Dienstag, 16. Oktober 2018

Erholung an der Börse Dax und Dow bauen Gewinne aus - doch keine Neuwahl in Italien?

Dax und Dow Jones starten einen Erholungsversuch. Anleger hoffen darauf, dass in Italien doch noch eine Regierung zustande kommt. Bayer ist gefragt, die Monsanto-Übernahme steht unmittelbar bevor.

Nach dem jüngsten Ausverkauf haben Europas Anleger am Mittwoch wieder etwas Luft geholt. Unterstützung kam aus Rom, wo der designierte Chef einer Technokratenregierung, Carlo Cottarelli, laut einem Medienbericht doch noch Chancen für eine von Politikern geführte ordentliche Koalitionsregierung sieht. Das wäre eine Alternative zu Neuwahlen. Dies verhalf der Börse in Mailand zu einem deutlichen Plus. Die Risikoaufschläge für italienische Anleihen gingen wieder zurück.

Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen 0,93 Prozent im Plus bei 12 783 Punkten. An den vergangenen beiden Tagen hatte er wegen der politisch unsicheren Lage in Italien rund 2 Prozent eingebüßt. Für den MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Mittwoch letztlich um 0,3 Prozent auf 26 355,69 Punkte hoch und der Technologiewerte-Index TecDax Börsen-Chart zeigen gewann 0,6 Prozent auf 2798 Zähler.

Auch der Euro holte die Verluste vom Dienstag auf und notierte bei 1,1635 Dollar.

Wall Street: US-Börse startet mit Gewinnen

Die Wall Street hat sich am Mittwoch zunächst etwas von ihrem Kursrutsch am Vortag erholt. Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte zuletzt 0,8 Prozent im Plus.

Die Bilanz seit Jahresanfang ist aber weiter negativ. Am Dienstag noch hatte die politische Krise in Italien mit ihren Ansteckungsgefahren für die weltweiten Finanzmärkte auch in New York die Kurse unter Druck gesetzt.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es zur Wochenmitte um 0,61 Prozent auf 2706,29 Zähler hoch. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen legte um 0,40 Prozent auf 6954,15 Punkte zu.

Hoffnung auf Regierungsbildung in Italien

Nach der hellen Aufregung über die chaotische Regierungsbildung in Italien hat sich die Lage am Mittwoch etwas beruhigt. In Rom schien nach einer neuen Volte plötzlich doch wieder eine Koalition mit Parlamentsmehrheit möglich, was Neuwahlen vermeiden könnte.

In Rom hatte es Anfang der Woche so ausgesehen, als wäre die geplante Koalition der populistischen Parteien Lega und Fünf Sterne endgültig geplatzt. Eigentlich sollte der Finanzfachmann Carlo Cottarelli als Übergangspremier eine Regierung ohne eigene Mehrheit bis zu Neuwahlen führen. Doch ließ Präsident Sergio Mattarella am Mittwoch bestätigen, dass Cottarelli mit der Bildung einer Übergangsregierung abwarte, bis klar sei, ob sich die Parteien doch noch einigten.

Die Lega äußerte sich zu einem möglichen neuen Anlauf mit den Sternen zurückhaltend. An Europas Finanzmärkten atmeten die Anleger am Mittwoch erst einmal tief durch. Am italienischen Anleihenmarkt gingen die Renditen zurück - ein Zeichen der Entspannung. Die Aktienbörsen der Region verzeichneten überwiegend Gewinne. Doch rechnen Analysten damit, dass die Unsicherheit noch einige Zeit anhält.


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Daneben schwelt die Regierungskrise in Spanien weiter. Ministerpräsident Mariano Rajoy und seine konservative PP sind wegen eines Korruptionsskandals unter Druck geraten. Möglicherweise bewahrt ihn nur ein Streit unter den Oppositionsparteien vor dem Aus, die sich bislang nicht auf ein Prozedere beim Misstrauensvotum verständigen konnten. In Madrid erholte sich die Börse am Mittwoch leicht, nachdem sie am Dienstag um 2,5 Prozent eingebrochen war. Auch in Lissabon zogen die Kurse um gut ein Prozent an.

Die Erholung war auch am Rentenmarkt zu spüren: Die italienischen Staatsanleihen standen wieder höher im Kurs, so dass die Renditen nachgaben und sich damit potenziell die Refinanzierungskosten der Regierung verringern. Der italienische Staat musste allerdings bei einer Anleihe-Auktion den Anlegern schon wieder mehr Zinsen als zuletzt anbieten, nämlich drei Prozent - so viel wie seit Mai 2014 nicht mehr. Bei der Auktion zehnjähriger Anleihen Ende April hatte noch ein Zins von 1,7 Prozent gereicht.

Finanzwerte starten Erholungsversuch

Mit der Erholung am Rentenmarkt ging es auch mit den meisten Finanztiteln wieder nach oben. Die Aktien der Deutschen Bank, die am Dienstag erstmals seit Herbst 2016 unter die Marke von zehn Euro gefallen waren, stiegen in der Spitze um 2,3 Prozent auf 10,04 Euro. Commerzbank Börsen-Chart zeigen erholten sich um 1,4 Prozent. Auch die Papiere der italienischen Intesa SanPaolo und der spanischen Banco Santander zogen um je mehr als zwei Prozent an.

Bayer an der Dax-Spitze

Größter Gewinner im Dax Börsen-Chart zeigen und EuroStoxx50 waren Bayer Börsen-Chart zeigen. Sie stiegen um 4,4 Prozent auf 103,20 Euro. Der Chemieriese hat mit der Genehmigung des US-Justizministeriums die entscheidende Hürde für die milliardenschwere Übernahme von Monsanto genommen.

Aktien des Saatgutherstellers KWS Saat führten die Gewinnerliste im SDax Börsen-Chart zeigen mit sechs Prozent an. Bankhaus Lampe empfahl die Titel zum Kauf. Zudem waren viele Anleger erleichtert, dass das Gemüsesaatgutgeschäft von Bayer an BASF geht. BASF lagen knapp ein Prozent im Plus.

Papiere des französischen Medienkonzerns Vivendi fielen um 5,7 Prozent und damit an das Ende des EuroStoxx50. Die Tochtergesellschaft Canal+ hat in der Auktion von Fußball-Übertragungsrechten den Kürzeren gezogen.

Euro erholt sich

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat sich am Mittwoch nach deutlichen Verlusten an den Tagen zuvor stabilisiert. Am späten Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1608 Dollar. Im frühen Handel hatte sie knapp über der Marke von 1,15 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1632 (Dienstag: 1,1558) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8597 (0,8652) Euro.

Noch am Dienstag hatte die politische Krise in Italien den Eurokurs auf den tiefsten Stand seit Juli 2017 geschickt. Die Lage an den italienischen Finanzmärkten beruhigte sich am Mittwoch jedoch und sorgte Kursgewinne beim Euro gesorgt. Italien hatte an den Finanzmärkten frisches Geld erhalten. Zwar musste man viel höhere Zinsen als zuletzt zahlen. Allerdings stieg zugleich die Nachfrage nach den Staatsanleihen an. Im Vorfeld hatten Fachleute von einem bedeutenden Markttest gesprochen.

Die politische Unsicherheit bleibt jedoch in Italien groß. Es wird auch nicht ausgeschlossen, dass es doch noch zu einer Koalition der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der fremdenfeindlichen Lega kommt. Der Präsidentenpalast bestätigte am Mittwoch, dass Staatschef Sergio Mattarella und der designierte Premier Carlo Cottarelli mit der Bildung einer Übergangsregierung warten wollten, bis klar sei, ob es noch eine Einigung zwischen den Parteien geben könne.

Gestützt wurde der Eurokurs zudem durch eine steigende Inflation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone. In Deutschland waren die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Im Vormonat hatte die Rate der europäischen Berechnungsmethode folgend nur bei 1,6 Prozent gelegen. Auch in Spanien hatten die Verbraucherpreise überraschend stark zugelegt. Die Jahresinflationsrate war hier im Mai auf 2,1 Prozent geklettert. Die EZB strebt für den gesamten Euroraum mittelfristig eine Rate von knapp zwei Prozent an.

Ökonomen erwarten nicht, dass der Euro sich nachhaltig erholen kann. "Solange die Zweifel an der zukünftigen Europapolitik Italiens im Markt vorherrschen, wird es der Euro schwer haben, gegenüber dem Dollar wieder zuzulegen", kommentierte Antje Praefcke, Devisenexpertin bei der Commerzbank. "Da helfen dann irgendwann auch keine guten Konjunkturzahlen mehr."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87500 (0,87143) britische Pfund, 126,76 (125,88) japanische Yen und 1,1513 (1,1517) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde zuletzt mit 1301,41 US-Dollar gehandelt.

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch zunächst kaum von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im Juli 75,18 US-Dollar. Das waren 21 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel geringfügig um drei Cent auf 66,70 Dollar.

Seit Mitte vergangener Woche haben die Ölpreise spürbar nachgegeben, zuletzt war jedoch eine Stabilisierung zu beobachten. Preismindernd wirkte zum einen die Aussicht auf ein höheres Rohölangebot. Die beiden großen Förderer Saudi-Arabien und Russland hatten Signale ausgesendet, ihre Produktion auszuweiten, sofern es zu Angebotsengpässen kommen sollte. Gründe dafür sind neue US-Sanktionen gegen den Iran und ein Fördereinbruch im Krisenland Venezuela.

mit dpa und reuters

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