Mittwoch, 19. Dezember 2018

Angst vor Zöllen und Zinsen, Stahlwerte im Feuer Dax stürzt auf tiefsten Stand seit August 2017

Händler an der Frankfurter Börse: Schlechte Woche für den deutschen Leitindex Dax

Die USA verhängen Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Das war nicht unerwartet, gleichwohl greift die Angst vor einem Handelskrieg um sich. Der Dax fällt unter die Marke von 12.000 Punkten und sinkt auf den tiefsten Stand seit August 2017. Stahlwerte und Autoaktien verlieren kräftig. Aber auch Banken-Titel standen am Freitag nach einer Branchenstudie unter Verkaufsdruck.

Der Dax hat die Marke von 12 000 Punkten nicht halten können und ist im Verlauf des Freitags auf den tiefsten Stand seit August vergangenen Jahres gefallen. Der zunehmende Protektionismus in den USA sowie wichtige politische Entscheidungen in Deutschland und Italien verschrecken die Investoren aktuell. Auch steigende Zinsen bereiten nach wie vor Sorgen, da dadurch verstärkt die Bewertungshöhe von Aktien hinterfragt wird.

Bis zum Abend büßte der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen 2,3 Prozent auf 11.913,71 Punkte ein. Ende Januar noch hatte der Dax bei 13.597 Punkten ein Rekordhoch markiert.

Der MDax Börsen-Chart zeigen , in dem mittelgroße deutsche Unternehmen versammelt sind, sank bis zum Abend um 2,2 Prozent auf 25.224,57 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax Börsen-Chart zeigen gab um 3,1 Prozent auf 2482,44 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 2,1 Prozent auf 3327,18 Punkte.

Sorge bereiten Investoren nicht nur die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, die in einen weltweiten Handelskrieg münden könnten. Auch die Ungewissheit über die Geldpolitik der US-Notenbanken lasteten schwer auf den Kursen.

Stahlwerte brechen kräftig ein

Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets führte die Kursschwäche neben der verbreiteten Sorge um Strafzölle auch auf die Unsicherheit mit Blick auf die SPD-Mitgliederabstimmung über die Große Koalition und die Parlamentswahlen in Italien zurück. Die damit drohenden politischen Hängepartien bergen seiner Ansicht nach ein hohes Risiko, Aktienpositionen über das Wochenende hinweg zu halten.

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, machte zudem darauf aufmerksam, dass mit der Ankündigung von Strafzöllen auch die Sorge vor steigender Inflation wachse und damit Zinsängste zurückkehrten - denn Zölle wirken nun einmal preistreibend. "Nach wie vor halten wir stärker als vom Markt erwartet steigende Inflations- und Zinstrends für das größte Risiko für die Finanzmärkte", so Greil.

Besonders hart trafen die Pläne des US-Präsidenten Donald Trump die europäischen Stahlkonzerne. Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen gaben bis zum frühen Nachmittag mehr als 3 Prozent nach, Aktien von Salzgitter Börsen-Chart zeigen verloren im MDax mehr als 4 Porzent. Die ebenfalls im MDax noiterten Titel von Aurubis Börsen-Chart zeigen gaben rund 3 Prozent nach. In Wien zählten die Papiere von Voestalpine 3,4 Prozent und in Amsterdam ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen 4,1 nach.

Die Strafzölle kämen zwar nicht unerwartet, fielen doch höher aus als von US-Handelsminister Wilbur Ross zuvor angekündigt, sagte ein Händler und befürchtet eine Eskalation der Lage innerhalb der Branche. Laut einem Börsianer sind ausländische Stahlhersteller aber nicht nur negativ betroffen. Wer wie etwa ArcelorMittal viel in den USA produziere, habe weniger zu befürchten und könnte zudem womöglich von der US- Steuersenkung profitieren.

Trump hatte sein Vorhaben am Donnerstag damit begründet, dass er die heimische Industrie wieder aufbauen wolle. Die EU kündigte umgehend eine entschiedene Gegenreaktion an. "Die Welt steht am Rande eines Handelskrieges", sagte der ING-Aktienexperte Robert Carnell in Singapur. "So fangen Rezessionen an."

Banken-Aktien ebenfalls unter Verkaufsdruck

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Aktien von Autobauern. Diese würden unter einem Preisanstieg des für den Fahrzeugbau notwendigen Rohstoffs Stahl leiden. BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen gaben um bis zu 2,9 Prozent nach. Die Konkurrenten Peugeot Börsen-Chart zeigen und Renault Börsen-Chart zeigen büßten jeweils knapp 2 Prozent ein, und in Mailand brachen die Titel des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen sogar um mehr als 5 Prozent ein.

Analysten der Ratinagentur Moody's erklärten, es sei mit negativen Auswirkungen auf die Stahlindustrie in Asien zu rechnen. Doch auch US-Unternehmen, die auf Stahl und Aluminium angewiesen sind, müssten mit höheren Kosten rechnen. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor schwelt seit Jahren ein Streit zwischen den USA, der EU und China.

Unterdurchschnittlich notierten auch Bankaktien. Aktien der Commerzbank Börsen-Chart zeigen gaben rund 4 Prozent nach, die Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen fielen um 3 Prozent.

Euro hält die Kursgewinne vom Vortag

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen stieg bis zum Nachmittag wieder über 1,23 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch deutlich tiefer auf 1,2171 Dollar festgesetzt.

Am Vorabend war der US-Dollar unter Druck geraten und der Kurs des Euro legte im Gegenzug um etwa einen Cent zu. Die USA-Regierung macht Ernst mit den angekündigten Strafzöllen. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, in der nächsten Woche Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.

Ölpreise kaum verändert

Damit können sich die Ölpreise nach deutlichen Verlusten im Verlauf der Woche vorerst stabilisieren. In den vergangenen Handelstagen hatte die Sorge vor einem zu hohen Angebot an Rohöl in den USA die Notierungen belastet. In den USA war die Fördermenge zuletzt auf ein neues Rekordhoch bei 10,28 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Außerdem waren die Ölreserven deutlich gestiegen.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete gegen Mittag 63,62 US-Dollar. Das sind 21 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April fiel um 19 Cent auf 60,80 Dollar.

wed/dpa/Reuters

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