auf 3,5 Prozent aus und gab damit die Vortagesgewinne komplett wieder ab. Grund für die extrem schwache Tendenz im Tech-Sektor waren vor allem die deutlichen Verluste der Tech-Schwergewichte Facebook Börsen-Chart zeigen und Tesla Börsen-Chart zeigen.

Facebook setzt Kurssturz fort

Facebook baute seine Verluste um weitere 3 Prozent aus, da die Glaubwürdigkeit des Netzwerkes nach dem Datenmissbrauch enorm gelitten hat. Auch die US-Handelsaufsicht hat eine Untersuchung angekündigt. Am Dienstagabend berichtete die New York Times, Facebook-Chef Marc Zuckerberg habe sich entschlossen, vor dem US-Kongress auszusagen - voraussichtlich vor dem Ausschuss für Energie und Handel. Bislang hatte der 33-jährige Facebook-Chef solche Auftritte immer abgelehnt, zuletzt vor dem britischen Unterhaus.

Tesla bricht ein - Verkehrsaufsicht ermittelt wegen Unfall

Der US-Elektroautobauer Tesla Börsen-Chart zeigen baute seine Verluste zuletzt auf mehr als 5 Prozent aus, da die US-Verkehrsaufsichtsbehörde Ermittlungen im Fall des tödlichen Unfalls eines Tesla Model X Fahrers am vergangenen Freitag in Kalifornien aufgenommen hat. Es sei noch unklar, ob das Fahrzeug im halb-autonomen Modus "Autopilot" unterwegs gewesen sei oder ob der Fahrer das Fahrzeug selbst gesteuert habe, hieß es. Sowohl die Aktien von Tesla wie auch von Facebook haben in den vergangenen Handelstagen zweistellig an Wert verloren.

Zeitweise bremste der starke Euro Börsen-Chart zeigen, der in Richtung 1,25 US-Dollar stieg, den Dax. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Tage gab die europäische Gemeinschaftswährung zuletzt zum Dollar jedoch wieder nach, so dass auch der Dax erneut durchstarten konnte. In der jüngsten Dollar-Schwäche zeigt sich auch das Misstrauen am Devisenmarkt gegenüber US-Präsident Trump.

Deutsche Bank im Blick, Gerüchte um Cryan-Ablösung

Im Blickpunkt stand auch die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die von Gerüchten um eine Ablösung von Bankchef John Cryan profitierte. Zuletzt notierte die Aktie noch 1,1 Prozent im Plus. In den Tagen zuvor war die Aktie auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten gerutscht.


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Hoffnung im Streit um Strafzölle - doch Trump bleibt unberechenbar

Die Ankündigung der USA, Zölle auf chinesische Produkte zu erheben, und Gegenmaßnahmen aus China hatten die Börsen zuletzt auf Talfahrt geschickt. US-Finanzminister Steven Mnuchin und der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer verhandelten mit ihren chinesischen Kollegen. Experten warnen aber, dass die Erholung an den Börsen nur von kurzer Dauer ist. "Trump bleibt unberechenbar", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader.

Dow Jones gibt Gewinne wieder ab

Am New Yorker Aktienmarkt setzte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen nach der Kursrally am Montag zunächst fort, gab bis kurz vor Handelsschluss einen Großteil seiner Gewinne wieder ab. Zuletzt notierte der US-Leitindex unverändert, während der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen wegen der Kursverluste von Tesla und Facebook eine ausgeprägte Schwäche zeigte.

Anleger setzen unterdessen weiterhin auf eine Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Zuletzt hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin die Hoffnung angedeutet, die beiden Länder könnten den Konflikt um Einfuhrzölle beilegen.

Novartis steigt nach GSK-Deal, H&M laufen Kunden und Aktionäre davon

Aufmerksam verfolgten Anleger auch zwei Milliarden-Deals in der Chemie- und Pharmabranche: GlaxoSmithKline (GSK) übernahm von Novartis für 13 Milliarden Dollar dessen Anteile an einem Gemeinschaftsunternehmen. Anleger beider Firmen waren begeistert - GSK stiegen in London um 4,5 Prozent, Novartis in der Schweiz um zwei Prozent.

In Amsterdam deckten sich Anleger mit Aktien von Akzo Nobel ein, der sein Spezialchemiegeschäft für 10,1 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Carlyle und GIC verkauft hat. Akzo-Aktien stiegen um 3,3 Prozent.

Dem schwedischen Modekonzern H&M laufen dagegen nicht nur die Kunden, sondern auch die Aktionäre davon. Das Ergebnis brach im ersten Quartal um 60 Prozent ein, die Aktien rutschen um bis zu 7,1 Prozent auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren ab.

Gewinne in Asien

Und auch an den Handelsplätzen in Asien griffen die Anleger wieder beherzt zu. Nachdem die Börsenbarometer in Fernost in der vergangenen Woche inmitten von Ängsten vor einem eskalierenden Handelsstreit rasant gefallen waren, rücken die Sorgen jetzt in den Hintergrund.

Japans Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen legte bis Handelsschluss um 2,65 Prozent auf 21.317,32 Punkte zu. Andere asiatische Börsen gewannen ebenfalls, aber weniger stark. Chinas Leitindex CSI 300 schloss 0,86 Prozent fester. Die Tech-orientierte Börse in Schenzen legte um 2,1 Prozent zu. Hongkongs wichtigstes Börsenbarometer Hang Seng Börsen-Chart zeigen liegt bei einem Plus von 0,81 Prozent

Analyst Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel hält eine weitere Erholung auch für den Dax für möglich. Denn trotz der hohen Verluste sei der Index noch nicht aus dem seit neun Jahren gültigen Aufwärtstrend gefallen. Damit könne sich nun ein "fast schon klassisches Erholungsszenario anbahnen".

Euro unterbricht Höhenflug - Gewinnmitnahmen

Der Euro war noch am Dienstagmorgen in Richtung 1,25 US-Dollar gestiegen, den höchsten Stand seit 5 Wochen. Anschließend nahmen Anleger jedoch Gewinne mit, der Euro gab am Nachmittag wieder deutlich nach.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,2411 (Freitag: 1,2346) Dollar festgesetzt. Der Euro hatte zuletzt von einer Dollar-Schwäche profitiert. Der schwache Dollar ist auch als Misstrauensvotum der Devisenmärkte gegen US-Präsident Donald Trump zu sehen: Obwohl die Zinsen in den USA weiter steigen, setzt der Dollar seine Talfahrt fort.

Ölpreise deutlich gestiegen

Die Ölpreise haben am Dienstag im frühen Handel weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 70,33 US-Dollar. Das waren 21 Cent mehr als am Vorabend. In der Nacht auf Montag hatte der Brent-Preis zwischenzeitlich den höchsten Stand seit Ende Januar bei 71,05 Dollar erreicht. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg zuletzt um 33 Cent auf 65,88 Dollar.

Seit einigen Tagen gibt die Sorge vor einer neuen Zuspitzung der politischen Lage im ölreichen Nahen Osten den Preisen Auftrieb. Am Markt wird ein schärferes Vorgehen der USA gegen das große Förderland und Opec-Mitglied Iran nicht ausgeschlossen, weil der als gemäßigt geltende Sicherheitsberater H.R. McMaster durch den Hardliner John Bolton ersetzen wurde.

rei mit Nachrichtenagenturen

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