Freitag, 22. September 2017

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Anleger fürchten erneuten Kursrutsch Wall Street und starker Euro setzen Dax unter Druck

Merkel hilft: Für Mercedes, VW und BMW standen am Dienstag die Kurszeichen auf Grün. Das zarte Plus im Dax geht allein auf die Autowerte zurück

An der Wall Street reagieren Anleger nach dem gestrigen US-Feiertag auf die Korea-Krise. Dow und Nasdaq geben deutlich nach und sorgen dafür, dass auch der Dax seine Gewinne wieder abgibt. Kanzlerin Merkel hilft unterdessen den deutschen Autobauern.

Nach den Kursverlusten zum Wochenstart haben am Dienstag einige Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in die Aktienmärkte genutzt. Die schwelende Nordkorea-Krise bereitete ihnen aber immer noch Kopfschmerzen. Zeitweise baute der Dax seine Gewinne bis auf 0,8 Prozent aus, gab dann aber die Gewinne auf Grund der schwachen US-Börsen fast komplett wieder ab und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 12.123,71 Punkten. Der EuroStoxx50 konnte seine Anfangsgewinne dagegen nicht halten und verlor 0,3 Prozent auf 3420,86 Zähler.

Merkel stützt Autowerte

Der deutsche Leitindex profitierte von Kursgewinnen der Autobauer. BMW Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen gewannen bis zu 1,9 Prozent. Fast das gesamte Plus im Dax Börsen-Chart zeigen ging auf ihr Konto. Ihnen helfe die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel, dass es keine Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geben solle, sagte ein Händler.

US-Börsen nach Feiertag klar im Minus

An der Wall Street rutschten die Indizes Dow Jones Börsen-Chart zeigen, Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen und S&P 500 im Vormittagshandel deutlich ab. Sie hatten wegen eines US-Feiertags am Montag keine Gelegenheit, auf den nordkoreanischen Raketentest vom Wochenende zu reagieren. Neben der Korea-Krise drückte auch auf die Stimmung der Investoren, dass die USA ihre Defizitgrenze bald wieder erreichen werden und Trump mit dem Kongress eine Anhebung der Schuldengrenze vereinbaren muss. Wie er gleichzeitig Mehrheiten für Steuererleichterungen bekommen will, ist derzeit noch Trumps Geheimnis.

"Alles in allem muss damit gerechnet werden, dass die Spannungen weiter anhalten, auch wenn von verschiedenen Seiten der Versuch unternommen wird, auf diplomatischer Ebene eine Lösung zu finden", sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba.

EZB-Sitzung am Donnerstag: Draghis Drahtseilakt

Zugleich rücke die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag langsam in den Vordergrund, sagte Investment-Manager Jonathan Roy vom Vermögensverwalter Charles Hanover. Es sei klar, dass wegen der anhaltend niedrigen Inflation nicht mit einer baldigen Drosselung der EZB-Anleihekäufe zu rechnen sei. Bislang pumpt die Notenbank monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Der Euro verteuerte sich um einen knappen halben US-Cent auf 1,1907 Dollar.

Am Rohstoffmarkt drückte das Wiederanfahren der Raffinieren an der US-Golfküste, die wegen des Sturms "Harvey" ihren Betrieb eingestellt hatten, den Preis für Benzin. Der US-Kontrakt verbilligte sich um bis zu fünf Prozent auf 1,6579 Dollar je Gallone (3,8 Liter). Im Gegenzug verteuerte sich das US-Rohöl WTI um 3,2 Prozent auf 48,81 Dollar je Barrel (159 Liter).

Abspaltung von Nasivin: Geplanter Spartenverkauf stützt Merck KGaA

Bei den deutschen Aktien gehörte Merck mit einem Plus von 2,4 Prozent zu den Favoriten. Der Pharma- und Spezialchemie-Konzern stellt sein Geschäft mit Gesundheitsprodukten wie dem Nasenspray "Nasivin" auf den Prüfstand. Möglich seien ein Verkauf oder eine strategische Partnerschaft. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank taxierte den möglichen Verkaufspreis auf 2,7 Milliarden Euro.

Gefragt waren auch Titel von Schneider Electric, die sich um 0,3 Prozent verteuerten. Der französische Elektronikkonzern fusioniert seine Software-Sparte mit dem britischen Industriesoftware-Anbieter Aveva, dessen Aktien in London um knapp 26 Prozent zulegten. Das ist der drittgrößte Tagesgewinn der Firmengeschichte. Durch den Zusammenschluss entsteht ein Software-Konzern im Wert von über drei Milliarden Euro.

Fusion in der Flugzeugindustrie

Auch an der Wall Street sorgte eine Fusion für Aufsehen. Flugzeugindustrie-Zulieferer United Technologies (UTC) kauft für 30 Milliarden Dollar den Konkurrenten Rockwell Collins. UTC-Titel rutschten daraufhin um vier Prozent ab, Rockwell gewannen 0,7 Prozent. Insider hatten bereits vor Wochen von den Plänen berichtet. Dem Analysten Howard Rubel von der Investmentbank Jefferies zufolge könnte diese Transaktion den Auftakt zu einer Fusionswelle in der Branche bilden.

Am Donnerstag entscheidet die EZB über ihre weitere Zinspolitik. Beobachter erwarten, dass EZB-Chef Draghi noch keinen Ausstiegs-Fahrplan aus den Anleihekäufen der EZB vorstellen wird, um der jüngsten Euro-Aufwertung nicht noch weiteren Schub zu geben.

Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass Draghi trotz der anziehenden Konjunktur in Euroland an der Politik des billigen Geldes noch weiter festhalten wird, zumal auch in den USA kaum noch jemand mit einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr rechnet.

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