Mittwoch, 24. Oktober 2018

Börse Anleger fürchten Euro-Krise - auch Wall Street fällt

Ist Italien der Vorbote einer neuen Euro-Krise? Anleger befürchten das. Der deutsche Leitindex jedenfalls verliert in der Spitze fast 2 Prozent. Vor allem Bankenwerte stehen unter Druck. Aktien des Autozulieferers Grammer erleben den größten Kurssprung in ihrer Geschichte - Chinesen wollen das Unternehmen ganz übernehmen.

Die wackelige politische Lage in Italien hat am Dienstag erneut kräftig auf die Stimmung der Anleger gedrückt. Die Aussicht auf weitere Instabilität sowie eine möglicherweise verstärkt EU- und Euro-feindliche Politik des Landes in naher Zukunft setzte Dax Börsen-Chart zeigen und EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen weiter unter Druck. Sie verloren zeitweise jeweils knapp 2 Prozent auf 12.633 beziehungsweise 3418 Punkte.

Der Leitindex der Mailänder Börse fiel zeitweise sogar um 3,7 Prozent auf ein Zehn-Monats-Tief von 21.122,5 Zählern. Der Euro geriet ebenfalls unter die Räder und war mit 1,1528 Dollar so billig wie zuletzt vor zehn Monaten. Gegen Mittag betrug das Minus im Dax Börsen-Chart zeigen noch 1,5 Prozent. Der Nebenwerteindex MDax Börsen-Chart zeigen notierte 0,33 Prozent leichter, der Technologieindex TecDax Börsen-Chart zeigen hielt sich mit 0,3 Prozent im Plus.

Die politische Krise in Italien mit ihren Ansteckungsgefahren für die Finanzmärkte hat am Dienstag auch die Wall Street ins Minus gedrückt. Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen verlor zunächst 0,85 Prozent auf 24.542,8 Punkte. Damit ist seine Bilanz seit Jahresbeginn wieder negativ. Am Montag war in New York wegen des Feiertags "Memorial Day" nicht gehandelt worden.

"Das Gespenst einer nächsten Euro-Krise macht die Runde", schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets in einem Kommentar. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach gar von "ersten Spuren von Panik", vor allem am Anleihenmarkt. Dort setzte sich der Ausverkauf italienischer Staatspapiere fort, die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren.

Wie so oft bei schlechten Nachrichten aus der Peripherie der Eurozone gaben Bankaktien besonders stark nach. Die Papiere der Deutschen Bank verloren zwischenzeitlich mehr als 4,5 Prozent und markierten mit 9,72 Euro ein Allzeittief. Papiere der Commerzbank gaben in der Spitze ebenfalls mehr als 4,5 Prozent. Beobachtern zufolge drohen hier Verluste der Geldhäuser im Geschäft mit den Anleihen dieser Länder. Allerdings sind die Probleme der Deutschen Bank auch hausgemacht.

Bei den Einzelwerten sorgte der mehr als 20-prozentige Kurssprung auf 62,20 Euro von Grammer Börsen-Chart zeigen für Furore. Das ist der größte Kurssprung seit neun Jahren. Zuvor war bekannt geworden, dass Großaktionär Ningbo Jifeng den Autozulieferer komplett übernehmen möchte. Die chinesische Firma schlug einen Kaufpreis von 61,25 Euro je Grammer-Aktie vor. Ningbo-Titel gaben daraufhin in Shanghai 1,5 Prozent nach.

In Japan, China und Hongkong gaben die Kurse am Dienstag ebenfalls nach. Aus den USA gab es hingegen keine Vorgaben, dort wurde wegen eines Feiertags am Montag nicht gehandelt. Einen konjunkturellen Impuls könnten am Nachmittag Daten zum Verbrauchervertrauen in den USA im Mai geben.

Im vorbörslichen Handel auf Tradegate stiegen Aktien von Grammer Börsen-Chart zeigen um fast 17 Prozent auf knapp 60 Euro im Vergleich zum Xetra-Schluss vom Vortag. Der Autozulieferer steht womöglich kurz vor einer Übernahme durch den chinesischen Großaktionär Ningbo Jifeng. Dieser bietet insgesamt 61,25 Euro je Grammer-Aktie. Die Chinesen halten aktuell gut ein Viertel der Grammer-Aktien.

Papiere von Aroundtown Properties legten vorbörslich leicht zu nach Quartalszahlen der Immobiliengesellschaft. Ebenfalls nach Quartalszahlen gaben die Papiere der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet leicht nach.

Nach einer Abstufung von "Hold" auf "Sell" durch die Baader Bank fielen die Aktien des Salz- und Düngemittelproduzenten K+S Börsen-Chart zeigen vorbörslich um 2,3 Prozent.


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Euro kaum erholt, Ölpreise stabilisiert

Der Euro hat sich am Dienstag kaum von seinen deutlichen Verlusten vom Wochenstart erholen können. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1630 US-Dollar. Das war wenig mehr als der am Vortag erreichte rund halbjährige Tiefstand bei 1,1608 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1644 Dollar festgelegt.

Die Ölpreise haben sich am Dienstag nach zum Teil deutlichen Verlusten an den Vortagen zunächst stabilisiert. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli 75,50 US-Dollar. Das waren 20 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls leicht auf 66,72 Dollar.

Nach wie vor liegt das Hauptaugenmerk am Ölmarkt auf der Angebotsseite. Die beiden Ölriesen Saudi-Arabien und Russland haben unlängst in Aussicht gestellt, ihre Rohölförderung im zweiten Halbjahr 2018 möglicherweise auszuweiten. Ausschlaggebend sind Angebotsengpässe am Ölmarkt wegen neuer US-Sanktionen gegen Iran und eines Fördereinbruchs im Krisenland Venezuela.

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