Dienstag, 23. Januar 2018

Börse Dax und Dow geben nach - China lässt die Muskeln spielen

Gewinnmitnahmen: Der Dax fällt um mehr als 100 Punkte, und auch an der Wall Street geben die Indizes nach. Spekulationen um China sorgen dafür, dass das Zinsniveau für die 10-jährige US-Anleihe deutlich steigt. Bankentitel wie die Commerzbank legen deutlich zu.

Gewinnmitnahmen: An der Börse machen Dax-Anleger unmittelbar vor Beginn der US-Bilanzsaison Kasse. Nach fünf Tagen mit Kursgewinnen in Folge verlor der deutsche Leitindex bis Mittwoch Nachmittag 1,1 Prozent auf 13.348 Punkte. Auch die Nebenwerte-Indizes MDax Börsen-Chart zeigen und TecDax gaben nach, der TecDax verlor fast 2 Prozent an Wert.

Anlass für die Kursverluste sind ein schwächerer Dollar und steigende Renditen für Anleihen in den USA. "In den USA blickt man mit Sorge auf ein Thema, das lange Zeit keines mehr war: Die Zinsentwicklung am Rentenmarkt", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets. Das erste Mal seit Sommer 2011 muss die US-Regierung wieder über 2,5 Prozent Zinsen für Schulden bezahlen, die sie über zehn Jahre aufnimmt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist damit auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr gestiegen. "Und das gerade jetzt, wo die Neuverschuldung in den USA durch die Steuerreform noch einmal deutlich erhöht wird", sagte Stanzl.

Wall Street schwächer: China weist Trump in die Schranken

Die steigenden Renditen für US-Staatsanleihen haben auch der Rekordrally an der Wall Street einen Dämpfer verpasst. Analysten verwiesen auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, welche die Kurse amerikanischer Staatsanleihen unter Druck gesetzt und entsprechend die Renditen für die festverzinslichen Wertpapiere nach oben getrieben hatte. Bloomberg hatte unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass China über eine Verringerung oder gar einen Stopp seiner Käufe von US-Staatsanleihen nachdenke. China ist der größte Gläubiger der USA, ein Stopp der Kreditvergabe durch China wäre ein schwerer Schlag für die größte Volkswirtschaft der Welt - zumal in einer Zeit rückläufiger Anleihebestände der amerikanischen Notenbank und einer absehbar weiter steigenden US-Staatsverschuldung.

Gut eine Stunde nach dem Börsenstart gab der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Mittwoch um 0,3 Prozent auf 25 306 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,29 Prozent auf 2743,30 Punkte und der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen sank um 0,6 Prozent.


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Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten die Aktien der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, die rund 4 Prozent zulegten. Durch steigende Anleiherenditen verbessert sich für die Geldhäuser tendenziell das Geschäft mit Krediten und mit festverzinsten Wertpapieren. Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen stiegen um rund 2 Prozent und Commerzbank Börsen-Chart zeigen sogar um rund 4 Prozent.

Ölpreis auf Dreijahreshoch

Am Mittwochmorgen stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Februar um 50 Cent auf 63,46 US-Dollar. Zeitweise erreichte der US-Ölpreis bei 63,53 Dollar den höchsten Stand seit Ende 2014. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch beim Preis für Rohöl aus der Nordsee. Ein Fass der Sorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen zeigen zur Lieferung im März wurde zuletzt für 69,16 Dollar gehandelt. In der vergangenen Nacht hatte der Brentpreis bei 69,29 Dollar zeitweise den höchsten Stand seit Mai 2015 erreicht. Als Grund für die steigenden Ölpreise gilt die Entwicklung der Ölreserven in den USA.

Gewinnmitnahmen bei Continental

Continental Börsen-Chart zeigen litten mit einem Abschlag von 2 Prozent nach dem starken Kursanstieg vom Vortag unter Gewinnmitnahmen. Hier beklagten Händler zudem, dass es vom Automobilzulieferer bislang keine Details zur am Vortag angekündigten neuen Konzernstruktur gibt.

Eine Abstufung der Papiere von Dialog Semiconductor von "Outperform" auf "Neutral" durch die Credit Suisse drückte den Kurs des Chip-Produzenten um 2,65 Prozent nach unten. Auch andere Titel aus dem Umfeld der Halbleiterbranche wie Infineon , Aixtron und Siltronic gaben nach.

Berichtsaison in USA: Gewinnplus von 10 Prozent erwartet

Die Rekordjagd an der Wall Street hat sich auch am Dienstag fortgesetzt. Die Börsenbarometer Dow Jones Börsen-Chart zeigen und S&P 500 markierten zu Handelsbeginn neue Höchststände. Anleger hofften auf ermutigende Quartalszahlen der Unternehmen. Die Berichtssaison steht unmittelbar bevor.

Investoren warteten auch auf die Quartalsberichte der Firmen. Gegen Ende der Woche legen sich die ersten Banken ihr Zahlenwerk vor. "Analysten blicken der US-Quartalsberichtssaison optimistisch entgegen", sagte Börsenexperte Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg. Die zusammengerechneten Gewinne der Firmen im S&P-500-Index dürften im Vergleich zum vierten Quartal 2016 um knapp zehn Prozent steigen. Auch die Steuerreform von Donald Trump dürfte zum Gewinnwachstum im laufenden Jahr beitragen, da sie die Unternehmenssteuern massiv senkt.

Euro legt wieder zu

Im Blick bleibt der Euro, der zuletzt zum US-Dollar deutlich zugelegt hatte, in dieser Woche aber wieder etwas nachgab. Ein zu starker Euro wird allgemein als mögliche Belastung für den deutschen Aktienmarkt mit seinen vielen exportorientierten Unternehmen gesehen.

Der Kurs des Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen rutschte zuletzt wieder unter die Marke von 1,20 US-Dollar und wurde zuletzt bei 1,1984 Dollar gehandelt. Am Sonntag stand der Euro noch zeitweise bei 1,2052 Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren.

Asien beendet sechstägige Rally

Asien-Anleger nutzen den jüngsten Kursanstieg für Gewinnmitnahmen. Der Der MSCI-Index für die dortigen Börsen mit Ausnahme Japans verlor am Mittwoch 0,4 Prozent und schloss erstmals seit sechs Tagen im Minus.

In Tokio büßte der Nikkei Börsen-Chart zeigen 0,3 Prozent ein. "Die Rally war etwas zu schnell", sagte Anlagestratege Yukino Yamada vom Brokerhaus Daiwa. "Anleger nehmen vor allem bei den hoch gehandelten Technologiewerten Gewinne mit." Die Aussichten für die Konjunktur und die Unternehmensgewinne seien aber unverändert gut.

Bitcoin pendelt um 14.000 US-Dollar-Marke

Die Kryptowährung Bitcoin/Dollar Börsen-Chart zeigen gab am Mittwoch zeitweise deutlich nach und fiel zuletzt um 8 Prozent. Am Dienstag hatte die Digitalwährung nach ihrem jüngsten Kursrutsch wieder die Marke von 15.000 US-Dollar zurückerobert, rutschte nun aber unter die 14.000 Dollar Marke.

Das krisengeschüttelte Venezuela treibt derweil die Pläne für eine eigene Digitalwährung zur Linderung seiner Finanznot voran. Die Kryptodevise mit dem Namen "Petro" solle in den nächsten Tagen ausgegeben werden, kündigte der linke Präsident Nicolas Maduro am Freitag an. Dabei gehe es um 100 Millionen "Petro" und damit ein Volumen von rund 5,9 Milliarden Dollar.

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